| von Claas Berlin

Erst einmal die guten Nachrichten: Mit einem Umsatz in Höhe von 5,10 Milliarden Euro steigen die 25 Digitalisierungsspezialisten im exklusiven Ranking von automotiveIT in neue Sphären auf. Die schlechte Nachricht: Das Wachstum fällt mit knapp über 200 Millionen Euro beziehungsweise 4,4 Prozent jedoch deutlich geringer aus als in den Jahren zuvor.

Im Vergleich zum Jahr 2018 hat sich das Wachstum sogar fast halbiert und zweistellige Zuwächse wie etwa 2017 sind auch in den kommenden Jahren eher unwahrscheinlich. Gründe für das schwache Wachstumsplus im vergangenen Jahr sind unter anderem die sich eintrübende Weltwirtschaft und die Folgen des Brexit.

Zu optimistische Prognosen?

Während in dieser Gemengelage Branchenprimus T-Systems mit 750 und der Zweitplatzierte IBM mit 570 Millionen Euro leicht steigende respektive stabile Umsätze für 2019 ausweisen, muss MHP seinen Platz im Spitzentrio räumen. Mit 331,7 Millionen Euro fällt das Consultingunternehmen aus Ludwigsburg um vier Plätze und findet sich auf Rang sieben wieder. Mit einer Prognose von gut 331 Millionen Euro für 2020 blickt die Managementberatung im Gegensatz zu zahlreichen Mitbewerbern immerhin noch zuversichtlich Richtung Zukunft.

Dennoch könnte der Absturz der gesamten Branche durch die Corona-Pandemie in den nächsten Jahren hart ausfallen. Viele Unternehmen wollten für das laufende Geschäftsjahr schon gar keinen Ausblick mehr wagen. Nur dank optimistischer Prognosen einiger weniger Akteure kann wohl ein Fall unter die magische Grenze von fünf Milliarden Euro für 2020 noch verhindert werden. Den Prognosen zufolge wird der Umsatz der 25 größten IT-Häuser 2020 stagnieren respektive noch marginal steigen.

Die fünf großen Player sin der IT-Branche machen laut einer Statistik von automotiveIT so viel Umsatz wie die restlichen Unternehmen zusammen.
Unter den IT-Dienstleistern in Deutschland haben sich fünf große Player herauskristallisiert.

Die großen Fünf

Zu diesen stabilen Zahlen trägt beispielsweise die Managementberatung Accenture bei. Mit einem Umsatz in Höhe von 494 Millionen Euro, begründet unter anderem durch die Übernahme des Technologieberaters Zielplus aus München, schiebt sich das in Irland ansässige Unternehmen im aktuellen Ranking vom sechsten auf den dritten Platz. Für das laufende Jahr rechnet man bei Accenture mit Umsatzerlösen in Höhe von 475 Millionen Euro.

Auf das Spitzentrio folgen die NTT Gruppe und Computacenter, die die Plätze tauschen. Insgesamt sind die führenden fünf IT-Häuser mit einem Umsatz von 2,57 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der 25 größten IT-Dienstleister in Deutschland verantwortlich. Auf den weiteren Rängen liegen MHP und Infosys. Im Mittelfeld konnten die Anbieter hingegen ihre Positionen bis einschließlich Platz 13 behaupten.

Ins Auge fällt hier jedoch das Managementunternehmen Capgemini, das für 2020 ein Umsatzwachstum von fast 100 auf 360 Millionen Euro prognostiziert – und das trotz Coronakrise. Grund hierfür ist die im Juni erfolgte Übernahme des französischen Engineering-Spezialisten Altran. Für 3,6 Milliarden Euro sicherte sich Capgemini die Dienste des Entwicklungsdienstleisters und hat nun Zugriff auf insgesamt 250 000 IT-Experten, die industrieübergreifend agieren.

Coronakrise ist Fluch und Segen

Übernahmen und Zukäufe könnten für eine lange Zeit der einzige Weg sein, die Umsatzerlöse weiter zu steigern. Auch wenn der Digitalisierungsdruck in der Automobilbranche weiterhin groß ist, zwingt die Coronakrise Hersteller und Zulieferer zu harten Sparrunden. Denn weggebrochene Absatzmärkte und die weltweite Furcht vor einem zweiten Lockdown lähmen den gesamten Automotive-Sektor.

„Die aufgesetzten Maßnahmen und Effizienzprogramme haben schnell gegriffen und somit unmittelbar negativen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung von IT-Unternehmen – vom Global Player über mittelständische IT-Provider bis zum Startup, nahezu alle waren davon betroffen“, erklärt Uwe Strauß, Partner & Technology Leader Automotive bei der Strategieberatung Deloitte.

„Es gab aber auch positive Aspekte beispielsweise durch die verstärkte Nachfrage nach digitalen Produkten und Lösungen für das mobile Arbeiten. Mittel- und langfristig werden sich unter anderem Edge Computing, Anwendungen auf Basis von KI und viele Digitalisierungsvorhaben weiterhin positiv entwickeln.“ Zusätzlich würden hohe Investitionen getätigt, beispielsweise um neuen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden; auch Technologiekompetenz spiele hierbei eine zentrale Rolle, so Strauß.

Eine Umfrage zu den Zukunftsthemen in der ITK-Branche von automotiveIT
Die automotiveIT-Umfrage ergab ein klares Bild hinsichtlich der Zukunftsthemen.

Autohersteller bauen eigene Kompetenzen aus

Zudem gehen immer mehr Hersteller dazu über, die Kompetenz für Software und neue digitale Mobilitätsformen inhouse zu generieren. So hat Volkswagen mit der Car.Software-Organisation eine eigene Geschäftseinheit für diesen Bereich gegründet. Auch Daimler möchte den Anteil an selbstentwickelter Software weiter ausbauen.

„Die Automobilhersteller haben erkannt, wie wichtig IT-Kompetenz für ihre Produkte in Zukunft sein wird. Durch den Aufbau eigener Softwarekompetenzen wird die Erhöhung der Eigenfertigung für strategische Bereiche angestrebt. Der Aufbau von mehreren tausend IT-Experten binnen kurzer Zeit ist recht ambitioniert, entscheidend wird aber sein, IT-Experten nachhaltig an die Unternehmen binden zu können“, ist Uwe Strauß überzeugt.

Digitale Lösungen bleiben gefragt

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor werden aus Sicht des Deloitte-Experten Partnerschaften mit Produktherstellern und IT-Dienstleistern für einzelne Technologiefelder sein. Dabei gehe es nicht nur um das vernetzte Fahrzeug. Der durch Technologiethemen adressierbare Markt bei den Fahrzeugherstellern sowie bei den Zulieferern werde weiterhin wachsen. Die IT-Unternehmen und deren Allianzen würden davon profitieren, so Strauß.

Trotz der trüben Aussichten wird die Arbeit für die IT-Dienstleister sicherlich auch in Zukunft nicht ausgehen. Mit Valtech, SupplyOn, Cenit und Materna haben es auf den hinteren Rängen auch vier neue Anbieter in die Top 25 geschafft. Viele IT-Unternehmen hätten bereits damit begonnen, sich zu optimieren und organisatorisch marktorientierter aufzustellen, weiß auch Deloitte-Experte Uwe Strauß. „Das widerspricht keinesfalls dem weiteren konsequenten Aufbau von IT-Spezialisten, denn digitale Lösungen sind gefragt. Wir dürfen davon ausgehen, dass einige IT-Dienstleister auch 2020 ein hervorragendes Geschäftsjahr abliefern werden.

Das IT-Dienstleister-Ranking von automotiveIT
Quelle: automotiveIT 2019, kein Anspruch auf Vollständigkeit

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