Ein Containerschrift im Hamburger Hafen befördert Fracht.

Durch die Globalisierung der Lieferketten hat sich die Zahl disruptiver Faktoren erhöht. Digitale Vorreiter können diesen Herausforderungen besser begegnen.

| von Fabian Pertschy

Während der aktuellen Corona-Pandemie sind etliche Unternehmen von unerwarteten Bedarfsspitzen, einer signifikanten Reduktion der Nachfrage oder Lieferengpässen betroffen. Abseits davon stellen auch extreme Wetterbedingungen sowie anderweitige Versorgungsengpässe die Lieferketten immer wieder auf die Probe. In einer globalen Studie der Beratungsgesellschaft PwC wird ersichtlich, dass Digital Champions sich weitaus besser an solche Gegebenheiten anpassen können, da sie in ihre Supply-Chain-Kompetenz investiert haben und dadurch flexibler und agiler agieren können.

Unter den 1.600 befragten Unternehmen aus sieben Branchen sowie 33 Ländern zeigen sich maßgebliche Unterschiede zum Status quo und zur Zukunft des Supply Chain Managements: Die Digital Champions berichten, dass einer der wesentlichen Vorteile im wirksameren Risikomanagement liegt. Zudem konnten sie die Supply-Chain-Kosten im letzten Jahr um 6,8 Prozent senken und den Umsatz um 7,7 Prozent steigern.

Digital Champions nutzen externe Daten

Bei der Organisation der Lieferketten setzt die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in einzelnen Bereichen bereits auf KI und Data Analytics. 70 Prozent der Befragten nutzen KI zumindest in einem Bereich, etwa zur Transparenzsteigerung entlang der Lieferkette, zur Cost-to-Serve-Optimierung, Supply-Chain-Segmentierung oder für die integrierte Planung.

Die Digital Champions haben bei der Nutzung interner und externer Daten zur Steuerung der Lieferkette laut den Studienautoren bereits einen Vorteil. „Sie greifen mehr und mehr auch auf unstrukturierte externe Daten zurück, etwa aus IoT- und Social-Media-Anwendungen sowie auf externe Kundendaten“, erklärt Reinhard Geissbauer, Partner und globaler Leiter für Digital Operations bei PwC.

Smart Logistics spart die Hälfte der Kosten ein

Besonders das Thema Smart Logistics genießt bei den digitalen Vorreitern (59 Prozent) eine hohe oder sogar die höchste Priorität. „Das wundert mich nicht“, kommentiert Geissbauer. „Schließlich gehen 50 Prozent der Einsparungen der Supply Chain Kosten auf das Konto von Smart Logistics.“ Auch wird ein Vorsprung deutlich: Branchen- und länderübergreifend stufte nicht einmal jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) das Thema als derart wichtig ein.

Insbesondere Unternehmen mit weniger als fünf Milliarden US-Dollar Umsatz hinken hinterher. „Kleinere Unternehmen scheuen oftmals die hohen Investitionskosten“, sagt Stefan Schrauf, Partner und Leiter Operations und Supply Chain Europa bei PwC. „Diese Sorge ist allerdings in vielen Fällen unbegründet, denn die Investitionen in Supply-Chain-Exzellenz haben sich oft schon nach kurzer Zeit amortisiert.“

Lieferketten in Echtzeit verfolgen

Ein weiterer Vorteil transparenter Lieferketten sind Produkt-, Finanz- und Logistikinformationen in nahezu Echtzeit. Durch ein digitales Abbild der Lieferkette und das Hinzuziehen von KI können Abweichungen, Risiken oder Optimierungspotenziale frühzeitig erkannt und automatisiert werden.

„Mehr Transparenz trägt auch dazu bei, die eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen“, erläutert Studienleiterin Judith Schneider, Senior Manager bei PwC. So kann etwa die Herkunft von Rohstoffen, Materialien und Produkte ermittelt werden – ein Beispiel ist etwa das jüngste Vorhaben von BMW. Zugleich erhöht sich durch die Rückverfolgbarkeit die Qualität, da die Unternehmen nachvollziehen können, wann Schäden an Produkten oder Waren aufgetreten sind. „Und auch hier punkten die digitalen Champions in besonderer Weise“, ergänzt Schneider.