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Angesichts des Fachkräftemangels initiieren viele Unternehmen aus der Automotive-Branche Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme. Und das mit einigem Erfolg.

Scania-Mitarbeiter, in deren Freundes- und Bekanntenkreis sich gute Mechatroniker finden, sind Glückspilze: Kontaktformular mit den Daten des potenziell neuen Kollegen ausfüllen, hoffen, dass es zu einem Bewerbungsgespräch kommt und 1000 Euro kassieren – sofern die Fachkraft sechs Monate bei dem Lkw-Bauer bleibt. Bleibt sie länger, wird die Prämie sogar verdoppelt. Etliche Konzerne, gerade auch in der Automotive-Branche, werden angesichts des Fachkräftemangels kreativ und initiieren Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme. Und das mit einigem Erfolg.

Wie auch die Technologieberatung Salt and Pepper Technology, die unter anderem für Kundenprojekte bei Bosch oder ZF laufend kommunikative Ingenieure sucht und dabei auch die eigene Belegschaft einspannt. Effekt: Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Einstellungen über Mitarbeiterempfehlungen um 17 Prozent gesteigert werden, wobei jeder vierte empfohlene Bewerber auch tatsächlich eingestellt worden ist. Vereinfacht wird das Procedere durch ein digitales Empfehlungsprogramm von Talentry. Für Carl Hoffmann, Chef und Gründer des Münchner Softwareanbieters, ist es naheliegend so zu rekrutieren: „Wenn ein Freund mir seinen Arbeitgeber empfiehlt, muss etwas dran sein!“

Und Chefs schätzen die Güte der Kandidaten, die so ins Haus kommen. Die Personalberatung Hays hat kürzlich 800 Unternehmen befragt und festgestellt, dass mittlerweile Mitarbeiterempfehlungen von 46 Prozent der Unternehmen genutzt werden. Knapp dahinter liegen soziale Medien mit 32 Prozent. „Wenn es auf dem Arbeitsmarkt eng zugeht, sollte die Rekrutierung nicht allein der Personalabteilung überlassen werden“, rät Strategieberater Armin Trost. Denn niemand kennt sich in seinem Umfeld so gut aus und ist so gut vernetzt wie Fachkräfte.

Nicht zuletzt: „Gute Leute kennen gute Leute“, ist Trost überzeugt. Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Begehrte Kräfte schauen sich von selbst kaum nach anderen Optionen um: „Deshalb müssen Unternehmen proaktiv mit den Kandidaten in Kontakt treten“, weiß Hoffmann. Selbst Social-Media-Abstinenzler könnten erreicht werden, denn Empfehlungen funktionieren eben auch per E-Mail, SMS oder komplett offline.

Eine sinnvolle Empfehlungsstrategie müsse aufs Unternehmen zugeschnitten sein, so Hoffman: Auf digitale Unterstützung setzen oder es fürs erste bei manuellen Abläufen belassen? Gibt es Prämien für gelungene Einstellungen oder andere Incentives wie Extra-Urlaub? „Wichtig ist: Entscheidet sich das Unternehmen für Prämien, zählt weniger die Höhe als vielmehr eine schnelle Auszahlung“, rät Hoffmann. „Auch ein internes Vermarktungskonzept für die Mitarbeiter ist Pflicht, sonst gerät das Programm in Vergessenheit und versandet einfach.“ Einstellungserfolge müssen unbedingt kommuniziert werden, denn sie helfen dabei, eine Empfehlungskultur im Unternehmen zu etablieren.

Damit ist der Boden für eine klassische Win-Win-Situation bereitet: Unternehmen kommen an gesuchte Kräfte, sparen Zeit und Geld, Mitarbeiter werden motiviert, zumal sie mit den von ihnen gefundenen neuen Kollegen ihr Arbeitsumfeld positiv mitgestalten – denn die Neuen passen meist prima ins Team.

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