Ein Mann mit Brille blickt auf den Bildschirm seines Laptops.

Stress durch Daten- und Informationsprobleme kostet Unternehmen in Deutschland rund 21,5 Milliarden Euro pro Jahr. Bild: iStock/mediaphotos

| von Harald Weiss

Eine Untersuchung des Data-Literacy-Projekts (DLP) hat herausgefunden, dass den meisten Unternehmen zwar die Bedeutung von Daten für eine zunehmend digitale Wertschöpfung bewusst ist, doch eine große Lücke zwischen dieser Einschätzung und der tatsächlichen Datenkompetenz der Mitarbeiter klafft. So meinen 87 Prozent der Befragten, dass der Umgang mit Daten für ihren Job erfolgskritisch sei, aber nur 17 Prozent halten sich für ausreichend „datenkompetent“.

Das hat weitreichende Konsequenzen: Viele versuchen, Arbeitsaufträge mit Datenbezug ganz zu vermeiden, 36 Prozent suchen nach Umwegen, ihre Aufgaben ohne Daten zu erledigen. Und 28 Prozent aller Befragten haben sich aufgrund von Stress durch Daten- und Informationsprobleme schon krankgemeldet. Das bedeutet Produktivitätsverluste in Milliardenhöhe. Der Schätzung nach belaufen sich diese allein in Deutschland auf 21,5 Milliarden Euro pro Jahr.

"Self-Service BI ist eine Wunschvorstellung"

Das Problem der mangelnden Datenkompetenz bei Mitarbeitern ist derweil kein Generationsproblem. Schon bei den Berufsanfängern fühlen sich nur 14 Prozent auf eine effektive Datennutzung vorbereitet. Jordan Morrow, Global Head of Data Literacy bei Qlik, sieht deshalb vor allem die Hochschulen in einer stärkeren Pflicht. „Die meisten Universitäten tun bei Weitem nicht genug, um ihre Studenten auf die Datenkompetenz im späteren Berufsleben vorzubereiten“, lautet sein Vorwurf.

Diese Datenabstinenz ist vor allem niederschmetternd für die Technologieanbieter, die schon seit über zehn Jahren von „Self-Service BI“ reden. Den Analysten von Gartner zufolge beträgt die Nutzung solcher Tools aber nur magere 35 Prozent. „Self-Service BI ist eine Wunschvorstellung. Die Ergebnisse stehen in keinem Verhältnis zu den Versprechungen der Anbieter“, sagt Gartner-Analystin Cindi Howson. DLP erwartet auch nicht, dass sich das Problem der Datenkompetenz allein mit Technologie lösen lässt. Viel wichtiger sind Training und Übungen – und zwar „top down“.

Fortbildungen sind entscheidend

„Zunächst müssen die Führungskräfte datenkompetenter werden, denn wer sich selbst für datenkundig hält, fühlt sich um mindestens 50 Prozent eher in der Lage und befugt, bessere Entscheidungen zu treffen und den sicheren Datenumgang auch an seine Teams weiterzugeben“, heißt es in der Studie. In einem Artikel der Harvard Business Review berichten die Datengurus Josh Bersin und Marc Zao-Sanders von einer Umfrage, die sie unter Analytics-Experten durchgeführt haben. Dabei ging es um die Frage, welche Qualifikationen bei den meisten Mitarbeitern fehlen beziehungsweise welche Qualifikationen erforderlich sind.

Die Antworten lassen sich in sechs Kategorien aufteilen (siehe Kasten). Forrester Research geht ebenfalls davon aus, dass die Firmen das Problem einer mangelhaften Datenkompetenz nicht mit Technologie lösen werden. „40 Prozent der von uns befragten Unternehmen haben oder planen interne Fortbildungsmaßnahmen zur Verbesserung der Datenkompetenz ihrer Mitarbeiter“, heißt es in dem Bericht über den Stand der Datenstrategien.

Was müssen Mitarbeiter beim Umgang mit Daten beachten?

  1. Die richtigen Fragen stellen
  2. Mehr Verständnis dafür haben, welche Daten relevant sind und wie diese validiert werden können
  3. Daten im zugehörigen Businesskontext interpretieren
  4. Hypothesen mit Alternativen (A/B-Test) belegen
  5. Einfache und verständliche Visualisierungen
  6. Die Ergebnisse in einen übergeordneten Businesszusammenhang stellen, damit sie auch fürs Topmanagement verständlicher werden
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