148371_aaa_rgb
| von Hilmar Dunker

sich die Ressourcenknappheit auf die Etablierung neuer Technologien sowie die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen auswirken kann, soll am Beispiel von drei knappen Ressourcen einmal deutlich werden:

‡ Wie fast alle Seltenerdmetalle lagert Neodym (das unter anderem zur Herstellung von Magneten benötigt wird) zu über 90 Prozent in China, das sich der strategischen Bedeutung seiner eigenen Ressourcenvorkommen längst bewusst ist. Zudem gelingt es dem Land, seine üppigen Dollar-Reserven – insbesondere in Afrika und Australien – gegen Förderrechte von Ressourcen einzutauschen, die auf eigenem Territorium selten sind. Damit wird China zur Ressourcen-Supermacht.

‡ Sofern sich der auch politisch forcierte Trend zur Elektromobilität wie prognostiziert fortsetzt, könnten die unzureichenden Förderkapazitäten von Lithium die Technologie schnell an ihre stofflichen Grenzen des Wachstums bringen. So geht aus einer Studie von Meridian International Research hervor, dass im Jahr 2015 – auch bedingt durch die steigende Nachfrage der Elektronikbranche – lediglich 30.000 Tonnen Lithium für die Automobilindustrie zur Verfügung stehen werden. Diese definierte Menge würde die Produktion von weniger als 1,5 Millionen Hybridmotoren ermöglichen.

Die sehr eingeschränkte Verfügbarkeit biespielsweise von Indium, dessen Reichweite man auf 5 – 20 Jahre schätzt, verteuert die Produktion mikroelektronischer Bauteile und IT-Komponenten.

Da die europäische Automobilindustrie in bedrohlichem Maße vom Import von Rohstoffen abhängig ist, steht sie in puncto Ressourcenverfügbarkeit vor tief greifenden Strukturänderungen und muss sich insbesondere mit folgenden Fragen konfrontiert: Welche elektrischen Funktionskomponenten wie Elektromotoren, Akkumulatoren, Magnete, Supercaps, etc. werden technologisch und ökonomisch sinnvoll zum Einsatz kommen können, wenn eine Vielzahl von Seltenerdmetallen knapp und damit teuer werden? Durch welche Antriebsaggregate wird sich der herkömmliche Verbrennungsmotor teilweise oder vollständig ersetzen lassen, wenn ein möglicher Lithium-Engpass mit in Betracht gezogen wird? Welche innovativen Sensor- und Informationssysteme lassen sich entwickeln und in großer Stückzahl produzieren, wenn die Vorräte an Indium und anderen seltenen Spurenmetalle wie zum Beispiel Gallium absehbar zur Neige gehen? Zur Lösung der hier vorgestellten Herausforderungen kann und muss die IT einen entscheidenden Beitrag leisten: Zum einen, damit die IT mangels Ressourcen nicht selbst an ihre Grenzen stößt und zum anderen, um das Ressourcenmanagement von Branchen wie der Automobilindustrie nachhaltig zu gestalten. Ziel muss es sein, deren Unternehmens-IT im Sinne eines ressourcenlenkenden Nervensystems zur „intelligenten Steuerung“ als Plattform einzusetzen und darauf aufbauend ein betriebswirtschaftlich fundiertes, effizientes Ressourcenmanagement zu implementieren. So kann es für ein Unternehmen sinnvoll sein, bspw. durch vertikale Integration (Kauf einer Mine) oder langfristige Lieferverträge marktpreisunabhängiger zu werden. Auch stellt der Kapitalmarkt Absicherungsinstrumente wie Rohstoffoptionen und -futures bereit. Langfristig müssen sogar in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken die internationalen Energie- und Ressourcenströme quantifiziert und optimiert werden, um so mögliche Engpassfaktoren frühzeitig erkennen und beseitigen zu können. Auf Kohle basierende Faserverbundwerkstoffe stellen eine hochinteressante Substitutionschance dar, um gerade in der Automotive Industrie die Abhängigkeit von solchen Engpassfaktoren zu reduzieren. Für nachhaltiges Ressourcenmanagement ist die Zusammenarbeit technischer und betriebswirtschaftlicher Disziplinen essentiell, wie sie am Institut für „Material Resource Management“ der Universität Augsburg erfolgt. Diese interdisziplinäre Forschung wird durch die Ansiedlung der Fraunhofer-Projektgruppen „Funktionsintegrierter Leichtbau“ und „Wirtschaftsinformatik“ sowie eines DLR-Zentrums für „Leichtbau-Produktionstechnologie“ gestärkt und ermöglicht die Bearbeitung der genannten Fragestellungen. Dies hilft Unternehmen, deren Abhängigkeit von Ressourcenpreissteigerungen und -schwankungen bereits heute und damit zu einem Zeitpunkt zu reduzieren, zu dem die Ressourcenpreise noch relativ niedrig sind. Da deren Preise spätestens mit der Wiederbelebung der Konjunktur nach der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich nach oben tendieren dürften, ist jetzt der Zeitpunkt proaktiven Handelns gekommen.

Autor: Hans Ulrich Buhl, Co-Autoren: Siegfried Horn (Geschaeftsfuehrender Direktor des Instituts für Material Resource Management), Armin Reller (Inhaber des Lehrstuhls für Ressourcenstrategie) /Uni Augsburg

Foto: Schaeffler Gruppe