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Künstliche Intelligenz soll Prozesse in der Porsche-Fertigung effizienter machen. Bild: Porsche

| von Yannick Tiedemann

Wenn Autohersteller über ihre Fortschritte beim digitalen Wandel berichten, laden sie Journalisten gerne in Museen und Showrooms ein, in denen die Modellklassiker auf die Innovationen der Zukunft treffen. Damit gelingt der wirkungsvolle Brückenschlag zwischen Historie und Zukunft. Für Sportwagenbauer Porsche ist diese Verbindung besonders wichtig. In Filderstadt nahe Stuttgart lud die traditionsreiche Marke nun die Öffentlichkeit ins Classic Car Refugium ein, um seine neuesten digitalen Konzepte im Lichte der fast 90-jährigen Geschichte zu präsentieren.

„Wir werden unsere DNA nie vergessen bei Porsche, aber wir wollen sie mit der Zukunft verbinden“, erklärt Porsche-Vertriebsvorstand Detlev von Platen auf dem Event. „Das berühmte Porsche-Erlebnis bleibt dabei immer im Vordergrund. Wir wollen physische und digitale Welt nicht gegeneinander ausspielen, sie sollen sich ergänzen.“ Der Sportwagenhersteller hat daher auch finanziell kräftig aufgestockt: So liege das jährliche IT-Budget nunmehr bei rund 450 Millionen Euro, „die Hälfte davon geht mittlerweile auf das Konto der Digitalisierung“, sagt Porsches Finanz- und IT-Vorstand Lutz Meschke.

Finanzstratege Oliver Döring präsentiert das Blockchain-Projekt.

Eines der neuesten digitalen Projekte, auf das die Zuffenhausener besonders stolz sind, ist die in der Branche bislang relativ stiefmütterlich behandelte Blockchain. Als erster Automobilhersteller überhaupt habe man die Krypto-Technologie erfolgreich im Fahrzeug implementiert und verprobt, heißt es in Filderstadt. Mithilfe eines verteilten Protokolls für Daten-Transaktionen soll beispielsweise das Ver- und Entriegeln des Fahrzeugs sicherer werden, ein Hackerangriff von außen gar unmöglich sein. Auch die Kommunikation mit Dritt-Anbietern, wie bei der Kofferraumzustellung mit der DHL, soll mit der Blockchain vereinfacht werden. Über sogenannte Smart Contracts, also automatisierte Verträge, die Transaktionen nur dann auslösen, wenn vorher definierte Voraussetzungen eintreten, werden Drittanbieter zur Vertragseinhaltung verpflichtet.

„Mit der Blockchain können wir im besonderen Maße sicherstellen, dass der Kunde weiterhin über die Datenhoheit verfügt“, sagt Lutz Meschke. Wann das Blockchain-Projekt, das zusammen mit dem Startup Xain verwirklicht wurde, in die Serie geht, ist derweil unklar. IT-Chef Meschke deutete an, dass das Thema parallel zu der neuen Fahrzeugelektronik-Struktur laufe, die man zusammen mit Volkswagen und Audi bis spätestens 2021 verwirklichen will. „Bis dahin sollten wir auch mit der Blockchain-Technologie soweit sein, sie ins Fahrzeug zu integrieren.“

Neben der Blockchain setzt Porsche in der Produktion auf ein anderes Hype-Thema: Mithilfe von künstlicher Intelligenz sollen Geräusche und Vibrationen in Maschinen mit beweglichen Teilen erkannt werden, die von der Norm abweichen. Unter dem Stichwort Predictive Maintenance hat das Porsche Digital Lab den sogenannten „Sound Detective“ entwickelt, der dazu beitragen soll, proaktiv Ausfallzeiten zu verringern. So könne die KI beispielsweise den Status einer Steckverbindung allein anhand der erlernten Vibrationsmuster erkennen.

Mit Augmented Reality lässt sich das Innere des Mission E erkunden.

Die Trend-Technologien Augmented und Virtual Reality kommen derweil im vermehrt im Aftersales des schwäbischen Sportwagenbauers zum Einsatz. „Der Kunde muss in allen Phasen der Kaufentscheidung emotional angesprochen werden. Virtual und Augmented Reality sind dafür perfekt geeignet“, sagt Deniz Keskin, Leiter Kommunikationsstrategie und Retail Marketing bei Porsche. So entstand im Rahmen einer Kooperation mit Internet-Riese Google die sogenannte „Mission E Augmented Reality“. Bevor 2019 mit dem Mission E der erste rein-elektrische Porsche auf den Markt kommt, sollen Kunden bereits heute auf Messen oder in Pop-up-Stores Details von Exterieur und Interieur über Augmented Reality erfahren können. Über eine Smartphone-App lassen sich sowohl die Aerodynamik als auch innere Werte wie die Batterie-Technologie auf dem Mission E selbst oder auf einem skalierten Modell virtuell abbilden. Die komplette immersive Erfahrung will Porsche derweil seinen Mitarbeitern im Aftersales angedeihen. Über VR-Brillen sollen beispielsweise Techniker an besonders komplexe Komponenten wie Hochvoltsysteme herangeführt werden. In der virtuellen Werkstatt können sie zudem Reparaturen simulieren, ohne realen Gefahren der Arbeit mit Hochvolt-Komponenten ausgesetzt zu sein.

„Wie Sie heute gesehen haben, die Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck“, resümiert Vertriebsvorstand Detlev von Platen. „Wir müssen uns täglich die Frage stellen, wie wir dem Kunden mit unseren Angeboten einen digitalen Mehrwert liefern können.“ Dieses Credo scheint in die DNA des Sportwagenherstellers übergegangen zu sein. Aus den präsentierten Projekten müssen nun serienreife Taten folgen, das weiß auch Finanz- und IT-Vorstand Lutz Meschke: „Wir dürfen uns keinesfalls von der rasanten technologischen Entwicklung abkoppeln, sonst wird Porsche irgendwann nur noch eine Marke fürs Museum sein.“

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