Fachkräftemangel im Supply-Chain-Management
| von Pascal Nagel

Auf jeden Hochschulabsolventen mit Supply-Chain-Kompetenzen kommen derzeit sechs offene Stellen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird sich dieser Fachkräftemangel noch verschärfen und zu einer Bedrohung für die Zukunft der Automobilindustrie werde. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Logistikunternehmens DHL auf Basis einer Forschungsarbeit von Lisa Harrington, Präsidentin der lharrington group und Senior Research Fellow im Supply Chain Management Center an der University of Maryland.

Verschiedene Rahmenbedingungen verschärfen die Situation zudem: So habe sich innerhalb der vergangen zehn Jahre die Komplexität der Fahrzeuge verdoppelt, während die Entwicklungszyklen derzeit von durchschnittlich fünf auf drei Jahre sinken. Hieraus resultiere im Jahr 2020 ein um 26 Prozent höherer Bedarf nach Supply-Chain-Spezialisten als noch zu Anfang der aktuellen Dekade. „Die Talentkrise im Supply-Chain-Bereich ist ein ernstes Thema für die Automobilindustrie. Das gilt besonders für die Schwellenmärkte, die weiterhin stark wachsen“, erklärt Harrington. „Viele Unternehmen haben in diesen Ländern bereits mit einer fehlenden Infrastruktur und einem Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern zu kämpfen. Zugleich steigt der Bedarf für Supply-Chain-Kompetenzen. Das verschärft die Problematik zusätzlich. Um den Talentmangel erfolgreich zu bekämpfen, bedarf es neuer Denk- und Lösungsansätze sowie einer unternehmensübergreifenden, branchenweiten Kooperation.“

Als fünf Maßnahmen, um den Mangel an Fachkräften zu adressieren, nennt die Studie branchenweite Kooperationen, den Ausbau der unternehmenseigenen Weiterbildungsangebote, Arbeitsplatzrotationen, formalisierte Wissenstransfers und eine gezielte Positionierung als Arbeitgeber erster Wahl. „Für die Automobilindustrie ist die Talentkrise im Supply-Chain-Bereich ein Kartenhaus, das einzustürzen droht“, ergänzt Frank Vorrath, Vice President, Global Sector Head Automotive, DHL Global Forwarding. „Eine Lösung dieser Problematik erfordert eine langfristige Planung und strategische Investitionen in das Talentmanagement als festen Bestandteil der Unternehmenskultur.“