Das digitale Cockpit - Fahrer können in Zukunft ein noch stärker digitalisiertes Cockpit erwarten

Das digitale Cockpit: Fahrer können in Zukunft ein noch stärker digitalisiertes Cockpit erwarten, das sich wie ein Smartphone bedienen lässt. Bild: Qualcomm Technologies

Bits und Bytes statt PS: das Automobil der Zukunft wird deutlich mehr digitale Komponenten erhalten als es heute schon der Fall ist. Im Gespräch mit Stefan Marxreiter, Vice President Business Development der Qualcomm CDMA Technologies GmbH, unterhalten wir uns darüber, wie Automobilhersteller durch die Digitalisierung ihre Fahrzeuge am Markt weiter differenzieren können. Technologien wie 5G, Car-to-Car-Kommunikation, ein digitales Cockpit sowie Fahrerassistenzsysteme definieren die nächste Generation von Autos.

Herr Marxreiter, warum ist schneller 5G-Mobilfunk so wichtig und welche Entwicklungen können wir erwarten?
Eine schnelle Netzanbindung sowie leistungsfähige Software werden bald zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen für ein Fahrzeug zählen. Beispielsweise steht durch 5G mehr Rechenleistung aus der Cloud für das autonome Fahren bereit. Zudem erhalten Passagiere durch 5G spannende Onboard-Funktionen, wodurch ein Markt für praktisch immer verbundene digitale Innenräume mit Infotainment und Echtzeit-Navigation entsteht.

Geht denn der 5G-Netzausbau schnell genug voran?
Was die heutige Zeit so besonders macht, ist die Tatsache, dass die Einführung von 5G viel schneller erfolgt, als dies bei früheren Mobilfunkgenerationen der Fall war. Dies gilt auch für die Integration dieser Technologie in das Auto. Weltweit haben schon über 160 Betreiber kommerzielle 5G-Netze in mehr als 65 Regionen in Betrieb genommen, und mehr als 270 weitere Betreiber investieren in die 5G-Implementierung. Hier ist vor allem Europa führend. Mehr als 75 Betreiber in 30 europäischen Regionen verfügen über ein kommerzielles 5G-Netz, weitere 65 Netzbetreiber haben bereits in diese Technologie investiert. Europa ist ein Epizentrum für Forschung und Entwicklung in diesem Sektor und wir sind unglaublich stolz, ein Teil davon zu sein.

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Wie verändert 5G das Erlebnis im Fahrzeug?
Für die Automobilhersteller ist es wichtig, dass sie ihre Markenidentität auch im Innenraum des Fahrzeugs realisieren können. Deshalb werden Bildschirme immer größer und die Menge der Software-Funktionen steigt rasant. Kartenmaterial in Echtzeit, Musik-Streaming aus dem Internet, Onboard-Unterhaltung und vieles mehr kommt ins Auto. Vieles davon wird eben erst durch das ultraschnelle 5G möglich.
So kann ein Auto mit schneller 5G-Anbindung und Car-to-Car-Kommunikation in Echtzeit auf den Straßenverkehr reagieren. Fahrer werden sofort über neue Baustellen oder gefährliche Wetterbedingungen informiert. Daten zu Staus und Unfällen kommen in Echtzeit von anderen Autos über die Car-to-Car-Kommunikation. In Smart Cities ist eine Kommunikation mit Ampeln und Parkplätzen möglich, wodurch der Verkehrsfluss optimiert werden kann.

Welche Lösungen sind denn bereits von Qualcomm für das vernetzte Fahrzeug verfügbar?
Für Hersteller und Zulieferer bieten wir eine ganze Palette an Systemen, die wir grob in vier Bereiche einteilen. Das sind einmal Telematiklösungen mit Funktechnologien wie 4G, 5G, Wi-Fi und Bluetooth, die Funktionen wie C-V2X und Cloud-Anbindung unterstützen. C-V2X übernimmt die Kommunikation des Autos mit seiner Umgebung. Dann haben wir Komponenten für das digitale Cockpit mit 4K-Displays, Premium-Audio, Streaming-Entertainment und Sicherheitsfunktionen wie die Fahrerüberwachung. Ein weiterer Schwerpunkt sind skalierbare ADAS-Systeme auf Basis unserer Snapdragon Ride-Plattform für Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren. Der letzte Aspekt umfasst unsere Car-to-Cloud-Plattform, die dem Fahrer und mitfahrenden Personen neue Dienste bietet, aber auch Herstellern, Service-Anbietern und Software-Entwicklern als Basis dient, um neue Geschäftsmodelle zu realisieren.

Das vernetzte Auto verwandelt sich in eine Infotainment-Drehscheibe, die ein völlig neues Fahrerlebnis mit Smartphone-ähnlicher Bedienung biete
Das vernetzte Auto verwandelt sich in eine Infotainment-Drehscheibe, die ein völlig neues Fahrerlebnis mit Smartphone-ähnlicher Bedienung bietet. Bild: Qualcomm Technologies

Dies hört sich nach fundamentalen Änderungen an, wie Fahrzeuge künftig entwickelt und gebaut werden.
Genau, denn für das Automobil der Zukunft werden deutlich mehr Halbleiter und mehr Software benötigt. Aus Sicht der Ingenieure verändert sich damit die gesamte Fahrzeugarchitektur. Zum Beispiel konsolidieren Hersteller möglichst viele Elektronik- und Halbleiterkomponenten in größeren Blöcken, anstatt viele kleinere Steuergeräte zu verbauen. Zudem wird die gesamte digitale Funktionalität in einem Digital Chassis zusammengefasst, einer neuen Ebene in der Fahrzeugarchitektur.

Und dieser hohe Grad an Vernetzung trägt zu mehr Verkehrssicherheit bei?
Ein Beispiel liefert die C-V2X-Technologie, die eine wichtige Rolle bei der Kommunikation von Fahrzeugen untereinander spielt, um das Fahren sicherer und bequemer zu machen. Diese Technologie ergänzt andere Fahrzeugsensoren wie Kameras, Radar und Lidar und kann dem Auto helfen, praktisch um die Ecke zu sehen, um so Fußgänger oder andere Fahrzeuge zu erkennen, wenn die direkte Sichtlinie blockiert ist. Diese ständige Vernetzung in Echtzeit zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. 

Können Sie schon über konkrete C-V2X-Projekte berichten?
Die italienische Straßenbaubehörde ANAS hat in der bekannten Wintersportregion Cortina ein Projekt gestartet, um eine 80 Kilometer lange Smart Road zu realisieren. Die Basis dieser C-V2X-Implementierung sind Road Side Units, die ähnlich wie Straßenlampen aufgebaut sind und am Straßenrand stehen. Diese arbeiten mit Technologien von Qualcomm Technologies und sind in der Lage, mit Fahrzeugen sowie untereinander zu kommunizieren, beispielsweise um im Winter über Straßenglätte zu informieren, aber auch, um den Verkehrsfluss zu optimieren. Das System ist in der Lage, relevante Informationen in Echtzeit an andere vernetzte Fahrzeuge in der Umgebung zu übermitteln.

Um mehr über das Qualcomm-Angebot für die Automobilindustrie zu erfahren, klicken Sie hier.

Welche weiteren Entwicklungen sind notwendig, um die volle Autonomie eines Fahrzeugs zu erreichen?
Marxreiter: Autonome Fahrzeuge sind auf kontinuierlichen Sensor-Input aus einer Reihe von bordeigenen Quellen angewiesen, wie Radar, Lidar und Kameras, aber auch auf die Kommunikation mit intelligenter Infrastruktur wie die erwähnten Road Side Units. Die Auswertung dieses kontinuierlichen Datenstroms aus verschiedenen Quellen stellt eine große Herausforderung dar. Autonome Fahrzeuge benötigen daher enorm leistungsfähige On-Board-Rechenkapazitäten, um diese Komplexität verarbeiten und sofort darauf reagieren zu können. Das Ziel ist eine möglichst präzise Positionsbestimmung. Unsere Technologien sind darauf ausgelegt, globale Navigationssatelliten, Beschleunigungs- oder Trägheitssensoren und Bildverarbeitung zu kombinieren, um zuverlässige Positionsdaten zu liefern. So weiß ein autonomes Fahrzeug jederzeit, wo es sich im Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern und möglichen Hindernissen befindet.
In diesem Szenario hilft 5G dabei, die zeitkritischen Entscheidungen eines autonomen oder teilautonomen Fahrzeugs zu unterstützen, da hiermit ein Datenaustausch mit externen Quellen mit sehr geringen Latenzen erfolgt. 5G ermöglicht es Autos, mit geringer Verzögerung auf entfernte IT-Ressourcen zuzugreifen, wie beispielsweise lokale Edge-Rechenzentren. Die 5G-Konnektivität wird also das autonome Fahren weiter vorantreiben und darüber hinaus den gesamten Verkehrssektor verändern.

Über Stefan Marxreiter

Stefan Marxreiter ist Vice President Business Development, Qualcomm CDMA Technologies GmbH. In dieser Funktion leitet er die europäische Geschäftsentwicklung für die Automobilindustrie. Er arbeitet mit wichtigen Automobilherstellern, Tier-1-Lieferanten und anderen Partnern aus dem gesamten Ökosystem zusammen, um die Bereitstellung innovativer Lösungen für die Automobilindustrie zu unterstützen.

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