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Hofmann: „Unternehmen sind gut beraten, die IT-Organisation und die ihr vorstehenden CIOs noch weiter aufzuwerten.“ Bild: MHP

| von Pascal Nagel

Die Digitalisierung verändert die gesamte Wirtschaft und damit auch die Autobranche grundlegend. automotiveIT sprach mit Dr. Ralf Hofmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von MHP, über notwendige Kompetenzen im zunehmend digitalisierten Unternehmen, die Rolle des CIOs und den Standort Deutschland.

Hofmann: Zum einen die IT- und Softwarekompetenz. Und dies in zwei Dimensionen: Software im Fahrzeug und dessen Ecosystem wird zunehmend zum kaufentscheidenden Merkmal. Zudem werden IT, Vernetzung und Software in der Produktion Grundvoraussetzungen, um kurze Produktzyklen, eine hohe Individualität und Flexibilität zu erzielen. Zum anderen muss Kompetenz zum Leben agiler Organisationsformen aufgebaut werden. Themen werden verstärkt projektorientiert, abteilungsübergreifend und im Partnernetzwerk bearbeitet. Und drittens – vielleicht weniger eine Kompetenz der Belegschaft als vielmehr deren Führung – die Schaffung einer offenen, fehlertoleranten Innovationskultur, um die Energie und Kraft der Belegschaft zu nutzen.

Unternehmen wie Volkswagen setzen momentan auf den Posten eines Chief Digital Officer, um das Thema Digitalisierung stärker strategisch zu positionieren. Traut die Autoindustrie ihren CIOs keine strategische Mitbestimmung zu?

Etwas provokativ formuliert: offensichtlich nicht „alleine“. Detaillierter betrachtet ist der Themenkomplex Digitalisierung der Produkte und deren Produktion so umfangreich, dass mehrere Entscheidungsträger nicht von Nachteil sind. Bedauerlicherweise wird in vielen Unternehmen die IT als Kostenfaktor im Finanzressort geführt. Dabei ist IT heute nicht nur Befähiger sondern vielmehr Treiber und dies gilt in besonderem Maße für Daten. Bislang generierten Prozesse Daten. Zukünftig generieren Daten Prozesse. Wir können durchaus zwischen Produkt-IT, Smart Factory-IT und Enterprise-IT unterscheiden In der Enterprise-IT spielen Standardisierung und Effizienz die größte Rolle. Sie sind dabei wesentliche Basis für die Smart Factory-IT und auch die Produkt-IT, in welchen wiederum Agilität und Attraktivität die größte Rolle spielen. Die Grenzen zwischen diesen drei Bereichen sind nicht wirklich scharf zu ziehen. Vielmehr liegt eine intensive Verzahnung vor. Für uns sind Unternehmen daher gut beraten, die IT-Organisation und die ihr vorstehenden CIOs noch weiter aufzuwerten.

Im „Connected Car Innovation Index“ von carIT und dem Center of Automotive Management schneidet Deutschland in Sachen digitaler Infrastruktur deutlich schlechter ab als andere Nationen. Was muss der Standort Deutschland, etwa in politischer Hinsicht, von Ländern wie den USA oder China lernen?

Mutiger sein. Anfangen. Machen. Nicht zeitintensiv nach der perfekten Lösung suchen. Die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen sind im Großen und Ganzen nicht schlechter als anderswo. Es gibt bei uns sicherlich mehr Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz – aber das halte ich für überhaupt nicht falsch. Und es bremst uns erst einmal auch nicht aus. Wenn Menschen den Nutzen für sich erfahren können, wird – wie bei Smartphones auch – mehr Offenheit entstehen. Wo bei uns allerdings wirklich schnell mehr getan und investiert werden muss, sind breitbandige mobile Netzverbindungen mit geringer Latenzzeit. Wir haben es in Deutschland mit hoher Bevölkerungs- und damit Nutzerdichte sowie relativ einfacher Topologie wesentlich leichter als andere Länder und dennoch scheinen wir in diesem Bereich noch Nachholbedarf zu haben. Ich denke aber, diese Herausforderung ist für Deutschland zu meistern!

 

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