Digitale Lieferketten

Neue Cloudplattform vernetzt Volkswagens Zulieferernetzwerk

Volkswagen und RIO führen die Cloudplattform WebSCM europaweit ein. Sie soll Tausende Zulieferer, Speditionen und Werke auf einer gemeinsamen Datenbasis vernetzen und jährlich rund vier Millionen Transportaufträge teilautomatisiert abwickeln.

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Mehrere Bentley-Fahrzeuge stehen in einer Reihe vor einem großen Autotransportschiff der Reederei Wallenius Marine, das an einem Hafen liegt.
Für den Automobilhersteller ist die gemeinsame Dateninfrastruktur damit ein weiterer Schritt zur Vernetzung seiner europäischen Beschaffungslogistik.

Der Volkswagen-Konzern und das Münchner Softwareunternehmen RIO haben mit dem europaweiten Roll-out der Logistikplattform WebSCM begonnen. Die cloudbasierte Lösung soll künftig bis zu 7.000 Lieferanten, rund 370 Transportdienstleister und die Werke der verschiedenen Konzernmarken miteinander vernetzen. Nach Angaben der Unternehmen lassen sich damit jährlich etwa vier Millionen Transportaufträge teilautomatisiert abwickeln. Die Einführung erfolgt schrittweise über das europäische Lieferantennetzwerk der Volkswagen Konzernlogistik und soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Mehrere Tausend Zulieferer seien bereits an das System angebunden. Seit Mitte August nutzen zudem erste Volkswagen-Werke die neuen digitalen Prozesse für den Leergutversand.

Gemeinsame Plattform für Material- und Transportprozesse

WebSCM soll die Inbound-Logistik des Automobilkonzerns von der Materialanforderung bis zur Frachtabrechnung digital abbilden. Dafür führt die Plattform Informationen zu Materialflüssen, Transportaufträgen und Versandereignissen in einer zentralen Cloudumgebung zusammen. Auch Statusmeldungen entlang der Transportkette werden dort erfasst und den beteiligten Unternehmen bereitgestellt.

Künftig sollen Materialtransporte und Leergutbewegungen zwischen Lieferanten und Produktionsstandorten über dieselbe Lösung gesteuert werden. Durch die gemeinsame Datenbasis will der Fahrzeughersteller die Abstimmung zwischen Zulieferern, Logistikdienstleistern und Werken verbessern. Gleichzeitig sollen sich Abweichungen im Transportablauf früher erkennen und operative Entscheidungen auf aktuelle Informationen stützen lassen.

Digitaler Zwilling soll Transparenz erhöhen

Ein wesentlicher Bestandteil des Systems ist die Verknüpfung von Material- und Transportdaten. Daraus soll ein digitaler Zwilling der europäischen Inbound-Lieferkette entstehen, der die operativen Abläufe möglichst vollständig abbildet. Nach Angaben von RIO schafft diese Datengrundlage die Voraussetzungen für eine bessere Planung und Steuerung logistischer Prozesse. Die beteiligten Unternehmen sollen damit auf konsistente Informationen zugreifen können, anstatt unterschiedliche Datenstände abgleichen zu müssen. Bei der Entwicklung der Lösung haben der Softwareanbieter und die Volkswagen Konzernlogistik verschiedene Nutzergruppen eingebunden. Dazu gehörten Lieferanten, Speditionen sowie Beschäftigte aus Materialplanung, Disposition und den Produktionswerken. Die Plattform verfügt über automatisierte Versandvorschläge und flexible Schnittstellen, um bestehende Prozesse und Systeme anzubinden.

Neben der Digitalisierung bestehender Abläufe verfolgen die Projektpartner das Ziel, die Plattform für zukünftige Anwendungen künstlicher Intelligenz nutzbar zu machen. Die skalierbare Cloudarchitektur soll dafür eine einheitliche und verlässliche Datenbasis bereitstellen. Perspektivisch könnten darauf agentische KI-Systeme aufsetzen, die logistische Entscheidungen automatisiert vorbereiten oder bestimmte Aufgaben eigenständig übernehmen. Konkrete Anwendungen oder einen Zeitplan für deren Einführung nennen die Unternehmen bislang nicht.

„Autonome Supply Chains beginnen nicht mit künstlicher Intelligenz, sondern mit vertrauenswürdigen Daten. Mit WebSCM schaffen wir eine gemeinsame operative Realität für tausende Lieferanten, hunderte Transportdienstleister und die Werke der Volkswagen Group“, erklärt Fabian Maier, Head of Product Management bei RIO. „Auf dieser Grundlage entsteht ein digitaler Zwilling der europäischen Inbound Supply Chain – und damit die Basis für intelligentere Entscheidungen, resilientere Prozesse und die nächste Generation KI-gestützter Logistik.“

Partnerschaft soll Logistik stärker automatisieren

Mit der europaweiten Einführung von WebSCM bauen RIO und die Volkswagen Konzernlogistik ihre bestehende Zusammenarbeit aus. Während zunächst die Vereinheitlichung und Digitalisierung von Transportprozessen im Mittelpunkt stehen, soll die Plattform langfristig eine stärker automatisierte Steuerung der Lieferkette ermöglichen.

Für den Automobilhersteller ist die gemeinsame Dateninfrastruktur damit ein weiterer Schritt zur Vernetzung seiner europäischen Beschaffungslogistik. Ob und in welchem Umfang sich die angestrebten Verbesserungen bei Transparenz, Prozessqualität und Automatisierung erreichen lassen, dürfte sich im weiteren Betrieb nach Abschluss des Roll-outs zeigen.