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| von Yannick Polchow

Stamm: Der Begriff Schatten-IT reicht zurück bis in die 1980er Jahre. Für mich ist er in der Sache gleichbedeutend mit einem unkontrollierten IT-Wildwuchs. Im Kern sehen wir drei Probleme: Erstens gilt die Unternehmens-IT als träge, zweitens mangelt es ihr mitunter an fachlicher Kompetenz, um die Lösungen umzusetzen, die die Fachbereiche fordern, und drittens ist die interne IT teuer und komplex. Dazu kommt, dass es für Anwender leicht geworden ist, sich aus der Public Cloud heraus selbst mit Lösungen zu versorgen, ohne erst einen großen Anforderungskatalog ausfüllen zu müssen. Bestellen und sofort einsetzen lautet heute die Devise.

Scheidhammer: Informationstechnik prägt in unserem Unternehmen das Arbeiten im Management wie in der Fertigung. Dieser hohe Durchdringungsgrad begünstigt auf der einen Seite das Thema Schatten-IT und verleiht ihm enormes Tempo. Auf der anderen Seite verfügen wir heute über Administrationswerkzeuge, mit denen wir in manche dunkle Stelle hineinleuchten und für Transparenz sorgen können. Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass die Schatten-IT nie wirklich raus war aus den Unternehmen. Wegschauen aber hilft nicht. Es darf nicht zu einer Zerreißprobe kommen zwischen zentraler IT und Schatten-IT in den Fachbereichen – das täte keinem Unternehmen gut.

automotiveIT: Ist die Schatten-IT so, wie Ihre Organisationen gern wären: agil, günstig, flexibel?

Stamm: Für manche Bereiche trifft das definitiv zu. Geschwindigkeit und Agilität in der Umsetzung sind nie verkehrt, vor allem, wenn die Lösungen am Ende des Tages den Geschäftsnutzen steigern. Aber es gibt auch Aspekte, die wir ablehnen müssen. Wir können uns keine unbedachten Schnellschüsse erlauben, wir dürfen Sicherheit und Integrationsfähigkeit nicht komplett außer Acht lassen.

automotiveIT: Jeder CIO hat die Schatten-IT, die er verdient. Wie sieht es in Ihren Unternehmen aus?

Scheidhammer: Ich stehe zu dieser Aussage. Am Ende entscheidet jeder CIO selbst, wie er seine Kommunikationsprozesse gestaltet und ob er Kundennähe lebt. Wenn er sich zurückzieht und nur hinter den Kulissen agiert, darf er sich nicht wundern, wenn die IT-Pilze um ihn herum wild aus dem Boden schießen. Bei SMP haben wir in den letzten Wochen und Monaten intensiv daran gearbeitet, Transparenz zu schaffen und zu verstehen, an welchen Stellen im Unternehmen aktuell Schatten-IT existiert und warum. Wir wollten erkennen, welche Defizite auf Seiten der IT dazu geführt haben, dass sich einige Aktivitäten verselbstständigt haben – oder sich vielleicht sogar verselbstständigen mussten. In einem globalen Zulieferunternehmen wie SMP stoßen Sie da sehr schnell auf unterschiedliche Gründe. Einer davon sind die kulturellen Unterschiede an Standorten wie Indien, Deutschland und Mexiko, um mal drei sehr gegensätzliche Beispiele herauszugreifen. In diesen Ländern wird Schatten-IT höchst unterschiedlich verstanden und gelebt. Dazu gesellen sich unterschiedliche Unternehmenstraditionen, mal mit eher dezentralen Organisationsformen, mal mit zentralen Verantwortlichkeiten. Die Ergebnisse der Evaluation wollen wir in unsere Strategie-Roadmap einfließen lassen. Ziel ist es, die Agilität in unserer IT-Organisation zu stärken und nah an die Fachbereiche heranzurücken.

automotiveIT: Das ist natürlich leicht gesagt, aber offensichtlich nur schwer getan …

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Das Interview führten: Ralf Bretting und Hilmar Dunker
Bild: Claus Dick