Die Top 25 IT-Dienstleister in Deutschland

In diesem Jahr hat es Capgemini auf das Treppchen geschafft. Die Spitzenposition und der zweite Platz bleiben unverändert. (Bild: Andreas Croonenbroeck)

Wenn die Autobranche ein Wort des Jahres 2020 bestimmen müsste, könnte es wohl nur „Digitalisierung“ lauten. So hat die Coronapandemie bei Herstellern und Zulieferern für einen bisher nie dagewesenen digitalen Schub gesorgt: Homeoffice, virtuelle Konferenzen und das softwaredefinierte Fahrzeug sind der aktuelle Dreiklang, der aus der Industrie zu vernehmen ist. Das Problem für die IT-Dienstleister: Viele der angestoßenen Projekte haben die Automotive-Akteure inhouse abgewickelt und dafür länger geplante Investitionen mit den IT-Playern vorerst auf die lange Bank geschoben.

Das macht sich zum Teil auch in den Automotive-Umsätzen der 25 größten IT-Dienstleister in Deutschland bemerkbar, wenn man die Sondereffekte herausrechnet. Dennoch ist das ein Jammern auf hohem Niveau. 2020 lagen die Umsätze der 25 größten IT-Dienstleister bei über fünf Milliarden Euro und damit nur leicht unter dem Vorjahresniveau. Für das aktuelle Jahr rechnen die Unternehmen sogar mit einem deutlichen Umsatzsprung auf über 5,4 Milliarden Euro – von Krise also wenig zu sehen.

Die fünf umsatzstärksten IT-Dienstleister in Deutschland

Im Jahr 2020 konnten die fünf umsatzstärksten IT-Dienstleister der Automobilindustrie knapp 2,5 Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Platz 1: T-Systems (622 Millionen Euro)

Platz 2: IBM (520 Millionen Euro)

Platz 3: Capgemini (450 Millionen Euro)

Platz 4: Accenture (443 Millionen Euro)

Platz 5: NTT-Gruppe (414 Millionen Euro)

T-Systems bleibt umsatzstärkster IT-Dienstleister

Unangefochtener Branchenprimus im exklusiven automotiveIT-Ranking bleibt wie in den Jahren davor wieder einmal T-Systems. Der Frankfurter IT-Riese kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 622 Millionen Euro. Dabei verlor man sogar 150 Millionen Euro Automotive-Umsatz, weil ab der zweiten Jahreshälfte 2020 Umsätze in anderen Konzerneinheiten verbucht wurden.

Auf der anderen Seite sind mit der Übernahme des französischen IT-Beratungshauses Altran durch Capgemini rund 190 Millionen Euro zusätzlicher Erlös im Ranking dazugekommen. Capgemini schiebt sich damit mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 450 Millionen Euro auf Rang drei im Ranking vor. Für das aktuelle Jahr rechnet das Beratungshaus mit einem weiteren Wachstum von 50 Millionen Euro.

Top 10 IT-Dienstleister verweisen auf gute Geschäfte

Obwohl Accenture seinen Platz auf dem Treppchen nun räumen musste, rechnet die IT-Managementberatung mit Hauptsitz in Dublin für 2021 mit glänzenden Geschäften und einem Umsatzplus von 30 Millionen Euro. Erst jüngst kündigte Accenture die Übernahme des IT-Dienstleisters Trivadis an. Das Unternehmen mit Standorten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Dänemark und Rumänien ist auf die Implementierung von Plattformen sowie Lösungen spezialisiert, die eine hochautomatisierte Bereitstellung und Nutzung von Daten ermöglichen. Organisatorisch schließen sich die mehr als 710 Experten von Trivadis dem Data-&-AI-Team innerhalb des Geschäftsbereich Cloud First von Accenture an.

Insgesamt kommen die fünf größten IT-Dienstleister damit in der diesjährigen Erhebung auf einen Gesamtumsatz in Höhe von 2,4 Milliarden Euro, verpassen aber knapp die Marke von 50 Prozent Anteil am Gesamterlös. Dafür verantwortlich ist das gut laufende Geschäft weiterer Player in den Top Ten: MHP, die NTT-Gruppe oder Infosys konnten ihre Umsätze halten beziehungsweise leicht ausbauen und rechnen auch für das aktuelle Jahr mit Wachstum. Mit einem großen Umsatzsprung für 2021 rechnet Computacenter und plant mit 370 Millionen Euro.

IT-Dienstleister gehen aus Coronakrise gestärkt hervor

Auch im Mittelfeld des Rankings ist von Krisenstimmung wenig zu spüren: Wipro, HCI und Neueinsteiger Edag rechnen für dieses Jahr bereits mit zweistelligen Wachstumsraten. Damit liegen einige IT-Dienstleister analog zu verschiedenen Autoherstellern, die nach den massiven Absatzeinbrüchen zum Teil neue Rekorde bei Fahrzeugverkauf und Umsatz einfahren.

Die Zuversicht und Hoffnung auf florierende Geschäfte teilt auch Automotive-Experte Sebastian Zeeb und sieht eine goldene Zukunft für die IT-Player: „Ich glaube sogar, dass es der IT-Branche bald noch besser geht. IT ist integraler Bestandteil des Produkts und wird immer wichtiger. Und auch wenn die großen OEMs versuchen, ganze Heerscharen von geeigneten Mitarbeitern zu finden, so werden sie weiter auf die Erfahrung und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten setzen.“

Digitale Transformation bleibt Kernthema der IT-Branche

Wie wichtig die digitale Transformation für die gesamte Branche bleibt, zeigt auch die Kurzumfrage unter den 25 IT-Größen zu den wichtigsten Herausforderungen der Zukunft: 88 Prozent verweisen dabei auf die digitale Transformation, nur eine Minderheit von zwölf Prozent sieht im Fachkräftemangel den größten Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit.

Die Folgen der Pandemie spielen für die Branche laut Umfrage keine Rolle mehr. Doch neben dem Schatten, den Corona nachweislich in Form von wirtschaftlichen Unwägbarkeiten geworfen hat, sorgte es zeitgleich für einen unheimlichen Digitalisierungsschub in der gesamten Automobilindustrie, der wohl ohne globale Pandemie ausgeblieben wäre. So wurden während des ersten Lockdowns in Deutschland pragmatische digitale Lösungen etabliert, die in normalen Zeiten wohl eher an zahllosen Bedenkenträgern in den Konzernen gescheitert wären. Für die IT-Dienstleister ist das Chance und Risiko zugleich: „Mit Pragmatismus verhält es sich wie mit der Agilität. Es funktioniert super, wenn es nicht mit ungeplant und ungesteuert verwechselt wird. Die IT-Dienstleister haben in den letzten Jahren in vielen unterschiedlichen Branchen Erfahrungen gesammelt, an denen die Automobilbranche jetzt partizipieren kann“, betont Zeeb.

Wie volatil der Markt in Sachen IT-Dienstleistungen ist, zeigt auch das aktuelle Ranking von automotiveIT: Insgesamt drei Neueinsteiger – neben Edag haben Reply und Ausy den Sprung in die diesjährige Rangliste geschafft. Gemeinsam tragen die Unternehmen mit zusammengerechnet knapp 170 Millionen Euro Umsatz zur Gesamtgeschäftslage der 25 IT-Branchengrößen bei. „Technologie verändert sich rasend schnell. Player, die gestern noch unbekannt waren, sind heute zentral – und umgekehrt. Die IT-Dienstleister können durch ihr breites Spektrum an Themen und Industrien eine steile Lernkurve ihrer Mitarbeiter fördern und damit Synergien heben und als Akzelerator für die OEMs dienen. Auch in klassischen Steuerungsfunktionen der Projekte wird gerade heute weiter viel Nachfrage sein“, skizziert Sebastian Zeeb die rosigen Zukunftsaussichten der Branche.

Tech-Player, Autobauer und IT-Dienstleister sind offen für Kooperationen

Und selbst die zunehmende Kooperation zwischen Auto- und Tech-Branche, vor allem mit den Größen Google oder Amazon im Herzstück Fahrzeug, muss den IT-Dienstleistern bisweilen keinen Angstschweiß auf die Stirn treiben. „Der Markt ist hier sehr in Bewegung. Mitarbeiter wechseln von IT-Dienstleister zu anderen IT-Dienstleistern oder zu Tech-Playern oder in die Industrie. Aber die Grundgesamtheit bleibt gleich. Daher setzen die meisten OEMs und Tech-Player auf partnerschaftliche Zusammenarbeit und denken in Ökosystemen. Und da gehören die IT-Dienstleister elementar dazu. Das ist mehr eine Chance denn eine Gefahr“, unterstreicht Zeeb.

Es zeigt sich also, dass mit dem Abklingen der Pandemie die Zeiten für die IT-Dienstleister bald wieder deutlich besser aussehen könnten und das heimliche Wort des Jahres sowohl in der Automobilindustrie als auch in der IT-Branche trotz Floskelgefahr längst nicht ausgedient hat.

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