automotiveIT - Attacke abgewehrt: Monitoring-Lösung bei ZF-Lenksysteme
| von Hilmar Dunker

„Ein proaktives, zentrales Monitoring unserer gesamten IT-Infrastruktur ist unbedingt notwendig. Dies trifft inzwischen auch auf unsere Produktionssysteme zu. Denn diese setzen mehr und mehr auf Standard-IT-Komponenten auf“, stellt Thilo Helmig klar, der den Bereich Rechner- und Kommunikationssys-teme bei ZF Lenksysteme leitet. Rund 300 Server überwacht seine Abteilung. Hinzu kommen das Netzwerk mit 600 Komponenten von Alcatel Lucent und Cisco sowie verschiedene Anwendungen und Systeme: Neben dem SAP-System sind Oracle-Datenbanken, Microsoft Exchange Server, Microsoft SQL Server sowie VMware als Virtualisierungsplattform im Einsatz. Umgesetzt wird das Monitoring mit mehreren HP-Werkzeugen, die ihre Daten in eine zentrale Event-Management-Plattform, den HP Operations Manager, liefern. Auf einigen Systemen hat das Team von Thilo Helmig für das Monitoring Agenten installiert. Andere Systeme werden hingegen agentenlos überwacht – dazu gehören auch die Rechner in der Produktion. Dabei handelt es sich um Server, die die jüngste Generation von Produktionslinien aus dem Geschäftsbereich PA-ATMO der Muttergesellschaft Robert Bosch GmbH steuern. Diese Linien nutzen für die Netzwerkkommunikation das Internet-Standardprotokoll TCP/IP. Das heißt, jeder angeschlossene Roboter und jede Produktionslinie verfügen über eine IP-Adresse. Die zentrale Komponente ist der Fertigungsleitrechner, für den ein hochverfügbarer Standardserver genutzt wird. Auf diesem laufen Betriebssystem, Datenbank, Netzwerkkomponenten sowie Spezialanwendungen wie etwa die Robotersteuerung.

Als im vergangenen Jahr in einigen Werken die ersten dieser modernen Produktionslinien aufgebaut wurden, war die Produktions-IT auf der Suche nach einer Überwachungslösung für die Fertigungsleitrechner. Thilo Helmig schlug vor, die Lösung, die sich bereits im produktionsnahen Umfeld bewährt hatte, auch in der Produktion direkt einzusetzen. „Dies war aufgrund der Bedeutung dieser Systeme nur folgerichtig. Denn wenn ein solcher Rechner ausfällt, stehen große Teile der Fabrik still“, sagt Helmig. Doch so weit kommt es dank des Monitorings erst gar nicht. Denn auch hier wird proaktiv überwacht. Das heißt beispielsweise, dass die Mitarbeiter in der Fabrik frühzeitig Rückmeldung erhalten, wenn ein Roboter das geforderte Drehmoment zum Anziehen einer Schraube nicht einhält – noch bevor das Bauteil in die nächste Station der Produktionslinie wandert. Das Team um Thilo Helmig fungiert dabei als interner Dienstleister. Es weist beispielsweise die Produktion auf sich abzeichnende Probleme im Fertigungsprozess hin und analysiert die IT-technischen Ursachen wiederkehrender Probleme. Darüber hinaus richtet die IT für die Kollegen der Instandhaltung immer wieder Regeln im Monitoringsystem ein, nach denen diese bei bestimmten Fehlerkonstellationen eine Nachricht erhalten, um den Produktionsprozess aufrechtzuerhalten.

Die Mitarbeiter in der IT sowie in der Produktion können dabei sichergehen: Wenn das System einen Alarm meldet, müssen sie handeln. Das war nicht immer der Fall. Das Monitoringsys-tem, das ZF Lenksysteme zuvor genutzt hatte, schickte jede Minute Fehlermeldungen eines nicht erreichbaren Systems oder einer Komponente auf die Überwachungskonsolen – mit dem Ergebnis, dass der Monitor quasi mit Meldungen gleichen Inhalts überquoll. Zeul: „In der Menge der Alarme ging so mancher Notfall unter.“ Heute trägt zur Zielgenauigkeit bei der Überwachung auch bei, dass das Unternehmen in der HP-Lösung eigene Regeln hinterlegen kann, die verschiedene Ereignisse im Systemmanagement zeitlich und kausal in Zusammenhang setzen. Ein Beispiel: Fällt ein Server aus, schlagen die Agenten für Filesystem, Prozessor und Antwortzeiten nicht alle gleichzeitig Alarm.

„Darüber hinaus hat die Überwachung der IT-Infrastruktur für uns strategische Vorteile“, erläutert IT-Manager Helmig. So nutzt der Automobilzulieferer die Monitoring-Ergebnisse für das Service Level Management: Die mit den einzelnen Landesgesellschaften des Konzerns geschlossenen Service Level Agreements werden mit der Lösung überwacht. Dabei geht es heute noch weitgehend um das Monitoring von Systemen und Komponenten. In absehbarer Zukunft will ZF Lenksysteme damit jedoch ganze Geschäftsprozesse von Ende zu Ende überwachen. Dazu gehört etwa ein Buchungsvorgang im SAP-System mit allen Systemen, die diesen Ablauf unterstützen. Helmig: „Letztlich wollen wir durch die proaktive Überwachung erreichen, dass die Fachbereiche von IT-Problemen so gut wie gar nichts mehr mitbekommen.“

Autorin: Sabine Koll