Urbanes Testfeld

Nissan erprobt autonome Mobilitätsdienste in Cambridge

Nissan startet in Cambridge das Forschungsprojekt ADventure. Gemeinsam mit Partnern untersucht der Hersteller, wie autonome Fahrdienste sicher in den Stadtverkehr integriert werden können und welche Anforderungen Nutzer und Kommunen künftig stellen.

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Illustration eines blauen Nissan Leaf mit Sensoraufbau für autonomes Fahren am Ufer in Cambridge. Im Hintergrund sind Radfahrer, Fußgänger, Boote und eine historische Brücke zu sehen.
Nissan nutzt im Projekt ADventure einen speziell ausgerüsteten Leaf, um den Einsatz autonomer Fahrtechnologien in Cambridge unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen.

Nissan hat in Großbritannien ein neues Forschungsprojekt zum autonomen Fahren gestartet. Unter dem Namen ADventure untersucht der japanische Automobilhersteller in Cambridge, wie sich autonome Personentransportdienste unter realen Bedingungen in bestehende Verkehrsstrukturen integrieren lassen. Neben technischen Fragen stehen dabei die Bedürfnisse von Fahrgästen sowie die Akzeptanz solcher Angebote im Mittelpunkt. Geleitet wird das Vorhaben vom Nissan Technical Centre Europe in Cranfield. An dem Projekt beteiligt sind außerdem die Warwick Manufacturing Group der University of Warwick und die Initiative Pave UK. Die britische Regierung unterstützt ADventure mit drei Millionen Pfund. Die Finanzierung erfolgt über das Advanced Propulsion Centre UK in Zusammenarbeit mit Innovate UK und weiteren Beteiligten.

Cambridge dient als reales Testumfeld

Als Testgebiet hat der Konzern Cambridge ausgewählt. Dort sollen Erkenntnisse darüber gesammelt werden, wie ein autonomer Mobilitätsdienst im öffentlichen Raum funktionieren könnte. Nach Angaben von Nissan fiel die Wahl unter anderem aufgrund der vorhandenen Forschungslandschaft und der bisherigen Erfahrungen der Stadt mit automatisierten Verkehrssystemen. Das Projekt bindet lokale Behörden, Pendler und Anwohner ein. Dabei soll untersucht werden, welche Mobilitätsbedürfnisse vor Ort bestehen und wie autonome Angebote bestehende Verkehrsnetze ergänzen könnten. Ein mögliches Einsatzgebiet sieht der Hersteller beispielsweise bei Personen, die selbst kein Auto fahren und für bestimmte Wege auf zusätzliche Mobilitätsangebote angewiesen sind.

Für die praktischen Versuche nutzt Nissan einen bereits vorhandenen Leaf des Modelljahres 2022. Das Fahrzeug ist mit der vom Unternehmen entwickelten Technik für automatisierte Fahrfunktionen ausgestattet und wurde bereits in früheren Forschungsprojekten eingesetzt. Während der Versuchsfahrten befindet sich laut Nissan ein Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Mit dem Versuchsfahrzeug wollen die Projektpartner Daten aus dem realen Straßenverkehr gewinnen. Im Fokus steht unter anderem die Frage, wie ein automatisiertes Fahrsystem mit den Anforderungen eines städtischen Umfelds umgehen kann. Parallel dazu sollen Rückmeldungen aus der Bevölkerung in die Entwicklung möglicher Mobilitätsdienste einfließen.

Nutzerakzeptanz wird Teil der Entwicklung

Das Forschungsprogramm konzentriert sich auf mehrere miteinander verbundene Bereiche. Einer davon betrifft die Einbindung autonomer Angebote in bestehende Verkehrsnetze. Hinzu kommen Fragen zur Nutzererfahrung und zur Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehr. Nach Angaben des Automobilherstellers soll insbesondere untersucht werden, welche Voraussetzungen Fahrgäste benötigen, um sich bei der Nutzung automatisierter Mobilitätsangebote ausreichend informiert und sicher zu fühlen. Die Warwick Manufacturing Group bringt dazu unter anderem ihre Forschung zu Sicherheit und Benutzererfahrung ein.

Damit geht das Projekt über die reine Erprobung der Fahrzeugtechnik hinaus. Es betrachtet auch Prozesse und Anforderungen, die bei einem späteren Betrieb eines solchen Dienstes relevant werden könnten. Dazu zählen die Einbindung lokaler Verkehrsstrukturen und die Abstimmung mit den Bedürfnissen potenzieller Nutzer.

Der Hersteller greift bei ADventure auf Erfahrungen aus früheren britischen Projekten zurück. Dazu gehören HumanDrive, ServCity und evolvAD. In diesen Vorhaben untersuchte Nissan bereits verschiedene Einsatzszenarien für automatisiertes Fahren und sammelte Erkenntnisse über das Verhalten entsprechender Systeme in unterschiedlichen Verkehrssituationen. Mit dem neuen Projekt verlagert das Unternehmen den Schwerpunkt stärker auf die Verbindung zwischen Fahrzeugtechnik und einem möglichen Mobilitätsdienst.

Nissan baut auf früheren Forschungsprojekten auf

„Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt für die autonome Mobilität in Großbritannien“, kommentiert David Moss, Senior Vice President für Forschung und Entwicklung der Nissan AMIEO-Region (Afrika, Naher Osten, Indien, Europa und Ozeanien). „Mit der Unterstützung der britischen Regierung erweitern wir die Forschung im Bereich autonomer Fahrzeuge über das Zentrum Londons hinaus auf eine weitere Stadt. Dadurch gewinnen wir Erkenntnisse darüber, wie diese Dienste für verschiedene Bevölkerungsgruppen und im realen Alltag funktionieren können. Wir nutzen unsere Erfahrungen und kombinieren sie mit dem umfassenden Wissen unserer Partnerunternehmen, um noch tiefer zu ergründen, wie selbstfahrende Fahrzeuge die Vernetzung, die Zugänglichkeit und die Lebensqualität im Alltag verbessern können.“

Zum Abschluss des Forschungsprojekts ist in Cambridge eine Demonstrationsfahrt im öffentlichen Straßenverkehr vorgesehen. Damit wollen die Beteiligten zeigen, wie ein autonomer Mobilitätsdienst praktisch eingesetzt werden könnte. Nissan stellt dabei eine spätere Übertragbarkeit auf weitere britische Städte und Gemeinden in Aussicht.