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Kollaboration wird in Unternehmen zwar gepredigt, aber noch viel zu selten gelebt.

Kollaboration wird in Unternehmen zwar gepredigt, aber zu selten gelebt. Das soll sich mit der Arbeitsmethode Working Out Loud (WOL) ändern, weil so ein Rahmen für den gegenseitigen Austausch von Mitarbeitern gesteckt wird, der nebenbei dafür sorgt, dass die Unternehmenskultur offener und innovativer wird. „Working Out Loud ist mir persönlich wichtig, weil das vernetzte Arbeiten und das Nutzen der digitalen Möglichkeiten grundlegende Fähigkeiten im digitalen Zeitalter für uns alle sind. Und somit ist WOL auch für Bosch sehr wichtig“, lässt Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch, wissen. Bosch befinde sich in einem Transformationsprozess, der eben nicht nur Märkte, sondern auch die Arbeitswelt betreffe. „Um die vernetzte Welt erfolgreich zu gestalten, müssen wir über jegliche Grenzen hinweg zusammenarbeiten, einander unterstützen und voneinander lernen“, so Kübel, „Dies ist nicht allein eine Frage der Technologie, sondern vor allem der Einstellung.“

Kein Wunder, dass der Konzern wie auch Continental und Daimler hierzulande als Vorreiter in Sachen WOL gelten. Bei Conti wird die Methode unter anderem für das Onboarding neuer Mitarbeiter verwendet. Im Kern zielt die Methode darauf, dass Mitarbeiter ihre Ideen und ihr Können unabhängig von Hierarchie, Funktion oder Kultur einbringen, was sich besonders im Bereich F&E als hilfreich erweist. Das erklärt auch den etwas merkwürdigen Begriff: Mit „laut arbeiten“ ist gemeint, die eigene Arbeit, Probleme, knifflige Fragestellungen aber auch eigene Kompetenzen im Job sichtbar zu machen, damit man gemeinsam Lösungen findet und andere vom Wissen vieler profitieren können.

„Probleme heute sind komplex und verlangen daher nach abteilungs- und hierarchieübergreifenden Lösungen“, sagt WOL-Coach Ingo Stoll und erklärt: „Die Methode ist ein einfaches zwölfwöchiges Trainingsprogramm, um hin zu kollaborativem Arbeiten zu kommen.“ Was hierzulande auch nötig sei, da allein schon in „Fachabteilungen“ zerfaserte Unternehmen Einzelkämpfer, die Wissen als Macht verstünden, geradezu heranzüchteten. Diese Bastionen bricht WOL, indem zunächst Kleingruppen, sogenannte „Circles“, mit vier bis sechs Mitgliedern gebildet werden, die sich drei Monate lang für eine Stunde in der Woche (auch virtuell) treffen und gemeinsam an den jeweiligen Zielen der Mitglieder arbeiten. „Je interdisziplinärer und heterogener der Zirkel, desto besser funktioniert er“, weiß Stoll, „denn so kommen andere Perspektiven sowie Impulse und damit neue Lösungen zustande.“

Dabei müssen die Ziele zunächst nicht zwingend etwas mit dem Job zu tun haben: „Jeder Teilnehmer am Working Out Loud-Circle bringt ein Ziel mit, das ihm persönlich wichtig ist, es kann auch privater Natur sein. Denn nur so funktioniert intrinsische Motivation“, erklärt der Experte. Außerdem sollte das Ziel in zwölf Wochen erreichbar sein. Schließlich kommt es darauf an, so Stoll, das Verhalten zu ändern, zu lernen, sich zu öffnen, sich selbst zu organisieren, sich mit anderen zu besprechen, über den Tellerrand hinauszuschauen: „Das sind letztlich die Kernkompetenzen in einer agilen, vernetzten Arbeitswelt.“