Autoindustrie einigt sich auf RFID-Standards
| von Pascal Nagel

Der RFID-Technologie kommt eine zunehmende Bedeutung in der automobilen Produktion und Logistik zu. Lange Zeit mangelte es in diesem Bereich allerdings an unternehmensübergreifenden Standards. Zwei dieser Standards bestimmten dabei vor allem die Diskussion: ISO/IEC sowie GS1. Nun hat der RFID-Expertenkreis des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) eine Grundsatzentscheidung gefällt und eine klare Empfehlung für die Umsetzung von ISO/IEC-Standards ausgesprochen. Die applikationsübergreifende RFID-Richtlinie VDA 5500 und die anwendungsspezifischen Industrieempfehlungen VDA 5501 (Behälter), VDA 5509 (Prototypenteile), VDA 5510 (Serienteile) und VDA 5520 (Fahrzeuge) werden entsprechend angepasst. Dies teilte der Expertenkreis gegenüber automotiveIT mit.

„Die klare Entscheidung für den Einsatz von ISO/IEC-Standards in den unternehmensübergreifenden Prozessen der Automobilindustrie ist ein wichtiger Meilenstein, der die Entscheidung für die Umsetzung von RFID-Projekten erheblich begünstigt“, kommentiert Malte Schmidt, Mitglied des RFID-Expertenkreises und Leiter AutoID Center Zentrale Steuerung und Logistik bei Volkswagen, die Entscheidung. „Der Einsatz von RFID stellt eine Investition in die Zukunft dar, die entsprechende Planungssicherheit voraussetzt. Bislang war das noch nicht immer gegeben. Jetzt können sich prozessbeteiligte Supply Chain Partner auf gemeinsame Standards berufen.“

Ausschlaggebend für die Entscheidung pro ISO/IEC sei die leichtere Abbildung bestehender Strukturen vieler Unternehmen, so die Experten. Die ausgearbeiteten Empfehlungen erlauben es, bestehende Barcode/DataMatrix-Lösungen und neue RFID-Ansätze zu synchronisieren, was besonders für eine nahtlose Einführung von RFID förderlich sein soll. „Die neue Generation der VDA-Empfehlungen ermöglicht den Einsatz von RFID-Technologie, ohne langjährig etablierte und bewährte Prozesse zu gefährden“, so Gerd Scheying von Bosch.

Die Empfehlung der ISO/IEC-Kodierung bedeute allerdings nicht das Ende des GS1-Standards, wie der Expertenkreis betont. Die Entscheidung für den ISO/IEC-Standard beziehe sich auf Objektkennzeichnung im Rahmen von unternehmensübergreifenden Prozessen. Das bedeute gleichzeitig nicht, dass interne Abläufe zwangsläufig auf ISO/IEC umgestellt werden. So setze auch Volkswagen auf die Kombination beider Standards: Der VW-Konzern werde mittlerweile im Rahmen des Projekts „Gläserner Prototyp“ markenübergreifend (VW, Porsche, Audi) von über 100 Lieferanten mit Prototypenteilen beliefert, die über eine RFID-Kennzeichnung verfügen. „Die Daten auf den RFID-Transpondern sind nach ISO/IEC-Prinzipien strukturiert (VDA 5509) und werden kundenseitig ausgelesen und mithilfe von EPCIS-Nachrichten an die jeweils eingesetzten IT-Systeme kommuniziert. ISO/IEC und GS1 stellen in der Praxis also nicht unbedingt einen Widerspruch dar“, macht Schmidt deutlich.

„Der nächste Schritt der Standardisierung ist es nun, die Inhalte der VDA-Empfehlungen auf die internationale Ebene zu tragen“, so Olaf Schütze von Opel. Gleichzeitig fokussierte der bisherige Abstimmungsprozess auf die Strukturierung der Daten auf den RFID-Transpondern. Im Zuge der weiteren Standardisierung stelle sich nun die Frage, wie die RFID-Daten zwischen den beteiligten Unternehmen ausgetauscht werden (onNet).

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