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„Viele Zulieferer investieren jetzt in ihre IT-Systeme, denn sobald die Zahlen wieder nach oben zeigen, dreht sich alles nur noch um Entwicklung und Fertigung“, meint Stefan Issing vom ERP-Anbieter IFS. Bild: IFS

| von Werner Beutnagel

In Sachen ERP zeigt sich Stefan Issing, Global Industry Director for Automotive beim Softwareanbieter IFS als Verfechter modularer Lösungen. automotiveIT hat sich mit dem Experten über die Folgen des Kostendrucks in der Autobranche sowie die Zukunft des ERP- und RPA-Bereichs unterhalten.

Die Situation ist ja nicht überall auf der Welt gleich. Denken wir nur mal an die SUVs, die in Deutschland gerade verpönt sind, doch in Asien und den USA gibt es dafür einen Nachfrageboom. Wir sind ja hauptsächlich bei den Zulieferern vertreten und da sehe ich ein sehr heterogenes Bild, das vom Zurückfahren bis zu hohen IT-Investitionen reicht. Hier in Deutschland ist die Situation zweigeteilt: So gibt es durchaus Unternehmen, die aufgrund der aktuellen Situation ihre IT-Projekte überdenken. Wir sehen aber auch viele Firmen, die die momentane Situation nutzen, um veraltete IT-Systemlandschaften zu modernisieren und sich damit technisch auf den neuesten IT-Stand zu bringen. Denn sobald die Krise überwunden ist, ist der Fokus wieder auf der Produkt-Entwicklung und der Fertigung – und dann bleiben solche Projekte erfahrungsgemäß häufig auf der Strecke.

Der ERP-Sektor befindet sich insgesamt in einem großen Umbruch. SAP macht sehr viel Druck, um seine Kunden auf Hana umzustellen und Oracle versucht sein Glück in einer Kooperation mit dem Erzrivalen Microsoft. Welche technologischen Trends sehen sie gegenwärtig?

Die Zeit der großen monolithischen ERP-Suiten neigt sich dem Ende entgegen. Die Zukunft gehört kombinierbaren Software-Module, die sich wie einen Satz an Lego-Bausteine wahlfrei kombinieren lassen. Das können die etablierten ERP-Anbieter aber nicht liefern. Hier profitieren also kleinere und jüngere Anbieter. Viele SAP-Anwender sind beispielsweise aus Frust über deren Produktpolitik auf andere Plattformen umgestiegen. Doch es ist nicht nur die Modularität, die die großen Anbieter nicht liefern können, es sind auch neue Technologien , die die neue Generation an ERP-Systemen schneller adaptieren kann. Ein Beispiel dafür sind Sprach-Interfaces die zusammen mit Künstlicher Intelligenz die Fertigung unterstützen. Ein weiteres ist RPA. Zwar gibt es praktisch keinen Anbieter von Business-Software, der nicht über RPA spricht, doch die tatsächlich produktiven Lösungen nehmen mit der Größe und Komplexität einer Suite deutlich ab. RPA kann sein volles Potenzial nämlich erst dann zur Geltung bringen, wenn es über viele verschiedene Systeme hinweg implementiert wird – eine Herkulesaufgabe für alte ERP-Systeme.

Sie sind in Deutschland ansässig, verantworten aber den IFS-Autosektor weltweit. Macht das noch immer Sinn?

Aber ja doch! Die hiesigen OEMs und Branchen-Verbände, wie die ITA-Initiative, dem VDA oder die Non-Profit-Organisation ODETTE entwickeln die Quasi-Standards, an die sich dann der Rest der Welt ausrichten muss. Hierin ist Deutschland weiterhin weltweit führend. Auch wenn die reinen Fahrzeug-Produktionen dann in vielen anderen Ländern in höherer Stückzahl erfolgen als in Deutschland.

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