Bildschirmfoto 2010-07-19 um 07.21.17
| von Hilmar Dunker

„Einige Systemhäuser und Integratoren liefern Entwicklungsplattformen und vorrangige Integrationsumgebungen als schlüsselfertige Lösung, deren Kern das PLM-Softwareportfolio ist und die die Middleware bilden. Beide wachsen zunehmend zu einer umfassenden PLM-Lösung zusammen“, erklärt Seref Erkayhan, Head of Business Development PLM bei der Seeburger AG, die auch ITA-Mitglied ist. Damit werde Anwendern ein Framework zur Verfügung gestellt, mit dem sie ihre Prozesse im PLM-Umfeld integrieren können. Schlüssel ist hier Erkayhan zufolge der Architekturansatz. „Heutige Architekturen von PLM-Lösungen sind noch überwiegend Client-Server-orientiert. Mittelfristig werden sich hier offene, flexible Service-orientierte Architekturen (SOA) durchsetzen müssen“, meint der PLM-Spezialist. Dabei würden die PLM-Funktionen als Services zur Erledigung prozessrelevanter Tätigkeiten angeboten. „Die Kombination von PLM und SOA hilft Unternehmen, ihre bestehenden Infrastrukturen im Laufe der Zeit schrittweise aufzubauen und zu verändern, indem viele verschiedene Systeme Services wiederverwenden dürfen. So wird auch die Service-basierte Integration von Zulieferern ermöglicht“, meint Erkayhan weiter.

lassen sich in PLM-Projekten relativ schnell – in rund drei bis zwölf Monaten – erste Ergebnisse in Teilbereichen erzielen. Der Ansatz des US-Konzerns besteht darin, PLM-Prozesse industriespezifisch abzubilden. Für die Automobilindustrie sind beispielsweise 22 Kernprozesse wie Änderungs-, Freigabe- oder DMU-Prozesse anhand von Best Practices vordefiniert.

Bei Daimler sieht man für die Zukunft verstärkt PLM-Lösungen für das Datenmanagement von Simulations-, Elektronik- und Softwaredaten. „Das aus der Elektronik bekannte V-Modell bekommt eine immer größer werdende Anerkennung und Verbreitung in der Produktentwicklung. Die komplette Unterstützung des V-Modells ist eine große Herausforderung für alle PLM-Anbieter“, erläutert Alfred Katzenbach, Information Technology Management, Group Research and Product Development bei Mercedes-Benz Cars. Das V-Vorgehensmodell für Systementwicklungsprojekte umfasst auch die Aspekte Projektmanagement und Qualitätssicherung. Daimler setzt im Wesentlichen auf Teamcenter von Siemens PLM, ergänzt durch Eigenentwicklungen. Dem OEM ist die Herausforderung im Supplier-Umfeld durchaus bewusst: „Zulieferern hilft die konsequente Erarbeitung von Prozess- und Sys-temstandards, die auch im April von 350 Teilnehmern des 13. ProStep iViP Symposiums wieder diskutiert wurden“, sagt Katzenbach. Der Verein schaffe mit seinem technischen Programm eine Plattform, auf der OEMs, Zulieferer, IT-Industrie und Wissenschaft die Standardisierung gezielt vorantreiben und zu offiziellen Vereinbarungen bringen können. Als Beispiel nennt Katzenbach die ISO-Zertifizierung des JT-Formats: „Mit der Einführung dieses Standardformats kann die Abhängigkeit von proprietären Autorenformaten reduziert werden. Damit können auch kleinere Lieferanten, die nur über eine weniger leistungsfähige PLM-Landschaft verfügen, effizient und sicher eingebunden werden“, erklärt Katzenbach weiter.

Der PLM-Anbieter Dassault Systèmes nimmt zudem einen Trend in Richtung Community-Orientierung wahr: „PLM wird sich noch stärker an Anwender richten, die am eigentlichen Konstruktionsprozess nicht beteiligt sind. Dazu gehören beispielsweise Manager, Einkäufer oder Mitarbeiter aus der Inbetriebnahme. Aber auch Endkunden, die aktiv in den Produktfindungs-, Entwicklungs- und Entstehungsprozess mit eingebunden werden“, sagt Achim Löhr, Director PLM Value Channel Central Europe bei Dassault Systèmes.

Mit dem Wandel hin zum Elektroauto werde sich der Trend zu mehr Komplexität auch durch Rechenpower im Fahrzeug sicherlich noch verstärken und zu neuen Anforderungen an das Product Lifecycle Management führen, meint Erkayhan. Daher müsse PLM kurzfristig neue Funktionen anbieten, wie beispielsweise Simulationsdatenmanagement, mechatronisches Produkt- und Prozessmanagement, Compliance, Web-2.0-Technologien, Cross Enterprise Engineering, Datenaustauschmanagement, Produktdatenrückverfolgbarkeit und Virtualisierung. Benötigt werden in diesem Kontext auch Lösungen für den asynchronen Datenaustausch mittels Odette File Transfer Protocol (OFTP2) und Engdat. „Langfristig muss PLM zudem den Lebenszyklus von Mikro- und Nano-Produkten sowie von smarten Produkten mit eingebetteten, intelligenten Chips abbilden und diese von der Idee über die Entwicklung bis hin zum Recycling mit Methoden und Werkzeugen unterstützen“, meint Erkayhan – auch das ein ProStep-Thema. Aus seiner Sicht wird PLM als Integrationsplattform die Einbindung von Zulieferern erleichtern. „Ich gehe davon aus, dass im Zuge der neuen Entwicklungen das PLM-Konzept als Teil der Unternehmensstrategie auch bei den Zulieferern eingestuft wird“, führt Erkayhan aus.

Autorin: Daniela Hoffmann