Digitalstrategie

Schneider Electric übernimmt PTC für 22,6 Milliarden Dollar

Schneider Electric will den US-Softwareanbieter PTC übernehmen. Der Zukauf soll das Industrie-Softwaregeschäft des Elektrotechnikkonzerns ausbauen und Produktentwicklung, Lifecycle-Daten sowie operative Systeme enger miteinander verknüpfen.

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Mitarbeiter bedient ein Tablet neben einer automatisierten Produktionsanlage mit Industrieroboter und Softwareanzeige.
Industriesoftware gewinnt für Schneider Electric weiter an Bedeutung. Mit PTC würde der Konzern sein Portfolio rund um Engineering, Automatisierung und digitale Produktprozesse deutlich ausbauen.

Schneider Electric will den US-amerikanischen Softwareanbieter PTC übernehmen. Beide Unternehmen haben dazu eine verbindliche Vereinbarung geschlossen. Der französische Energietechnikkonzern bietet 205 US-Dollar je PTC-Aktie in bar. Damit wird das Eigenkapital des Softwareunternehmens mit rund 22,6 Milliarden Dollar bewertet. Der Unternehmenswert liegt den Angaben zufolge bei etwa 23,7 Milliarden Dollar. Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen. Zuvor müssen die PTC-Aktionäre sowie die zuständigen Aufsichtsbehörden zustimmen. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben die Vereinbarung bereits einstimmig gebilligt.

PTC erweitert das Softwareportfolio

Mit der geplanten Akquisition baut Schneider Electric sein Geschäft mit industrieller Software deutlich aus. PTC entwickelt Lösungen für Produktentwicklung, Engineering und die Verwaltung von Produktdaten. Zum Portfolio gehören Anwendungen für Computer Aided Design sowie Systeme für Product Lifecycle Management, Application Lifecycle Management und Service Lifecycle Management. Nach Angaben des Unternehmens nutzen mehr als 30.000 Kunden weltweit die Lösungen. Der US-Anbieter erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITA-Marge lag laut Pressemitteilung bei etwa 40 Prozent. Bis 2029 rechnet PTC demnach mit einem jährlichen Wachstum von Umsatz und wiederkehrenden Erlösen von rund zehn Prozent.

Für Schneider Electric schließt die Übernahme nach eigener Einschätzung eine Lücke im bisherigen Softwareangebot. Während der französische Konzern bislang vor allem Daten aus Anlagen, Prozessen und Energiesystemen adressiert, bringt PTC zusätzliche Informationen aus Entwicklung, Konstruktion und Produktlebenszyklus ein. Strategisch zielt Schneider Electric darauf, technische Produktdaten stärker mit Betriebs- und Energiedaten zu verknüpfen. Dadurch soll eine durchgängige digitale Datenbasis entstehen, die Informationen von der Entwicklung eines Produkts bis zu dessen Betrieb und Wartung zusammenführt.

PTC-Daten sollen KI-Anwendungen im Industrieumfeld stärken

Eine solche Verbindung ist insbesondere für Anwendungen industrieller künstlicher Intelligenz relevant. KI-Systeme benötigen belastbare Kontextinformationen, wenn sie technische Zusammenhänge bewerten oder Entscheidungen unterstützen sollen. PTC liefert hierfür Daten über Konstruktion, Produktstrukturen und Änderungen während des Lebenszyklus.

Schneider Electric ergänzt diese Informationen um Daten aus Produktion, Anlagenbetrieb und Energiemanagement. Der Konzern sieht darin die Grundlage für neue Softwarelösungen, die Entwicklungs- und Betriebsinformationen gemeinsam auswerten. Das Unternehmen spricht in diesem Zusammenhang von einer einheitlichen digitalen Kette über den gesamten Produkt- und Anlagenlebenszyklus. Wie schnell sich diese Integration technisch und organisatorisch umsetzen lässt, dürfte allerdings von den einzelnen Systemlandschaften der Kunden abhängen.

AVEVA und Cognite ergänzen die Softwarestrategie

PTC soll Teil eines Softwareportfolios werden, das Schneider Electric in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut hat. Dazu gehört unter anderem AVEVA. Der britische Industriesoftwareanbieter befindet sich vollständig im Besitz des französischen Konzerns. Hinzu kommt die geplante Übernahme von Cognite. Dessen Technologie soll industrielle Daten für KI-Anwendungen strukturieren und in einen nutzbaren Kontext bringen. PTC würde diese Datenbasis um Informationen aus Produktentwicklung und Engineering erweitern.

Nach Abschluss der PTC-Transaktion sollen Software und Services auf Pro-forma-Basis rund 24 Prozent des Konzernumsatzes von Schneider Electric ausmachen. Gemeinsam käme das Geschäft auf mehr als 15.000 Softwarebeschäftigte und über 50.000 Kunden. Zudem erwartet der Konzern, dass sich sein adressierbarer Markt für industrielle Software durch die Übernahme ungefähr verdreifacht.

Neben den technologischen Ergänzungen verbindet Schneider Electric mit der Übernahme konkrete finanzielle Ziele. Bis zum dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion erwartet das Unternehmen jährliche Kostensynergien von rund 250 Millionen Euro. Darüber hinaus stellt der Konzern Umsatzsynergien von etwa 800 Millionen Euro in Aussicht. Diese sollen unter anderem durch gemeinsame Kundenansprache, zusätzliche Vertriebskanäle und eine breitere geografische Präsenz entstehen. Die genannten Werte beruhen auf Prognosen des Unternehmens und sind entsprechend mit Unsicherheiten verbunden. Auch die erwarteten Effekte gemeinsamer KI- und Digital-Thread-Angebote hängen davon ab, wie schnell sich Technologien, Vertriebsorganisationen und Produktportfolios zusammenführen lassen.

Finanzierung über Eigenkapital und neue Schulden

Für die Transaktion sind nach Angaben von Schneider Electric insgesamt rund 22 Milliarden Euro an Barzahlung vorgesehen. Die Finanzierung sei über eine zugesagte Brückenfinanzierung von Morgan Stanley und Société Générale abgesichert. Etwa fünf bis sechs Milliarden Euro sollen über eine Kapitalerhöhung aufgebracht werden. Weitere 16 bis 17 Milliarden Euro will der Konzern über neue Schulden finanzieren.

Schneider Electric geht davon aus, Kreditratings der Kategorie A beibehalten zu können. Die endgültige Bewertung liegt allerdings bei den Ratingagenturen. Das Unternehmen hält zudem an seinem bis 2030 angekündigten Aktienrückkaufprogramm fest, erwartet für 2027 und 2028 jedoch eine Pause.

Sollte die Übernahme wie geplant abgeschlossen werden, würde Schneider Electric seine Position im Markt für industrielle Software erheblich ausweiten. Besonders relevant ist dabei die Verbindung von Engineering- und Produktdaten mit Informationen aus Betrieb und Energieversorgung. Ob daraus tatsächlich die angekündigten Synergien und neuen KI-Anwendungen entstehen, wird sich nach der Integration der Plattformen und Organisationen zeigen.