Frank Loydl, CIO der Audi AG, und Henrik Ljungström, Automotive-Chef von Capgemini Deutschland, freuen sich über das neu gegründete Joint Venture XL2.

Versprechen sich viele Vorteile von ihrer Partnerschaft: Audi-CIO Frank Loydl (rechts) und Henrik Ljungström von Capgemini Deutschland. Bild: XL2

| von Ralf Bretting

Was hat Audi und Capgemini dazu bewogen, das Joint Venture XL2 zu gründen?

Loydl: Themen wie SAP S/4HANA und Cloud Services zählen zu den strategisch wichtigen Domänen der Audi-IT. Es macht keinen Sinn, solche Leistungen immer wieder auszuschreiben und viel Zeit darauf zu verwenden, die Angebote zu vergleichen und zu bewerten. Mit einem festen Partner wie Capgemini an unserer Seite können wir das Ziel, unsere Kerneigenleistung zu stärken,  um ein Vielfaches schneller erreichen. Eine tiefe, langfristige Partnerschaft, in der wir uns fachlich gemeinsam weiterentwickeln, macht für beide Seiten Sinn. 

Ljungström: Audi und Capgemini verbindet bereits eine in vielen Jahren gewachsene Zusammenarbeit. In allen Projekten haben wir stets offen und partnerschaftlich an einem Strang gezogen. Dabei haben wir ein ähnliches Mindset entwickelt und wollen nun mit unserer flexiblen und skalierbaren Arbeitsweise die digitale Transformation bei Audi und im gesamten Volkswagen-Konzern unterstützen.
 

Warum ist dafür eine rechtlich unabhängige Einheit mit eigenen Geschäftsführern notwendig?

Loydl: Wir gehen bewusst einen Schritt weiter. XL2 verbindet eine agile Startup-Kultur mit der Stärke zweier internationaler Marken. Das Joint Venture agiert eigenständig, hält aber Verbindung zum Mutterschiff. Wir wollen eine leistungsstarke Belegschaft mit Top-Leuten aufbauen und gemeinsam in den nächsten fünf Jahren das Projektgeschäft Schritt für Schritt ausweiten. XL2 soll wirtschaftlich eigenständig sein und Geld verdienen.

Die sogenannte „Hochzeit“ ist der Höhepunkt der A6/A7-Produktion am Standort Neckarsulm. Antriebsstrang und Karosserie verschmelzen zum Automobil.
Das neue Joint Venture XL2 wird die Digitalisierung der Produktion im Audi-Werk Neckarsulm unterstützen. Bild: Audi

Hätte man nicht einfach weiterhin projektbezogen zusammenarbeiten können?

Ljungström: Der Clou liegt in der festen Verbindung, die XL2 zwischen Audi und Capgemini dauerhaft schafft. Die Partnerstruktur gibt uns die Kompetenz und die Stärke, zusammen mit dem Business die richtigen Themen zu spielen und im Schulterschluss zum Erfolg zu führen.

Die Firma ist gegründet, die Startmannschaft an Bord. Wann und womit legt XL2 los?

Loydl: Die Themen-Pipeline ist satt gefüllt. Nach einer zweiten Priorisierungsrunde werden wir im Juni mit der Stammdatenverwaltung in SAP starten, gefolgt von der Datenvernetzung in der Logistik.

Audi hat seine Zentrale in Ingolstadt, Hauptsitz von Capgemini Deutschland ist Berlin. Warum hat man XL2 in Heilbronn angesiedelt?

Loydl: Heilbronn ist ideal. Wir agieren dort in Sichtweite zum Audi-Standort Neckarsulm, unserem Pilotwerk für die Smart Factory. Audi, insbesondere das Werk Neckarsulm, und XL2, arbeiten gemeinsam mit am Aufbau der konzernweiten Digitalisierungsplattform und bei der Vernetzung bestehender und neuer Fertigungsprozesse. Diese Zukunftsprojekte werden gemeinsam mit der Audi Produktion umgesetzt. XL2 soll eine durchgängig digitale Entwicklung ermöglichen, die alle zentralen Prozesse abdeckt – Produktionsplanung, Logistik, Instandhaltung, Qualitätssicherung und Materialmanagement.
Ljungström: Nicht zu vergessen die räumliche Nähe zum Bildungscampus Heilbronn und zu SAP in Walldorf. Ein Schwerpunkt von XL2 sind SAP-Projekte für die Produktion, die Stammdatenverwaltung und die Entwicklung im Kontext cloud-basierter Anwendungen. Über das Bildungsprogramm von SAP wollen wir qualifizierte Berater und Software-Architekten gewinnen.

XL2 ist das erste Joint Venture, an dem sich die Audi-IT beteiligt. Ist es im Zuge der Transformationsinitiative Next:IT denkbar, dass weitere folgen?

Loydl: Ja, das ist denkbar.

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