Ein Robotaxi von Cruise steht auf der Straße, während ein Fahrradfahrer vorbeifährt.

Cruise startet seinen Robotaxi-Dienst mit einer umgebauten Variante des Chevrolet Bolt. (Bild: Cruise)

Als General Motors im Jahr 2016 das Startup Cruise Automation übernahm und damit die Aktivitäten im Bereich autonomes Fahren bündelte, holten sich die US-Amerikaner laut Mark Reuss „einen in der Automobilindustrie einzigartigen Technologievorsprung ins Unternehmen“. In Anbetracht der letztjährigen CCI-Studie des Center of Automotive Management (CAM) erscheint diese Aussage von Reuss, mittlerweile Präsident von GM, auch nach über einem halben Jahrzehnt noch zutreffend und differenziert.

Demnach lässt der Autohersteller zwar die brancheninterne Konkurrenz bei autonomen Fahrsystemen auf SAE-Level 4 und 5 hinter sich. Im Vergleich mit den dominierenden Tech-Playern hat er jedoch weiterhin das Nachsehen – die Top-Platzierungen gehen an Waymo (Alphabet), Mobileye (Intel) und Zoox (Amazon). Doch seit dem letztjährigen Ranking macht General Motors durch milliardenschwere Investitionen weiter an Boden gut.

Das Kompetenzranking im Zukunftsfeld Autonome Fahrsysteme.
Bei autonome Fahrsystemen dominieren bislang die großen Tech-Konzerne. (Bild: CAM)

Chevrolet Bolt als Basis für Robotaxi-Dienst

Der Grundpfeiler für die jüngsten Meilensteine ist der vollelektrische Chevrolet Bolt, der für Cruise am Standort Orion Township in Michigan gefertigt wird. Ausgestattet mit Lidar, Radar, Kameras sowie Algorithmen auf Basis künstlicher Intelligenz sammelte er die notwendigen Testkilometer für einen Robotaxi-Dienst in San Francisco. Mittlerweile führt Cruise gemeinsam mit dem Konkurrenten Waymo gar die Liste der Testkilometer in Kalifornien an. Im Jahr 2021 kam das Unternehmen auf 183 selbstfahrende Autos sowie gut 10.000 Kilometer ohne Sicherheitsfahrer.

Nach Kyle Vogts (Mitgründer, CTO und CEO) medienwirksamer Probefahrt ohne Sicherheitsfahrer nahm der Robotaxi-Dienst im Februar 2022 schließlich offiziell seinen Betrieb auf. Mary Barra, CEO von General Motors, bezeichnete ihre erste autonome Fahrt als „surreal“ und Highlight ihrer Karriere als Ingenieurin. Vergessen sind angesichts dieses Erfolgs die Dämpfer der vergangenen Jahre, in denen etwa der Launch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Die autonomen Fahrten in San Francisco sind kostenlos - zumindest bis die Freigabe für den kommerziellen Betrieb erfolgt. Vorerst können Fahrgäste die umgebauten Chevrolet Bolts allerdings nur in einigen Stadtteilen sowie nachts von 23 Uhr bis 5 Uhr buchen. Künftige Testwagen werden laut Cruise hingegen zu allen Tageszeiten quer durch die Stadt fahren. Zudem sollen dann die Anzahl der Fahrzeuge erhöht werden und die Robotaxis auch das Ausland erobern. In Dubai sollen sie bereits 2023 unterwegs sein.

General Motors investiert in autonome Shuttles

Die Vergrößerung der Flotte strebt General Motors vor allem mit dem Cruise Origin an. Das dediziert auf Ridehailing ausgelegte, elektrische und autonome Shuttle wurde Anfang 2020 als Prototyp auf die Räder gestellt. Im Folgejahr wurden die ersten Testfahrzeuge gebaut, 2023 soll dann die Serienproduktion am Standort Detroit-Hamtramck beginnen.

Dass Cruise zunehmend zu einer Erfolgsgeschichte wird und bis Ende des Jahrzehnts rund 50 Milliarden US-Dollar zum Umsatz von General Motors beitragen soll, verdeutlichen die gigantischen Investitionssummen. „Wir investieren aggressiv“, verkündete GM-Chefin Mary Barra hinsichtlich der geplanten 35 Milliarden US-Dollar für batteriebetriebene und selbstfahrende Fahrzeuge.

Der autonome Cruise Origin fährt auf der Straße.
Der Cruise Origin soll im kommenden Jahr in Serienproduktion gehen. (Bild: Cruise)

Cruise bindet seine Partner stärker ein

Nach den anfänglichen Investitionen – an denen sich etwa auch Honda beteiligte – genießt Cruise mittlerweile das verstärkte Wohlwollen des Mutterkonzerns. Zunächst floss 2020 ein weiterer Milliardenbetrag in die Tochter, nachdem der autonome People Mover präsentiert wurde. Im Sommer 2021 erhöhte GM die Kreditlinie des Unternehmens dann auf zehn Milliarden US-Dollar und erwarb im Anschluss an den Launch des Robotaxi-Dienstes nicht nur für 2,1 Milliarden US-Dollar die Kapitalbeteiligung des Softbank Vision Fund, sondern übernahm auch dessen zugesicherte Zahlung in Höhe von 1,35 Milliarden US-Dollar.

Während GM die Rolle von Cruise somit einerseits finanziell und andererseits durch den Zukauf von Unternehmen wie dem Rivalen Voyage oder dem Radarhersteller Astyx weiter stärkt, werden Partner wie Microsoft (beim Cloud Computing) oder Honda zunehmend in die Aktivitäten eingebunden. So wird nicht nur Geld in die Kassen gespült und Expertise hinzugewonnen, auch die Markteinführung des Cruise Origin könnte beschleunigt werden. In Japan soll der Dienst von Honda Mobility Solutions als Teil des künftigen Mobility-as-a-Service-Geschäfts (MaaS) angeboten werden.

Wie hat Cruise autonome Fahrzeuge vorangetrieben?

Bevor General Motors beim 2013 gegründeten Cruise Automation einstieg, zielte das Startup auf den Endverbraucher ab – mit nachrüstbaren, autonomen Systemen für die Autobahn. Später schwenkte es auf die Entwicklung eines vollautonomen Fahrzeugs um und intensivierte die Software-Entwicklung. Seit der Übernahme im März 2016 lag der Fokus auf dem Launch eines Robotaxi-Dienstes. Zunächst mussten dafür umgerüstete Chevrolet Bolt herhalten, zeitgleich entwickelte das Unternehmen mit Sitz in San Francisco jedoch den Cruise Origin – ein autonomes Modell ohne Lenkrad.

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