Helmut Peters & Michael Klöwer (Kostal) im Interview
| von Werner Beutnagel

Peters: Nicht bei Kostal. Bei uns haben in der Vergangenheit schon viele Mitarbeiter die Chance genutzt, Berufserfahrung auf beiden Seiten zu sammeln – sowohl im Fachbereich als auch in der IT. Es gibt hier keine Einschränkungen, die einen solchen Wechsel der Perspektive verhindern würden. Im Gegenteil: Wir fördern den Austausch aktiv und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Klöwer: Es kommt auf die richtige Balance an. Auf der einen Seite lassen sich beispielsweise In-Memory-Datenbanken oder mobile Anwendungen ohne fundiertes IT-Wissen nicht richtig betreiben. Auf der anderen Seite müssen wir darauf achten, den Anwendern genau die Funktionalität zur Verfügung zu stellen, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Der Blick über den Tellerrand des Rechenzentrums hinaus hat bei Kostal durchaus strategische Bedeutung.

Peters: Die Informationstechnologie im Unternehmen hat sich in den letzten 20 Jahren mit rasantem Tempo verändert. Wir sind weg von den Operatern, Datenerfassern und Programmierern Anfang der neunziger Jahre und sprechen heute vor allem darüber, wie Anwendungen die Geschäftsabläufe unserer Fachbereiche unterstützen können. Um eine solide Beratungsleistung liefern zu können, ist neben reinem IT-Knowhow auch viel Ingenieurwissen wichtig. Deshalb haben gut die Hälfte aller Mitarbeiter, die heute in der IT von Kostal tätig sind, ihre Berufsausbildung in einem Fachbereich absolviert.

Wie groß ist denn das Team, mit dem Sie hier in Lüdenscheid arbeiten?

Klöwer: Aktuell hat die IT in der Firmenzentrale 56 Mitarbeiter, fast die gleiche Zahl kommt dann noch einmal an unseren Auslandsstandorten dazu. Unser Ziel ist es, alle Lokationen mit einem kompetenten First- und Second-Level-Support zu versorgen. Änderungen und Erweiterungen in den Zentralsys-temen leisten wir grundsätzlich aus Deutschland heraus. Das ist wichtig, um beispielsweise SAP und unser zentrales Product Lifecycle Management schnell an künftige Geschäftsanforderungen ausrichten zu können. Die Nähe zur Geschäftsleitung und die aktive Einbindung in die strategische Planung wirken sich natürlich positiv aus. Wir orientieren uns in der IT nicht an schnelllebigen Trends, sondern haben stets den langfristigen Unternehmenserfolg von Kostal im Blick.

Das klingt nach zentralen Vorgaben und Standards?

Klöwer: Genau. Wir achten zum Beispiel darauf, dass an allen Standorten eine einheitliche Netzinfrastruktur zur Verfügung steht, sowohl für die Übertragung von Daten als auch von Sprache. Im Moment planen wir gerade den unternehmensweiten Umstieg auf Voice over IP. Durch die Zusammenschaltung von Telefonanlagen, gerade im stark wachsenden asiatischen Raum, versprechen wir uns erhebliche Kostenvorteile.

Peters: Standardisierung ist nicht nur für die IT von Kostal ein großes Thema, sondern auch in den Bereichen Entwicklung und Fertigung, zum Beispiel bei der Gestaltung von Montagen, bei der Maschinen- und Automatisierungstechnik oder bei Arbeitsprozessen. Alle Standorte können sich in einem umfangreichen Standardbaukasten bedienen und damit eine hohe Prozentzahl ihrer Anforderungen abdecken. Diese Toolbox wird permanent ergänzt, sie lebt sozusagen und wird ständig weiterentwickelt. Dabei spielt die IT eine Taktgeberrolle: Zentrale Systeme sind die Grundlage für einheitliche Prozesse.

Klöwer: Das ist ein ganz wichtiger Punkt – die gesetzten Richtlinien lassen Modifikationen zu. Unsere Geschäftsbereiche nutzen in den Zentralsystemen durchaus unterschiedliche Templates. Die Automobilelektrik etwa arbeitet mit anderen Rahmenbedingungen als die Industrieelektrik – darauf muss die IT Rücksicht nehmen.

Peters: Außerdem haben wir beobachtet, dass die einzelnen Unternehmensbereiche prozess- und IT-technisch durchaus voneinander profitieren. Denken Sie nur an die Entwicklung neuer internationaler Märkte – da sind Sie dankbar, wenn Sie auf eine bereits funktionierende Infrastruktur und auf erprobte Abläufe zurückgreifen können. Genau das macht für mich den Charme eines harmonisierten Vorgehens zwischen Fachbereich und IT auf Gruppenebene aus.

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Das Gespräch führten Ralf Bretting und Hilmar Dunker