Digitale Transformation

KI-Ambitionen treffen in der Autobranche auf Kompetenzlücken

KI und Software gelten in der deutschen Autoindustrie als zentrale Zukunftstechnologien. Eine PwC-Studie zeigt jedoch eine deutliche Lücke zwischen strategischer Bedeutung und vorhandenen Fähigkeiten. Besonders Kultur und Qualifizierung werden zu Faktoren.

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Digitale Entwicklungsmethoden gewinnen in der Autoindustrie an Gewicht. PwC sieht vor allem bei KI, Softwarekompetenz und organisatorischen Strukturen weiteren Handlungsbedarf.

Künstliche Intelligenz und Software gewinnen in der deutschen Automobilindustrie weiter an strategischer Bedeutung. Gleichzeitig fehlt es vielen Unternehmen noch an den notwendigen Fähigkeiten für die Umsetzung. Zu diesem Ergebnis kommt der „Global Automotive Sector Outlook 2026“ von PwC. Für die Untersuchung wurden 720 Führungskräfte von Automobilherstellern und Tier-1-Zulieferern in 33 Ländern befragt, darunter 86 aus Deutschland. 

54 Prozent der deutschen Befragten bezeichnen KI als wichtigste Technologie für das Erreichen ihrer strategischen Ziele. Weltweit liegt der Anteil bei 51 Prozent. Noch deutlicher fällt die Einschätzung bei Software-Engineering und Künstlicher Intelligenz aus. 85 Prozent der deutschen Teilnehmer stufen diese Fähigkeiten als sehr oder äußerst wichtig ein. Damit liegt Deutschland laut PwC 16 Prozentpunkte über dem globalen Durchschnitt. 

Große Lücke zwischen Anspruch und Fähigkeiten

Der hohen strategischen Bedeutung steht jedoch ein begrenzter Kompetenzaufbau gegenüber. Außerhalb der von PwC als besonders zukunftsfähig eingestuften Unternehmensgruppe geben lediglich 45 Prozent der deutschen Unternehmen an, entsprechende Fähigkeiten bereits in größerem Umfang aufgebaut zu haben. Nach Einschätzung der Beratung fällt die Differenz zwischen Bedeutung und tatsächlicher Verfügbarkeit bei Software und KI besonders deutlich aus.  Damit wird die technologische Transformation zunehmend zu einer organisatorischen Aufgabe. Softwarekompetenz lasse sich laut PwC nicht allein über Neueinstellungen aufbauen. Notwendig sei auch eine Weiterqualifizierung der bestehenden Belegschaft. Zugleich müssten Unternehmen Strukturen schaffen, die kürzere Entwicklungszyklen und eine größere Fehlertoleranz ermöglichen.

Der Fachkräftemangel verschärft diese Herausforderung zusätzlich. 51 Prozent der Befragten nennen fehlende Talente als eines der größten Hindernisse für ihre Wertschöpfung. Damit treffen steigende Anforderungen an Software und KI auf einen Arbeitsmarkt, auf dem geeignete Spezialisten bereits knapp sind. KI wird zur Frage der Unternehmenskultur. PwC sieht den Engpass deshalb nicht ausschließlich in verfügbaren Budgets oder technischen Ressourcen. Nach Einschätzung der Beratung entscheiden auch Unternehmenskultur und Organisationsmodell darüber, ob Investitionen in Software und KI ihre Wirkung entfalten können. Gerade traditionelle Strukturen der Automobilindustrie könnten dabei zum Hemmnis werden. Entwicklungsmodelle aus dem Maschinenbau sind häufig auf langfristige Produktzyklen, hohe Prozessstabilität und weitgehend fehlerfreie Abläufe ausgerichtet. Softwareentwicklung folgt dagegen kürzeren Iterationen und verlangt eine andere Form der Zusammenarbeit.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass viele Unternehmen diese technologische Verschiebung grundsätzlich erkannt haben. 71 Prozent der deutschen Befragten betrachten technologische Disruptionen als Chance. Das ist laut PwC der höchste Wert unter den untersuchten Märkten. Die entscheidende Frage sei deshalb zunehmend, ob interne Entscheidungsprozesse und Strukturen die Nutzung dieser Technologien ermöglichen. 

Partnerschaften sollen Kompetenzaufbau beschleunigen

Neben Qualifizierung und organisatorischem Umbau gewinnen externe Kooperationen an Bedeutung. 75 Prozent der von PwC als besonders zukunftsfähig eingestuften Unternehmen setzen gezielt auf Partnerschaften. Bei den übrigen Unternehmen liegt dieser Anteil bei 56 Prozent. Solche Kooperationen können vor allem dort relevant werden, wo sich Fähigkeiten rund um KI, Softwarearchitekturen oder digitale Plattformen nicht schnell genug intern aufbauen lassen. PwC betrachtet Partnerschaften deshalb als einen möglichen Weg, Kompetenzlücken schneller zu schließen.

Auch das Wettbewerbsumfeld verändert sich dadurch. Neben klassischen Automobilunternehmen gewinnen Technologieanbieter und Unternehmen außerhalb der bisherigen Wertschöpfungskette an Einfluss. Der Wettbewerb verschiebt sich nach Einschätzung der Beratung zunehmend in Richtung Produktarchitekturen und technologischer Ökosysteme. 

Softwareinvestitionen allein reichen nicht aus

Aus den Ergebnissen leitet PwC vor allem einen engeren Zusammenhang zwischen Technologieinvestitionen, Personalentwicklung und Organisation ab. Unternehmen müssten den Aufbau von Software- und KI-Kompetenz demnach stärker als Gesamtaufgabe betrachten.

Für die IT-Transformation der Automobilindustrie bedeutet das, dass zusätzliche Budgets für KI und Software allein kaum ausreichen dürften. Entscheidend wird vielmehr, ob Unternehmen gleichzeitig die notwendigen Fähigkeiten entwickeln und ihre Entwicklungsorganisation an softwaregeprägte Arbeitsweisen anpassen können.

Die Studie macht damit eine Verschiebung sichtbar. KI wird in der Branche zunehmend weniger als isolierte Technologiefrage betrachtet. Stattdessen rücken Qualifikation, Organisationsstruktur und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit externen Technologiepartnern stärker in den Mittelpunkt.