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Einem neuen Effizienzprogramm bei Schaeffler werden rund 4.400 Stellen zum Opfer fallen. Bild: Schaeffler

| von Werner Beutnagel

Schon vor zwei Jahren hatte der Zulieferer angekündigt, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurden 2018 drei Standorte in Großbritannien geschlossen, 2019 startete in der Sparte Automotive das Effizienzprogramm RACE, in dessen Rahmen unter anderem Standorte in Hamm, Unna und Kaltennordheim abgestoßen wurden. Im September 2019 wurde noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert.

Schwerpunkt Deutschland

Nun hat Schaeffler ein neues Maßnahmenpaket verabschiedet, das „den Abbau von strukturellen Überkapazitäten und die Konsolidierung von Standorten in Europa mit dem Schwerpunkt Deutschland“ sowie „die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und den Ausbau von lokalen Kompetenzen an ausgewählten deutschen Standorten“ vorantreiben soll. Die strukturellen Maßnahmen sollen bis Ende 2022 weitestgehend umgesetzt werden und betreffen im Wesentlichen zwölf deutsche sowie zwei weitere europäische Standorte.

Vom Kapazitätsabbau und der Konsolidierung sind neben den Großstandorten Herzogenaurach, Bühl, Schweinfurt, Höchstadt und Homburg vor allem Standorte mit einem technologisch auslaufenden Produktportfolio oder kleinteiligen Werksstrukturen betroffen, heißt es seitens des Zulieferers. Zu letzteren gehören die Produktionsstandorte Wuppertal, Luckenwalde und Eltmann, der Schaeffler-Engineering-Standort in Clausthal-Zellerfeld sowie die Aftermarket-Betriebsstätten Hamburg und Köln.

Im Hinblick auf den Standort Wuppertal sei nach mehrjähriger Prüfung sämtlicher Optionen eine Standortschließung nicht mehr auszuschließen, die Stellen aus Eltmann sollen ins nahegelegene Schweinfurt verlagert werden. Der Standort Clausthal-Zellerfeld wird geschlossen, sofern sich kurzfristig keine Verkaufsmöglichkeit ergibt. Den Beschäftigten der Aftermarket-Betriebsstätten Hamburg und Köln soll angeboten werden, künftig soweit wie möglich aus dem Homeoffice zu arbeiten.

Insgesamt sind in Europa vom Abbau rund 4.400 Stellen betroffen, von denen der weitaus größte Anteil auf Deutschland entfällt. Alle drei Sparten und alle Zentralfunktionen tragen zu den Maßnahmen bei.

Standorte werden konsolidiert

Zweiter Teil der Strukturmaßnahmen ist eine Bündelung von Technologie- und Produktionskompetenzen in Herzogenaurach, Höchstadt, Bühl und Schweinfurt. Am Standort Herzogenaurach, dem Hauptsitz der Schaeffler Gruppe, wird unter anderem neben dem Aufbau eines Zentrallabors zukünftig das Kompetenzzentrum für Wasserstofftechnologie angesiedelt. Höchstadt erhält ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau, das die vorhandenen Kapazitäten aus Herzogenaurach übernimmt. Im Gegenzug werden die Aktivitäten der Sparte Industrie von Höchstadt nach Schweinfurt verlagert, so dass Höchstadt ein reiner Automobil-Standort wird.

Der Standort in Bühl, Sitz der Sparte Automotive OEM, wird als Kompetenzzentrum für E-Mobilität und die Serienfertigung von Elektromotoren ausgebaut. In diesem Zusammenhang sollen zusätzlich 500 Stellen in Bühl entstehen, die in der ursprünglichen Planung zunächst für den Standort Szombathely in Ungarn vorgesehen waren.

Schweinfurt, Sitz der Sparte Industrie, soll durch die Bündelung der Wertschöpfung für die klassischen Lagerprodukte im mittleren- und großen Durchmesserbereich gestärkt werden. Gestärkt werde auch die Hauptentwicklungsaktivität für Zukunftsfelder der Sparte Industrie wie zum Beispiel der Bereich Robotik. Zudem wird ein Innovationszentrum für gruppenweite Industrie-4.0-Themen errichtet. Insgesamt soll das Maßnahmenpaket zu einem Einsparpotenzial von 250 bis 300 Millionen Euro jährlich führen, das bis 2023 zu 90 Prozent realisiert sein werde.

„Wir haben frühzeitig alle notwendigen Schritte unternommen, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Trotzdem sind angesichts der Marktentwicklung weitere Maßnahmen unvermeidlich, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler Gruppe langfristig zu verbessern“, sagte Klaus Rosenfeld, der Vorsitzende des Vorstands der Schaeffler AG. „Als Vorstandsteam wollen wir die Transformation der Schaeffler Gruppe so sozialverträglich und partnerschaftlich wie möglich gestalten. Dafür haben wir 2018 eine Zukunftsvereinbarung geschlossen, die weiterhin gilt.“

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