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| von Werner Beutnagel

Auf der einen Seite steht Open Source, auf der anderen Closed Source. Die Konzepte bei der Entwicklung der Software könnten nicht unterschiedlicher sein. Die IT-Experten innerhalb der Linux-Community diskutieren, analysieren und verbessern ständig die rund 22 Millionen Zeilen Code des Betriebssystems. Dagegen sind die Programmierungen innerhalb einer Closed Software den meisten Software-Ingenieuren eines Herstellers unbekannt. Microsoft oder auch Apple sind auf die Stresstests ihrer Software mit Hilfe von Hackern oder automatisierten Programmen angewiesen. Finden die eine Schwachstelle, müssen die Verantwortlichen deren Programmierung im ursprünglichen Code finden, analysieren und flicken und schließlich die so genannten Patch-Dateien an Millionen Computer verschicken. Bei seinen Anhängern gilt Linux als das „freundlichere“ Betriebssystem. Bis heute profitiert es von seinem Ruf – der erst 21-jährige Linus Torvalds hat es entwickelt, sein Wissen mit Millionen anderer Menschen geteilt und auf diese Weise die Welt verändert.

Doch neben der freundlichen Seite von Linux weisen Experten auf die „dunkle Seite der Macht“ hin: Open-Source-Programme sind nur so weit öffentlich, wie die Interessen der Konzerne es zulassen. Die Unternehmen haben in ihre eigenen Linux-Systeme – wie beispielsweise Google in Android – Funktionen eingebaut, die sie in der eigentlich offenen Software verstecken. So steht Linux nicht nur für ein freundliches, politisch korrektes Betriebssystem, das allen Menschen offensteht. Linux steht auch für den Turbokapitalismus seiner größten Anwender und Hersteller – es steht für Amazons weltweites Online-Warenhaus-Imperium. Es steht für die Aufgabe der Android-Geräte, Daten der Menschen rund um den Globus zu sammeln, um mit diesen Informationen zu handeln. Linux und Hadoop sind Systeme, auf die Facebook seine Sammelwut gründet und die damit verbundenen Big-Data-Analysen von hundert Millionen Kunden. Keine Frage: Mit Hilfe von Linux hat sich die PR- und Werbeindustrie in den wichtigsten Betriebssystemen – also in der DNA – des Internets festgesetzt. Wer seine persönlichen Daten schützen möchte, darf die Angebote dieser Hersteller nicht nutzen. Denn viele Linux-Unternehmen bieten zwar für ihr eigenes Unternehmen eine sichere und geschützte Umgebung – sammeln aber wie „Datenkraken“ ausgiebig die Informationen von Anwendern und Kunden.

Autor: Christian Raum