Ford Pro AI wertet Fahrzeugdaten für Fuhrparks aus
Ford Pro ergänzt seine Telematikplattform um einen KI-Assistenten. Das System soll Fahrzeugdaten auswerten, Fragen in natürlicher Sprache beantworten und Flottenverantwortliche bei Analysen, Berichten und operativen Entscheidungen unterstützen können
Ford Pro AI soll Flottenverantwortlichen einen dialogbasierten Zugriff auf Fahrzeug- und Betriebsdaten ermöglichen. Fragen können in natürlicher Sprache gestellt werden.
Ford
Ford führt mit „Ford Pro AI" einen auf generativer künstlicher Intelligenz basierenden Assistenten für das Flottenmanagement ein. Die Anwendung wird in die bestehende Telematiksoftware des Unternehmens integriert und soll dort große Mengen an Fahrzeugdaten auswerten. Nutzer können ihre Fragen in natürlicher Sprache formulieren. Das System soll anschließend Informationen aus den angebundenen Fahrzeugen zusammenführen und daraus konkrete Hinweise ableiten. Berücksichtigt werden unter anderem Daten zur Geschwindigkeit, zur Nutzung von Sicherheitsgurten und zum technischen Zustand der Motoren.
Der Automobilhersteller richtet die Lösung insbesondere an Verantwortliche, die umfangreiche oder gemischte Fuhrparks verwalten. „Flottenmanager müssen viele verschiedene Aufgaben bewältigen – von Personalwesen und Disposition bis hin zu Wartung, Budgetierung und Kundenservice. Dieser Mix aus Problemlösung und Verwaltungsaufgaben nimmt oft einen großen Teil ihres Arbeitstags in Anspruch", beschreibt Jeremy Gould, Direktor Ford Pro Solutions Europa, die zu lösende Herausforderung.
Nach Angaben des Konzerns soll die Anwendung auch Daten von Fahrzeugen anderer Marken verarbeiten können. Voraussetzung sei, dass diese über ein geeignetes Modem verfügen und Informationen an die Telematikplattform übertragen können.
Antworten auf operative Fragen
Ford Pro AI soll Flottendaten nicht lediglich darstellen, sondern in einen betrieblichen Zusammenhang einordnen. Anwender können den Assistenten beispielsweise nach Möglichkeiten zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs fragen oder Informationen zu einzelnen Fahrzeugen abrufen. Darüber hinaus kann die Software laut Ford Zusammenfassungen erstellen und Ergebnisse für interne Berichte oder E-Mails aufbereiten. Damit will der US-Konzern vor allem wiederkehrende Auswertungsaufgaben vereinfachen. Entscheidungen und daraus folgende Maßnahmen verbleiben jedoch bei den zuständigen Mitarbeitern.
Die Anwendung arbeitet zunächst in einem Lesemodus. Sie kann vorhandene Informationen analysieren und Empfehlungen formulieren, führt aber keine eigenständigen Änderungen an Fahrzeugen oder betrieblichen Prozessen aus. Ford betont deshalb, dass weiterhin eine menschliche Prüfung erforderlich sei.
Mehrere KI-Komponenten sollen Fehler begrenzen
Die technische Architektur basiert den Angaben zufolge auf mehreren spezialisierten KI-Komponenten. Diese greifen auf strukturierte Daten der jeweiligen Flotte zurück. Ford verspricht sich davon präzisere Ergebnisse und ein geringeres Risiko sachlich falscher Antworten. Welche Sprachmodelle im Hintergrund eingesetzt werden, konkretisiert der britische Konzern nicht. Die Plattform sei grundsätzlich unabhängig von einem einzelnen Modell aufgebaut. Als technische Infrastruktur komme Google Cloud zum Einsatz.
Ein wesentlicher Faktor für die Qualität der Antworten dürfte die Datengrundlage sein. Nach Darstellung des Herstellers nutzt die Anwendung Informationen in Herstellerqualität. Sie soll dadurch stärker auf konkrete Fahrzeugzustände und Flottenprozesse eingehen können als allgemein ausgerichtete KI-Chatbots.
Bestandteil des bestehenden Telematikangebots
Ford Pro AI soll ohne zusätzlichen Aufpreis in das bestehende Telematikabonnement aufgenommen werden. Das Angebot richtet sich zunächst an Flottenmanager, die bereits die Software von Ford Pro nutzen. Eine Integration in mobile Anwendungen für Fahrer oder direkt in die Fahrzeuge ist vorerst nicht vorgesehen.
Ford Pro verfügt nach Angaben des Unternehmens über mehr als 840.000 zahlende Telematikkunden. Mit der neuen Funktion erweitert der Autobauer sein digitales Angebot um eine dialogorientierte Bedienoberfläche, die den Zugang zu Flottendaten vereinfachen soll.
Die Einführung zeigt zugleich, wie sich Telematikplattformen von reinen Überwachungs- und Berichtssystemen zu interaktiven Assistenzlösungen entwickeln. Entscheidend für den praktischen Nutzen wird sein, wie zuverlässig die KI komplexe Datenbestände einordnet und wie gut sich ihre Ergebnisse in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen.