Ein Auto mit Codezeilen.

Bei Vehicle Edge geht es um die Möglichkeit, eine Recheneinheit im Fahrzeug zu haben, die entweder unabhängig oder in Verbindung mit einem fahrzeugnahen Edge Gateway etwa am Straßenrand arbeitet. Bild: Red Hat

| von Harald Ruckriegel, Wolfram Richter

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Edge Computing bezeichnet die Fähigkeit, Rechenressourcen entfernt von zentralen Rechenzentren bereitzustellen, etwa direkt an einem Device wie einem Roboter in der Fabrikhalle oder in einem Fahrzeug. Edge Computing bietet mehrere Vorteile: So können Daten vor Ort konsolidiert werden, bevor sie an ein Rechenzentrum übertragen werden. Damit wird die zu übertragende Datenmenge deutlich reduziert. Entscheidungen können vor Ort mit geringster Verzögerung getroffen werden. Die Abhängigkeit von Netzwerkverbindungen mit hoher Bandbreite und Latenz ist somit obsolet.

Für einen Fahrzeughersteller gibt es zwei wichtige Edge-Ausprägungen: „Factory Edge“ und „Vehicle Edge“. Factory Edge fokussiert auf Fertigungs- und Logistikprozesse. Vehicle Edge kann genutzt werden, um neue Dienste bereitzustellen, die in naher Zukunft auf der Fahrzeugplattform ausgeführt werden sollen.

Wichtige Treiber für Edge-Implementierungen sind vor allem die ACES-Szenarien, die für Autonomes Fahren (Autonomous), Vernetzung (Connected), elektrische Antriebe (Electrified) und flexible Nutzung (Shared/Services) stehen, Industrie 4.0, 5G und die Cloud-Integration.

Die Modernisierung der Produktionsprozesse in der Automobilbranche ist entscheidend, um neue Modelle schnell, sicher und kosteneffizient zu fertigen und zu liefern. Sie erfolgt dabei nach den Grundsätzen von Industrie 4.0, und Factory Edge ist ein wichtiger Wegbereiter dafür, da damit die Produktionskapazitäten und Logistikprozesse optimiert werden können. Typische Anwendungsszenarien sind Condition Monitoring, Predictive Maintenance, Data-Sharing-Services oder auch Asset Management.

Generell werden auf der Fertigungsseite die Verstärkung der Automatisierung, etwa in den Bereichen Logistik und Montage, Smart Manufacturing oder KI den Grad der Agilität von Produktionsanlagen erhöhen und den Übergang von starrer Massenproduktion zu einem Modell der kundenindividuellen Fertigung ermöglichen. Dieses neue Modell bringt eine große Anzahl von Aufgaben mit sich, und zwar mit der Notwendigkeit, umfangreiche Datenmengen schnell zu analysieren. Ein beträchtlicher Teil dieser Aufgaben wird direkt an der Produktionslinie mit der Vernetzung der IT mit den Anlagen oder Steuersystemen anfallen – mit anderen Worten an der Factory Edge, die die Basis für eine stärkere Vernetzung der Produktion und Logistik ist.

Neben Factory Edge wird auch das Thema Vehicle Edge die weitere Entwicklung im Automotive-Bereich prägen. Stärker vernetzte Fahrzeuge werden künftig intelligente Knotenpunkte sein, die Teil eines viel breiteren Ökosystems von Technologien sind. Als Teil dieses Ökosystems werden die Fahrzeuge in der Lage sein, mit ihrer Umgebung zu interagieren. Zum Beispiel könnte ein Auto Umweltinformationen bereitstellen oder Daten zur Optimierung der Parkplatznutzung in Städten liefern. Voraussetzung dafür ist der Edge-Computing-Einzug direkt im Fahrzeug.

Bei Vehicle Edge geht es um die Möglichkeit, eine Recheneinheit im Fahrzeug zu haben, die entweder unabhängig oder in Verbindung mit einem fahrzeugnahen Edge Gateway etwa am Straßenrand arbeitet. Vehicle Edge ist von wachsender Bedeutung für die Evolution eines traditionellen Autos hin zu einem intelligenten, vernetzten Auto und zu einem softwaredefinierten Fahrzeug, bei dem Features dynamisch nachgeladen und freigeschaltet werden können. Letztlich ist Vehicle Edge auch die Basis für die Umsetzung innovativer Konzepte wie Car-as-a-Service, Mobility-as-a-Service oder Smart City.

Edge Computing ist ein zentraler Bestandteil der Open-Hybrid-Cloud-Strategie von Red Hat und der Ansatz zur Erfüllung der Edge-Anforderungen basiert auf drei Elementen: den Plattformen und Lösungen, der führenden Rolle im Open-Source-Bereich und dem Partner-Ökosystem. Red Hat bietet die erforderlichen Lösungen einschließlich Middleware, Storage und Services mit den Kernkomponenten Red Hat OpenShift und Red Hat Enterprise Linux. Dabei treibt Red Hat die Entwicklung von offenen Standards bei gleichzeitiger Bereitstellung von gehärteten, vollständig unterstützten Plattformen voran. Zudem kooperiert Red Hat mit einem Partnernetzwerk aus Hardware- und Softwareanbietern, um Lösungen zur Verfügung zu stellen, die auf die konkreten Kundenanforderungen zugeschnitten sind.

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