Die weitaus meisten Unternehmen der europäischen Autoindustrie setzen nach einer Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint Free and Open Source Software (FOSS) ein.

Zugleich zeigt die Studie Defizite im Bereich der FOSS Steuerungs- und Management-Prozesse entlang der Wertschöpfungskette. Für die Studie wurden Automobilhersteller (OEMs), Tier1-Lieferanten und Softwarehersteller befragt, die, gemessen an ihrem Umsatz, 50 Prozent der europäischen Automobilindustrie repräsentieren.

Als Gründe für die Verwendung von FOSS nannten die befragten Unternehmen unter anderem: Wettbewerbsdifferenzierung, reduzierte Entwicklungskosten, flexible Anpassungsmöglichkeiten und die Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern.

,,In unserer Arbeit finden wir, dass immer noch Aufklärungsbedarf zur Bedeutung von Open-Source-Software herrscht“, so Professor. Dirk Riehle (Uni Erlangen-Nürnberg), der die Studie unterstützt hat.

Obwohl 59 Prozent der Studienteilnehmer FOSS in ihren Produkten verwenden, verfügt die große Mehrheit über kein strukturiertes Compliance Management oder eine automatisierte Kontrolle beim Einsatz. Während viele Unternehmen Prozesse etabliert haben, um die traditionelle Softwareentwicklung zu managen, kontrollieren nur  wenige Einsatz oder Auswahl von FOSS-Komponenten mit der gleichen Intensität.

In der Automobilbranche ist Software  zum strategischen Motor für Fahrzeuginnovation geworden. Laut einem Bericht der GENIVI Alliance findet man heute in Fahrzeugen der Premium-Klasse Softwareanteile mit mehr als 100 Millionen Codezeilen. Annähernd 70 Prozent dieser Software ist in der ,,Head Unit“, dem Telematik- und In-Vehicle Infotainment (IVI) Subsystem, zu finden. IVI Systeme werden zunehmend auf Grundlage von FOSS-basierten Plattformen wie GENIVI und Android entwickelt.

,,Automobilhersteller profitieren seit Jahren von einer modularen und plattformbasierten Fahrzeugarchitektur. Das Konzept der Plattformen und Wiederverwendung von Modulen und Teilen ist nicht nur für mechanische und elektronische Komponenten sinnvoll, sondern auch und vor allem für Software, deren Bedeutung für die Fahrzeugfunktionalität enorm zugenommen hat“, so Dr. Alexander Krzepinski, Leiter Product Lifecycle Management bei BearingPoint.

,,Unsere aktuelle Studie über Free and Open Source Software Management in der Automobilindustrie bestätigt den Trend, dass immer mehr Automobil-Unternehmen versuchen, eine signifikante Kostenreduzierung und einen Wettbewerbsvorteil durch die Einbindung von FOSS zu erzielen.“

Bezüglich des Lieferantenmanagements überprüft zwar die Mehrzahl der Unternehmen die erhaltene Software auf Erfüllung der spezifizierten Anforderungen, aber weniger als 25 Prozent verlangen eine Aufstellung der verwendeten FOSS Komponenten und Lizenzen von ihren Lieferanten. Nicht einmal zehn Prozent der befragten Unternehmen kontrollieren die Einhaltung der FOSS Lizenzbestimmungen entlang ihrer Software-Lieferkette.