Strategische Partnerschaften
Mercedes-Benz und Volvo setzen stärker auf Nvidia-Technik
Volvo und Mercedes-Benz erweitern ihre Zusammenarbeit mit Nvidia. Neue KI-Software, leistungsfähige Rechnerarchitekturen und zusätzliche Sicherheitsfunktionen sollen die Entwicklung automatisierter Fahrsysteme in beiden Unternehmen voranbringen.
Nvidia unterstützt Automobilhersteller mit KI-basierten Technologien für die Fahrzeugentwicklung, automatisierte Fahrsysteme und digitale Produktionsprozesse. Auch Volvo und Mercedes-Benz bauen ihre Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen aus.
Nvidia
Volvo und Mercedes-Benz bauen ihre bestehenden Partnerschaften mit dem US-Technologieunternehmen Nvidia aus. Beide Automobilhersteller wollen die Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen vorantreiben und dabei verstärkt auf künstliche Intelligenz sowie leistungsfähige Rechnerarchitekturen setzen. Im Mittelpunkt stehen Systeme, die komplexe Verkehrssituationen bewältigen und künftig höhere Automatisierungsgrade ermöglichen sollen. Die Unternehmen verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze zur Integration der Nvidia-Technologien in ihre Fahrzeugarchitekturen.
Nvidia-Technologien sollen nächste Volvo-Generation prägen
Volvo hat kürzlich angekündigt, die seit 2017 bestehende Zusammenarbeit mit Nvidia zu erweitern. Die gemeinsam entwickelte Technik soll erstmals in einem Fahrzeug der nächsten Generation eingesetzt werden. Das Vorhaben ist Bestandteil der angekündigten Produktoffensive des schwedischen Automobilherstellers. Künftige Volvo-Modelle sollen laut Unternehmensangaben in der Lage sein, anspruchsvolle Fahrsituationen auf Autobahnen, im dichten Stadtverkehr und beim Parken automatisiert zu bewältigen. Langfristig strebt der Konzern die schrittweise Einführung sogenannter Eyes-off- und Mind-off-Funktionen an. Diese sollen es Fahrern ermöglichen, ihre Aufmerksamkeit unter bestimmten Bedingungen vom Verkehrsgeschehen abzuwenden beziehungsweise die Fahraufgabe vollständig an das System zu übergeben.
Für die Entwicklung der automatisierten Fahrsysteme setzt Volvo auf mehrere Komponenten des Nvidia-Portfolios. Die Hyperion-Plattform stellt eine Rechner- und Sensorarchitektur bereit, die Daten aus der Fahrzeugumgebung verarbeitet. Ergänzt wird diese durch die Fahrsoftware Alpamayo Stack und das auf Sicherheit ausgerichtete System Halos. Mit dieser Kombination sollen KI-gestützte Funktionen komplexe Verkehrssituationen besser erfassen und darauf reagieren können.
Volvo bringt nach eigenen Angaben seine Erfahrung in der Fahrzeugsicherheit in die Entwicklung ein. Die Technologien des US-Chipherstellers sollen insbesondere die dafür erforderliche Rechenleistung und Softwarebasis liefern. Die erweiterte Kooperation fügt sich in die Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge ein. Bei diesen übernehmen zentrale Rechensysteme zunehmend Aufgaben, die bisher auf mehrere elektronische Steuergeräte verteilt waren. Für Volvo steht dabei die Integration der neuen Technik in die nächste Generation seiner Elektrofahrzeuge im Vordergrund.
Mercedes-Benz erweitert Kooperation für hochautomatisiertes Fahren
Einen Tag nach Volvo hat auch Mercedes-Benz eine Ausweitung seiner strategischen Zusammenarbeit mit Nvidia bekannt gegeben. Der Stuttgarter Automobilhersteller will gemeinsam mit dem Technologiepartner die nächste Generation von Fahrassistenzsystemen und automatisierten Fahrfunktionen entwickeln.
Die Kooperation baut auf bereits bestehenden Entwicklungsprojekten auf. Beide Unternehmen haben unter anderem an einem Assistenzsystem für automatisierte Fahrten zwischen zwei Punkten im Stadtverkehr gearbeitet. Die neue Vereinbarung soll die technische Grundlage für weiterentwickelte Anwendungen schaffen.
Im Mittelpunkt steht das Mercedes-Benz Operating System MB.OS. Das hauseigene Betriebssystem unterstützt neue Fahrzeugfunktionen und ermöglicht Softwareaktualisierungen über das Mobilfunknetz. Künftig soll es enger mit der Hyperion-Rechner- und Sensorarchitektur von Nvidia zusammenarbeiten. Der deutsche Hersteller verbindet damit seine bestehende Softwareplattform mit extern entwickelten KI-Komponenten. Anders als Volvo, das die Technik zunächst für eine kommende Fahrzeuggeneration ankündigt, betont Mercedes-Benz die Weiterentwicklung seiner bereits etablierten Systemarchitektur.
KI-Software soll komplexe Fahrsituationen bewältigen
Auch Mercedes-Benz will den Nvidia Alpamayo Stack einsetzen. Die Software nutzt KI-basierte Verfahren, mit denen automatisierte Fahrsysteme komplexe Situationen analysieren und geeignete Fahrmanöver ableiten sollen. Zu den vorgesehenen Anwendungen gehören die automatisierte Navigation im Stadtverkehr, aktive Sicherheitsfunktionen und Parksysteme. Eine weitere Rolle spielt Nvidia Halos. Das System ergänzt die bestehenden Sicherheitsmechanismen von Mercedes-Benz durch eine zusätzliche, unabhängig ausgelegte Sicherheitsarchitektur. Diese soll Redundanzen bereitstellen und damit die Absicherung automatisierter Fahrfunktionen unterstützen. Die Technologien sollen außerdem als Grundlage für die Entwicklung künftiger Systeme nach SAE-Level 4 dienen.
Mercedes und Nvidia kooperieren über das automatisierte Fahren hinaus in weiteren Bereichen. Der Stuttgarter Konzern nutzt Technologien des US-Unternehmens bereits für Simulationen in der Fahrzeugentwicklung und innerhalb seines digitalen Produktionsökosystems MO360. Dort kommen entsprechende Lösungen unter anderem bei der virtuellen Planung und bei KI-gestützten Anwendungen zum Einsatz. Die Partner wollen damit die Effizienz, Flexibilität und Qualität im Produktionsnetzwerk verbessern. Die Zusammenarbeit umfasst somit mehrere Bereiche der automobilen Wertschöpfung. Während MB.OS und die automatisierten Fahrsysteme auf den Einsatz im Fahrzeug ausgerichtet sind, unterstützen die Simulations- und Produktionslösungen die Entwicklungs- und Fertigungsprozesse.
Gemeinsame Technologien bei unterschiedlichem Fokus
Die beiden Ankündigungen zeigen, dass Nvidia seine Rolle als Technologiepartner großer Automobilhersteller weiter ausbaut. Volvo und Mercedes-Benz greifen künftig auf dieselben grundlegenden Technologiebausteine zurück. Dazu zählen Hyperion, Alpamayo und Halos. Die Integration erfolgt jedoch innerhalb der jeweils eigenen Fahrzeug- und Softwarearchitekturen.
Damit verfolgen die Hersteller unterschiedliche Entwicklungsstrategien auf einer teilweise gemeinsamen technischen Grundlage. Volvo konzentriert sich zunächst auf die Einführung der neuen Systeme in einer kommenden Fahrzeuggeneration. Mercedes-Benz entwickelt seine bestehende MB.OS-Plattform weiter und richtet die Kooperation zusätzlich auf künftige Level-4-Anwendungen aus.