Vorabendveranstaltung der Volkswagen AG zum Genfer Automobilsalon 2016

CDOs wie Johann Jungwirth wollen die Welt verändern – oder zumindest ihr Unternehmen. Bild: Volkswagen

| von Yannick Polchow

Treiber und Verantwortlicher der digitalen Transformation ist in vielen Unternehmen der Chief Digital Officer (CDO). Dabei gibt es branchen- oder firmenübergreifend keine einheitliche Jobbeschreibung, keine klare Definition, welche Kompetenzen oder Verantwortlichkeiten mit dieser neue Funktion verbunden sind. Die Unternehmensberatung Kienbaum hat sich dieser Fragestellung angenommen und Digital- und IT-Chefs aus verschiedenen Branchen zu ihren Erfahrungen befragt.

Im Blick auf die Motivation sehen sich viele CDOs in bester Elon-Musk-Manier als Weltverbesserer: „Ich möchte neue Dinge aufbauen, etwas bewegen“, sagt etwa Volkswagen-CDO Johann Jungwirth, und ergänzt: „In einer alten Industrie eine neue S-Kurve zu etablieren, das ist eine Lebensaufgabe.“ Und Tüv-Süd-CDO Dirk Schlesinger sagt: „Es ist mir wichtig in meiner Rolle als CDO etwas zu machen, was im digitalen Zeitalter Bestand hat.“

Um diese hehren Ziele zu erreichen, braucht der CDO laut Kienbaum-Studie drei wesentliche Kompetenzen: Innovationskraft, Fähigkeit zur Kollaboration und den Willen zu Veränderung. Weniger wichtig seien hingegen Fähigkeiten wie Kundenzentrierung, Entrepreneurship und das Beherrschen agiler Methoden, so weitere Ergebnisse der Kienbaum-Studie.

Mit diesen Fähigkeiten ausgestattet sollten sich die Change Manager vor allem auf das Trendscouting, das Formulieren einer Digitalstrategie und die Digitalisierung interner Prozesse konzentrieren. Organisatorisch seien die Entscheider, die in der Regel ein technisches Studium absolviert haben, dafür auf der Geschäftsführungsebene angesiedelt und berichten zumeist direkt an den CEO, hat Kienbaum festgestellt. Fast 80 Prozent der Unternehmen verorten das Digitalthema in einer organisatorischen Einheit innerhalb der Kernorganisation.

Dort tummeln sich bislang allerdings wenig Frauen: Nur gut jeder zehnte Mitarbeiter ist weiblich. Trotzdem  scheinen die meisten Firmen zu wenig zu tun, um das zu ändern: Mehr als die Hälfte der Befragten für die Kienbaum-Studie sei der Meinung, dass ihr Unternehmen nicht genug tue, um Frauen in der Berufsgruppe Digital zu fördern. 

Als besonders förderungswürdig betrachten die befragten Digital-Chefs hingegen die Kooperationen mit Startups; Rund drei Viertel arbeiten mit Jungunternehmen zusammen, sind finanziell an ihnen beteiligt oder entwickeln sogar neue Produkte und Dienstleistungen mit diesen. „Ich stehe Kooperationen mit Start2ups sehr positiv gegenüber: Ich bin sehr offen durch Start-ups diesen anderen Habitus kennenzulernen – dieses schnelle, unkonventionelle Lernen. Sie bilden einen geschützten Raum außerhalb der eigenen Prozesse und Strukturen“, sagt Yvonne Balzer von Kienbaum.

Klar ist: Die Halbwertszeit von CDOs ist logischerweise begrenzt. „Der CDO ist eine Transitionsrolle“, sagt Dirk Schlesinger, CDO bei TÜV Süd. Denn machen die Digital-Chefs gut, werden sie nicht etwa mit zusätzlichem Budget oder Mitarbeitern belohnt. Sie machen sich laut Studie bei erfolgreicher Arbeit bis spätestens 2025 selbst überflüssig.