Personalabteilungen müssen modernisieren

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit herrschen in vielen Personalabteilungen noch deutliche Unterschiede. Bild: Audi

| von Werner Beutnagel

Zwischen den Anforderungen, die an Personalabteilungen in Zeiten der Digitalen Transformation herangetragen werden, und der Realität in vielen Unternehmen bestehen deutliche Differenzen, so das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit sei dabei vor allem bei Großunternehmen stark ausgeprägt: Liegen Anspruch und Realität in kleineren Firmen knapp 18 Prozent auseinander, steigt der Wert bei Unternehmen mittlerer Größe schon auf 27 Prozent, bei Großunternehmen wächst die Kluft auf rund 37 Prozent. 

Die Automatisierung und die zunehmende Vernetzung von realer und virtueller Welt stellen neue Anforderungen an die Mitarbeiter„, erklärt Jörg Seufert, Partner bei Roland Berger. „Personalabteilungen müssen sich daher fragen, ob die Mitarbeiter von heute die Fähigkeiten haben, die morgen in der Firma benötigt werden. Damit sind viele HR-Verantwortliche überfordert.“ Den größten Handlungsbedarf sehen die untersuchten Firmen in den Bereichen Talentmanagement, strategische Personalplanung, HR Analytics, Führung, Digitalisierung von HR-Prozessen und Services, Change Management sowie Unternehmenskultur und Engagement. In all diesen Bereichen sei die Diskrepanz zwischen strategischen Unternehmenszielen und Wirklichkeit, so die Studienautoren, jedoch besonders ausgeprägt. 

Vor allem beim Talentmanagement sehen Unternehmen noch erhebliche Schwierigkeiten: „Die befragten Firmen fühlen sich nicht immer in der Lage, wichtige Mitarbeiter zu halten und neue Positionen mit den richtigen Profilen zu besetzen„, bemängelt Seufert. „Hier spielt eine strukturierte Nachfolgeplanung eine relevante Rolle. Denn nur Unternehmen, die die besten Mitarbeiter an den richtigen Stellen haben, können auf dem Markt erfolgreich sein.“ Immer mehr Unternehmen setzen bei der Strukturierung und Analyse großer Mengen an Personaldaten auf digitale HR-Analysesysteme: Bis 2020 werde der deutsche Markt für solche Produkte demnach ein Marktvolumen von 1,7 Milliarden Euro erreichen.

Die Arbeitswelt 4.0 erfordere außerdem einen Kulturwandel im Unternehmen – Unter anderem müssen neue Arbeitsprozesse und Personalstrukturen eingeführt werden. „An dieser Stelle ist ein richtiges Change Management auf Führungsebene gefragt„, erläutert Roland Berger-Partner Jörg Seufert. „Führungskräfte müssen in der Lage sein, die digitale Umgestaltung ihrer Firma und ihrer Struktur zu unterstützen, Mitarbeiter dabei zu motivieren und sie für neue Fuktionen und Prozesse zu begeistern. Denn nur so kann ein digitaler Wandel im Unternehmen erfolgreich gelingen.“ Dabei solle die Personalabteilung die Unternehmensführung als Transformationspartner in Bereichen wie Restrukturierung, Reorganisation, Post-Merger-Integration oder digitaler Wandel unterstützen.

Der Studienauszug „Between ambition and reality – Key findings from the Roland Berger HR Trends Survey 2017“  ist unter als englischsprachiges PDF verfügbar.