Den Austausch über New-Work-Themen gehen die OEMs insgesamt sehr unterschiedlich an.

Mit einer Mischung aus Büro- und Homeoffice-Zeit will die Automobilbranche das klassische Präsenzmodell überwinden und damit auch für junge Talente deutlich attraktiver werden. (Bild: Adobe Stock / tirachard)

Im April veranstaltete Audi zusammen mit den Markenschwestern Volkswagen und Seat die zweite interne Digitalkonferenz zur Kommunikation über Tools und Formen der Zusammenarbeit. Das Event ermöglichte einen Austausch unter Führungskräften und Mitarbeitern und eine Erweiterung des eigenen Wissens durch zahlreiche Referenten. Initiiert wurde die Veranstaltung vom Audi-Mitarbeiternetzwerk „Zusammenarbeit 2.0 Guides“, auch genannt „z20guides“.

Mit dem Ziel, digitale Transformation und Kulturwandel voranzutreiben, organisierten die Veranstalter 174 Online-Sessions, die im Zeitraum von fünf Tagen stattfanden. Gesprochen wurde neben konkreten Tipps für Tools wie Microsoft Teams auch über Themen wie den Umgang mit Informationsflut oder positive Psychologie im Arbeitsalltag. „Für die hybride Arbeitswelt von heute und morgen reicht es nicht, mit IT-Anwendungen gut umgehen zu können – es braucht auch ein neues Miteinander. Erst wenn wir alle bereit sind, uns stetig weiterzuentwickeln und unser Wissen zu teilen, wird die digitale Transformation gelingen“, sagt Audi-Personalvorständin Sabine Maaßen. Der markenübergreifende Ansatz, durch den auch Volkswagen und Seat im Organisations- und Referententeam mitwirkten, verdeutlicht den erfolgreichen Anklang der Veranstaltung bei den Markenschwestern.

Forschungszentrum dient BMW als Leuchtturm für agile Themen

BMW hingegen verfolgt im Bereich New Work keinen eventbezogenen Ansatz, sondern, wie der Hersteller selbst es beschreibt, eine Haltung. Unter dem Titel „ConnectedWorks“ läuft seit 2017 ein Prozess, der mit stetig neuen Impulsen ein zukunftsorientiertes Arbeitsumfeld schaffen soll. Einen großen Programmpunkt stellt dabei das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München dar, das nach seinem ursprünglichen Bau im Jahre 1986 bereits zahlreiche Erweiterungen durchlief. Hier entwickle man durch offene Teamflächen, die zu Kommunikation und themen- sowie funktionsübergreifendem Arbeiten einladen, stetig neue Arbeitsmodelle.

Im FIZ gewonnene Erkenntnisse zu neuen Arbeitsweisen würden wiederum als Basis für Planungs- und Umsetzungsprozesse sowie Analysephasen von neuen Arbeitsumfeldern genutzt werden. „Ideen und Innovationen entstehen vor allem im persönlichen Austausch. Attraktive Arbeitswelten sind für uns daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor – ergänzt durch hybride und digitale Zusammenarbeitsmodelle“, kommentiert Ilka Horstmeier, Personalvorständin bei BMW.  Die genaue Zusammensetzung aus Präsenzarbeit und digitalem Austausch sei nach Aussagen des OEMs den Teams selbst überlassen. Um den digitalen Aspekt zu unterstützen, bietet der Münchener Autobauer seinen Mitarbeitern zusätzlichen Erfahrungsaustausch, Informationen zu Trainingsangeboten und Einblicke in Best-Practice-Ansätze in Form einer internen Community-Plattform an.

Den Bedarf an neuen Formen der Zusammenarbeit erklärt Christian Foltz, Partner der Strategieberatung Strategy& im Bereich Automotive und Industrie, am Beispiel System Engineering. Diese Entwicklungsmethodik werde im Software-defined Car essenziell, um die Komplexität zu beherrschen, so Foltz. Damit müssten verstärkt digitale Werkzeuge genutzt und die Zusammenarbeitsformen neu definiert werden.

Mercedes bildet Agile Coaches in Tochterunternehmen aus

Einen ähnlichen Umgang mit New Work pflegt die Mercedes-Benz Group. Auch hier steht den Mitarbeitern eine interne Onlineplattform zur Verfügung, die virtuelle Trainings, E-Learnings und Blended-Learning-Lösungen im Angebot hat. Online-Learning sei mittlerweile bei allen OEMs gang und gäbe, egal ob in Form von simplen Wikis im Intranet oder ganzen Online-Learning-Plattformen, bestätigt Foltz. Statt eines eigenen Standortes wie bei BMW nutzt Mercedes spezialisierte Tochterunternehmen, um Agilität und Digitalität voranzubringen.

So zum Beispiel Mercedes-Benz.io und MBition, die für die Entwicklung im Bereich Software und User Experience verantwortlich sind. Auch hier kommen agile Arbeitsmethoden zum Einsatz. Im weiteren Verlauf sorgen ausgebildete Agile Coaches für die Umsetzung und Weiterentwicklung der jeweiligen Arbeitsmethoden. Und auch in der Zusammenarbeit mit Konzernschnittstellen ist es ihre Aufgabe, anpassungsfähige Strukturen zu fördern. „Die MBition entwickelt und gestaltet aktiv ihren Way-of-Working, das heißt ihr agiles Prozessframework als Grundlage für die agile Zusammenarbeit mit Zulieferern und Partnern. Sie sieht sich als Change Agent, um Softwareentwicklung und damit auch ein agiles Vorgehen in die Mercedes-Benz Group einzubringen“, erklärt der OEM gegenüber der automotiveIT.

Zur Stärkung einer zunehmend agilen Konzernorganisation wurde 2016 die Initiative „Leadership 20X“ gegründet, die ein Kulturtransformationsprogramm umfasst. Hierfür hat Mercedes unternehmensweit acht Führungsprinzipien, darunter Agilität und Co-Creation, entwickelt.  Dezentral arbeitende Teams, sogenannte Game Changer, überarbeiten zur Umsetzung der Leitlinien Personalsysteme sowie Prozesse und etablieren neue Arbeitsformen. Beispielsweise beinhalte der Game Changer digitale Transformation ein Reverse Mentoring im Umgang mit digitalen Tools.

Die Autohersteller gehen unterschiedlich vor, um agiles Arbeiten umzusetzen, zu kommunizieren und zu optimieren. Viel wichtiger als die konkrete Arbeitsmethode sei jedoch, die Mitarbeiter zu motivieren und mitzunehmen, betont Foltz. Aus seiner Sicht muss bei agilen Arbeitsmethoden zuerst auf eine partizipative Einführung des jeweiligen Konzepts und eine gründlich durchdachte Umsetzung geachtet werden.

Auf die Frage danach, welcher der bisher genannten Ansätze sich am ehesten zum Austausch im Bereich New Work eignet, sagt Foltz: „Es muss der Mix sein und eins dürfen wir mit allem Digital und Co. nicht vergessen: Das persönliche Zusammenkommen ist nach wie vor ein sehr wichtiges Element. Und deswegen sollte es nach wie vor ermöglicht werden, damit die Zusammenarbeit mehr ist, als sich nur über den Bildschirm zu sehen.

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