Darstellung der Lidar-Umgebungsdetektion von Continental

Durch die Zusammenarbeit mit AEye ergänzt Continental seine vorhandene Nahbereichs 3D Flash Lidar-Technologie. Bild: Continental

| von Götz Fuchslocher

Ende Oktober vergangenen Jahres meldete Continental eine Minderheitsbeteiligung am US-amerikanischen Lidar-Experten AEye. Das Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien hat eine Fernbereichs-Lidar-Technologie entwickelt, die einen 1550 nm-Laser mit regelbarer Leistung mit einem patentierten, geregelten micro-elektromechanischen System (MEMS) als Scanner verbindet. Wie die Unternehmen mitteilen, lässt sich diese Technologie über Software konfigurieren und damit auch für nahezu jedes Fahrzeugmodell und Anwendung optimieren.

In einer aktuellen Pressekonferenz stellten die Partner nun Technologiedetails sowie die Roadmap auf dem Weg zum automatisierten Fahren vor. Bei der Entwicklung neuer Systeme für das automatisierte Fahren habe Sicherheit oberste Priorität, betont Gunnar Jürgens, Vice President und Leiter des globalen Lidar-Segments von Continental. Automatisiertes Fahren auf SAE Level 3 oder höher werde über Kamera- und Radarfunktionen hinaus ohne Lidar-Technologie nicht möglich sein.

3D Flash LiDAR (HFL) von Continental
Der 3D Flash Lidar (HFL) ist der erste hochauflösende Lidar-Sensor ohne bewegliche Komponenten. Bild: Continental

Hohe dynamische räumliche Auflösung mit großer Reichweite

Vollzug kann Continental bereits in der Nahbereich-Detektion melden: Mit der Nahbereichs-Technologie auf Basis des sogenannten 3D Flash Lidar (HFL), dem ersten System ohne bewegliche Komponenten, finde der SOP noch in diesem Jahr bei einem Premiumhersteller als Teil des Systems für hochautomatisiertes Fahren statt. Mit Blick auf die LiDAR-Technologie im Long-Range-Bereich, die man gemeinsam mit AEye für SAE Level 3 oder höher entwickle, sprechen die Unternehmen von einer ersten Serienproduktion für das Jahr 2024.

Zusammen mit AEye widmet man sich aktuell den kommenden Herausforderungen bei der Umgebungs- und Objekterkennung. Der sogenannte Long Range-Lidar von AEye eignet sich den Experten zufolge ideal für Anwendungen in Personen- und Nutzfahrzeugen aufgrund einer hohen dynamischen räumlichen Auflösung mit großer Reichweite. Erkannt werden sollen Fahrzeuge in über 300 Metern sowie Fußgänger in über 200 Metern Entfernung. Darüber hinaus erkenne das System auch kleine, schwach reflektierende Objekte, wie etwa Backsteine, auf eine Distanz von 160 Metern noch mit mehreren Messpunkten, sagen die AEye-Entwickler.

HRL131 Ultra Long-range Lidar von AEye
Patentierte AEye Lidar-Technologie auf Basis von MEMS im Long & Mid Range-Bereich. Bild: Continetal/AEye

Lidar als letztes Stück des Puzzles

Eine Automation auf SAE Level 3 oder höher erfordere eine Sensorausstattung, zu der Kamera, Radar und Lidar gehören, um Objekte und nutzbare Trajektorien rund um das Fahrzeug zu erkennen, sagen die Experten beider Häuser. Lidar sei das letzte Stück des Puzzles, betont Jordan Greene, Co-Founder and Vicepresident of Strategy & Partnerships bei AEye, im Rahmen der Präsentation. Im Nahbereich soll die 3D Flash Lidar-Technologie sehr schnell und präzise 3D-Pixelbilder liefern. Dies leiste sie, da sie die gesamte Szene mit dem Laserpuls auf einmal ausleuchte und komplett in einem Frame erfasse (Global Shutter-Technologie).

Für die zuverlässige Erkennung von Objekten in großer Entfernung biete die agile 1550 nm Lidar-Technologie eine bewährte Kombination aus per Software konfigurierbarer HD-Auflösung mit über 1600 Pixel pro Winkelquadrat und Erkennungsreichweiten jenseits von 300 Metern. Die AEye Lidar-Technologie auf Basis von MEMS offeriert den Experten zufolge hohe Zuverlässigkeit und soll beste Sensorleistung auch bei schwierigen Wetter- und Straßenverhältnissen bieten.

Continental hat mit der Erweiterung auf dem Gebiet der Lidar-Technologie nun eine umfangreiche Expertise auf allen drei Sensorfeldern sowie der Softwareentwicklung. Mit Blick auf die nahe Zukunft sieht Continental-Experte Jürgens vor allem den Nutzfahrzeugsektor voranschreiten. Hier erkenne man großen Bedarf. Weitere Usecases liegen ihn zufolge auch im Bereich der Mobilitätsanbieter wie auch auf dem Gebiet Non-Automotive etwa im Bereich der Agrartechnologie.

Bereits registriert?