Haasis

Siegmar Haasis, CIO R&D Mercedes-Benz Cars, spricht im Kurzinterview mit automotiveIT über die zunehmende Standardisierung in der Autoindustrie. Bild: Daimler

| von Pascal Nagel

Das Produkt Auto wird immer komplexer und damit auch die Abstimmungsprozesse zwischen Herstellern, Zulieferern und weiteren Partnern. Im Kurzinterview mit automotiveIT spricht Siegmar Haasis, CIO Research and Development Mercedes-Benz Cars, über die zunehmende Relevanz von Standards für die Branche und entsprechende Pläne bei Daimler.

Haasis: Standardisierung ist insbesondere aus zwei Gründen wichtig: Erstens wird unser Geschäft bei Mercedes-Benz Cars entlang unserer Wachstumsstrategie immer globaler und vielfältiger, und das bedingt vor allem das Einbinden internationaler Zulieferer, Joint Ventures und OEM-Partner. In der Regel sind bei diesen Unternehmen andere Systeme im Einsatz. Um einen effizienten Datenaustausch mit den Partnern sicherzustellen, setzt die Daimler AG auf Standards. ReqIF ist dabei der internationale Standard zum Austauschen von Anforderungen an Bauteile und Systeme zwischen Partnern. Der zweite Grund für die strategische Bedeutung der Standardisierung ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der internen Abläufe eines durchgängigen Produktentstehungsprozesses angeregt durch externe Technologieentwicklungen, Innovationen und Systeme. Eine Schlüsseltechnologie hierbei ist das modellbasierte Systems-Engineering. Mit modellbasiertem Systems-Engineering wird man zukünftig Anforderungen noch einfacher präzise beschreiben können. Dabei wird aber letztlich das Ergebnis unserer Arbeit essentiell davon abhängen, dass wir weiterhin die Anforderungen mit unseren Partnern optimal abstimmen – und für diesen Anforderungsabstimmungsprozess ist ReqIF der Standard. Sie sehen, Standards im Allgemeinen und ReqIF im Speziellen sind für die Daimler AG von strategischer Bedeutung.

automotiveIT: Gerade in Bezug auf zahlreiche Rückrufaktionen in den letzten Monaten gerät das Anforderungsmanagement immer mehr in den Fokus. Was muss im Bereich der Requirements getan werden, um diese Probleme künftig weitestgehend zu vermeiden?

Haasis: Insgesamt zeigt die Situation, dass die Fahrzeuge in ihrer Komplexität stetig zunehmen und dass Ansätze notwendig sind, um diese Komplexität von der Entwicklung bis hin zur Testphase sicher zu beherrschen. Je besser wir diese Komplexität beherrschen, desto seltener wird zukünftig die Notwendigkeit für Produktrückrufe bestehen. Für uns ist modellbasiertes Systems-Engineering ein Weg, diese Komplexität zu beherrschen – und Grundlage hierfür sind abgestimmte Anforderungen. Anforderungsmanagement und der Austausch von Anforderungen mit ReqIF sind für uns also der erste Schritt in Richtung modellbasiertem Systems-Engineering.

automotiveIT: Welche Schritte auf dem Weg zu einheitlichen Standards wurden bei Daimler bereits gemacht und welche stehen derzeit noch auf der Agenda?

Haasis: Als Engineering IT Mercedes-Benz Cars treiben wir eine Vielzahl von Standards, wie JT, STEP AP 242 XML und ReqIF. JT als systemneutrale Produktbeschreibung wird derzeit im gesamten Unternehmen ausgerollt. Im Thema ReqIF haben wir eine entsprechende Software an unsere Requirements-Management-Software angebunden. Wir erproben damit ReqIF in der Praxis in Pilotprojekten mit ausgewählten Systemlieferanten. Bei den Systems-Engineering-Standards wie OSLC, FMI, XMI und SysML prüfen wir derzeit, in welcher Reihenfolge und in welcher Intensität wir diese in Zukunft angehen werden. Aus diesem Grund engagieren wir uns auch im VDA-Standardization-Strategy-Board.