Edelstein der Kommunikation

Permanent im Dienst: Jeder der 8000 Daimler-Ingenieure hat auf einer einheitlichen Plattform rund um die Uhr Zugriff auf alle benötigten Daten.

| von T-Systems

Das Produktdaten-Managementsystem Smaragd ist die Schlagader im globalen Co-Engineering des Automotive-Konzerns Daimler. Und die Herzkammer des Supportsystems schlägt in Brasilien – der Heimat des grünen Juwels.

Noch während Paulo Righeto via Headset „Boa noite, adeus!“ wünscht, gibt seine Kollegin Nilce Nakamura, am Bildschirm gegenüber, ihrem Gesprächspartner gerade einen „Ohayô gozaimasu“ mit auf den Weg – japanisch für „Guten Morgen“. Die Informatikerin und ihr Kollege sind zwei Mitarbeiter des T‑Systems Smaragd Support Center auf dem Campus des Automobilherstellers Daimler in São Paulo. Die Vielsprachigkeit der Mitarbeiter ist eine von vielen Schlüsselfunktionen im globalen Co-Engineering des Stuttgarter Konzerns – und für T‑Systems ein Alleinstellungsmerkmal, den der ICT-Dienstleister dem Truck-, Bus- und Pkw-Bauer seit Januar dieses Jahres sieben Tage die Woche rund um die Uhr bietet. Gerade hat 17 000 Kilometer nordwestlich von São Paulo, in Shin-Kawasaki bei Tokio, Nakamuras Gesprächspartner seine Arbeit am fortgeschrittenen Entwurf eines Fahrzeugchassis aufgenommen. Insgesamt 8000 Ingenieure arbeiten an 40 Standorten rund um den Globus für Daimler an der Fortentwicklung von Fahrzeugen oder der Konstruktion völlig neuer Modelle, die Daimler in Zukunft vom Band laufen lässt.

ICT als Enabler

„Kooperationen sind immer komplexe dynamische Systeme, und die IT-Unterstützung ist der Enabler, den wir brauchen, um uns auf diese Systeme 24 Stunden am Tag verlassen zu können“, erklärt Professor Alfred Katzenbach, Direktor Information Technology Management Mercedes-Benz Cars Research and Development in Stuttgart (siehe Interview Seite 29). Um das kooperative Arbeiten der weltweit verteilten Projektteams in Europa, Asien, Nordund Südamerika permanent zu unterstützen, nutzt Daimler das Produktdaten-Managementsystem Smaragd mit dem Ziel, den Engineering Workflow in seiner automobilen Produktentwicklung so effizient wie möglich zu halten. „Die 8000 Daimler-Ingenieure zwischen Fernost und dem Westen des amerikanischen Kontinents arbeiten auf einer einheitlichen Plattform, die alle benötigten Daten weltweit aktuell verfügbar macht“, erklärt Markus Hörlein, Global Service Manager von T‑Systems, der das operative GSO-Business (Global Smaragd Operation) seitens T‑Systems verantwortet. „Da müssen alle Beteiligten jederzeit reibungslos miteinander kommunizieren können und sämtliche Bearbeitungsprozesse – egal, ob sie in Asien, Europa oder Amerika initiiert wurden – verzögerungsfrei ineinandergreifen.“ Dazu hält das GSOTeam alle Zentralrechner sowie die dezentralen Systeme mit sämtlichen Geometrie-Informationen ständig verfügbar, damit die weltweit verteilten Entwicklungsteams von Mercedes-Benz Cars (MBC) und Daimler Trucks (DT) ihre Daten reibungslos austauschen können. Dass Daimler und T‑Systems die Herzkammer von Smaragd in São Paulo schlagen lassen, hat übrigens nichts mit den reichen Vorkommen des tiefgrünen Juwels im benachbarten Minas Gerais zu tun. Vielmehr steht Smaragd in der Daimlersprache für „System zur Archivierung von Abläufen und GeometrieDaten“. Das international besetzte Smaragd Support Center von T‑Systems auf dem Werksgelände von Mercedes-Benz in São Paulo sorgt für den Betrieb der Applikation, ein Kernsystem der Daimler-Fahrzeugentwicklung. „Besonderes Augenmerk liegt auf allem, was den permanenten Datenfluss der Entwicklung, Erprobung, Weiterentwicklung und Produktion von Fahrzeugen bei Daimler stören könnte“, so Ralf Peter Walter, im Global Account Daimler verantwortlich für Engineering Pkw. Dazu zählen die Schnittstellen zum Stücklistensystem zur Modellierung von Fahrzeugvarianten. Dabei bringt T‑Systems Smaragd in Hunderten von Projekten zum Einsatz und verwaltet dabei Hunderttausende von Bauteilen, Werkzeugen sowie komplexe digitale 3D-Modelle. „Dafür wurde mit Smaragd ein weltweit verteiltes Produktdaten-Management aus mehr als 100 Servern und vier verbundenen Datenbanken mit höchster Sicherheit und maximaler Verfügbarkeit implementiert“, beschreibt Ralf Peter Walter die anspruchsvolle Aufgabe, bei der das Speichervolumen der Konstruktionsdaten mittlerweile 30 Terabyte überschreitet.

Multilingualer Support

Als weltweit einziger Supportstandort leistet T‑Systems Brazil einen Telefonservice in Portugiesisch, Deutsch, Englisch und Japanisch – eine Anforderung, die Daimler explizit so gestellt hatte. Dabei werden Nilce Nakamura, Paulo Righeto und ihre Kollegen im Smaragd Support Center so eingesetzt, dass sie jede Anfrage aus den Ländern mit Daimler-Entwicklungs- und Produktionsstätten in der jeweiligen Muttersprache der Ingenieure beantworten können. Dabei kommt ein weiterer wichtiger Baustein für die Global Smaragd Operation aus dem slowakischen Kosˇice. Von hier aus leistet T‑Systems den Basisbetrieb der Server und Datenbanken, ohne die das gesamte Smaragd-System gar nicht laufen könnte. Für Ralf Peter Walter ist der Basisbetrieb „so etwas wie der Schiffsdiesel auf einem Supertanker – man bekommt ihn nie zu Gesicht, aber wenn er nicht läuft, fährt das ganze Schiff erst gar nicht“. So kann das Team um Celso Nogueira, der die Service-Delivery bei T‑Systems in Brasilien koordiniert, große Anzahl von Tickets im Monat bearbeiten und damit, so Nogueira, „eine durchgängige End-to-End-Verantwortung übernehmen“. End-to-End bedeutet, dass das GSO-Team von T‑Systems vollständig für die performante und verlässliche Verfügbarkeit von Smaragd verantwortlich ist und dabei gegebenenfalls selbständig die Unterstützung von Arbeitsplatz- und Netzwerkbetreibern beziehungsweise Kollegen aus der Software-Entwicklung in den Support einbindet. Auf einen besonderen Vorteil von Smaragd macht T‑Systems-Sales Manager Joachim Schmitt aufmerksam: „Das alleinentscheidende Kriterium für die Qualität unserer Dienstleistungen ist nicht nur die gemessene, sondern auch die gefühlte Systemverfügbarkeit an den 8000 Arbeitsplätzen der Daimler-Ingenieure, die wir vernetzt haben, und nicht mehr nur die technischen Messwerte einzelner Server.“ Um potenziellen Ausfällen frühzeitig entgegenwirken zu können, hat die Telekom-Tochter Anfang des Jahres eine komplett neue Monitoringwelt für den weltweiten Applikationsbetrieb aufgebaut, die mit definierten Schnellwerten als Frühwarnsystem und einer Drill-down-Funktion arbeitet. So ist es den Service-Supportern in Sekundenschnelle möglich, per Mausklick den kritischen Status irgendeines Prozesses weltweit zu orten. Parallel dazu werden automatische Meldungen an das Smaragd Support Center per Mail generiert und alle Parameter für den erfolgreichen Betrieb der Global Smaragd Operation – das sind in den meisten Fällen die jeweiligen Service Level Agreements (SLA) – gemonitort. Mit diesem Update verpassten die T‑Systems-Experten Smaragd quasi den hochkarätigen Feinschliff. Denn, so Markus Hörlein, „zu jedem Zeitpunkt hat unser GSO-Team eine aktuelle Darstellung des gesamten Betriebsumfelds – eine wichtige Voraussetzung, um im Fall von Störungen schnellstmöglich reagieren zu können, Fehler zu finden beziehungsweise nachzuvollziehen und für die Zukunft ausschließen zu können“.

Herausragende Transparenz

Im Fall einer Problemmeldung werden alle Reports standardisiert dargestellt und Daimler über ein Webportal mit hinterlegtem Berechtigungskonzept zur Verfügung gestellt. Zugleich erhält Daimler eine vollständige Dokumentation der jeweils aktuellen Infrastruktur und Prozesse mit entsprechendem Dokumentenmanagement. „So hat unser Kunde Daimler nicht nur ständige Transparenz über die Infrastruktur des globalen Smaragd-Betriebs“, erklärt Ralf Peter Walter, „sondern von der Planung am virtuellen Reißbrett, dem sogenannten Prototyping, bis zur tatsächlichen Produktion neuer Autos über sämtliche Prozesse hinweg, die wir innerhalb der Global Smaragd Operation betreiben.  

Leistungsportfolio Smaragd

• Verkürzung der Entwicklungszeit
• globales kooperatives Arbeiten
• durchgängige Verfügbarkeit von 3D-Dateien
• Lifecycle-, Digital-Mock-up-Fähigkeiten und Anbindung eines CAD-Systems
• Webzugriff und Datenaustausch mit Entwicklungspartnern
• Betriebsunterstützung durch weltweiten Application Service

Thomas van Zütphen