Engineering im Wandel

Welche konkreten Effekte hat KI im Engineering?

Über das Potenzial von KI im Automotive Engineering wird seit Jahren diskutiert. Capgemini hat nun untersucht, welche Effekte Unternehmen bereits messen. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen in frühen Entwicklungsphasen und bei der Produktivität.

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Digitale Werkzeuge sind wie etwa hier bei BMW in der Instandhaltung längst etabliert. Auch im Engineering zeigt KI laut Capgemini bereits konkrete Wirkung.
Digitale Werkzeuge sind wie etwa hier bei BMW in der Instandhaltung längst etabliert. Auch im Engineering zeigt KI laut Capgemini bereits konkrete Wirkung.

Künstliche Intelligenz gilt seit Jahren als möglicher Beschleuniger für die Fahrzeugentwicklung. Wie stark sich ihr Einsatz bereits auf Entwicklungszeiten, Produktivität und Wertschöpfung auswirkt, war bislang jedoch schwer einzuordnen. Eine aktuelle Untersuchung von Capgemini liefert dazu nun Zahlen aus der Praxis. Für den „Automotive Engineering and R&D Pulse 2026“ befragte das Beratungsunternehmen 200 Führungskräfte aus Automobilherstellern, Tier-1-Zulieferern und Mobilitätsunternehmen. 61 Prozent der Teilnehmer stammen aus Europa.

Die Ergebnisse zeigen, dass KI in einem Teil der Unternehmen inzwischen deutlich über Pilotprojekte hinausgeht. Die größten Effekte zeigen sich bislang in frühen Entwicklungsphasen. 68 Prozent der Befragten berichten, dass sich die Zeit von einer Idee bis zu einem ausgearbeiteten Konzept durch KI um mehr als 50 Prozent reduzieren lasse. Damit liefere die Studie erstmals einen konkreteren Anhaltspunkt dafür, in welchen Bereichen sich die vielfach erwarteten Produktivitätsgewinne tatsächlich bemerkbar machen.

Gerade in der Konzeptentwicklung können KI-Systeme etwa bei Analyse, Simulation, Variantenbildung oder der Aufbereitung technischer Informationen unterstützen. Capgemini selbst wertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass sich künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Produktivitätsfaktor im Automotive Engineering entwickelt. Die Daten beruhen allerdings auf Einschätzungen der befragten Führungskräfte und erlauben keine pauschalen Rückschlüsse auf die gesamte Branche.

Unternehmen berichten von zusätzlichem Nutzen

Die Auswirkungen beschränken sich laut Untersuchung nicht auf kürzere Entwicklungszeiten. 59 Prozent der Teilnehmer sehen durch KI neue Innovations- und Effizienzpotenziale. 47 Prozent geben an, den Wert von Produkten oder Dienstleistungen um mehr als 50 Prozent gesteigert zu haben.

Die Ergebnisse legen damit nahe, dass Unternehmen KI zunehmend anhand konkreter Resultate bewerten. Im Vordergrund stehen nicht mehr ausschließlich technologische Möglichkeiten, sondern messbare Verbesserungen innerhalb bestehender Entwicklungs- und Geschäftsprozesse. Besonders hoch schätzen die Befragten das Potenzial in Wartung und Aftersales ein. 71 Prozent nennen diesen Bereich. In Forschung und Konzeptentwicklung sehen 65 Prozent große Einsatzmöglichkeiten. Bei Compliance und Dokumentation sind es 63 Prozent, in Produktion und Fertigung 55 Prozent.

KI erhält einen wachsenden Anteil der Entwicklungsbudgets

Der zunehmende operative Einsatz schlägt sich auch in den Budgets nieder. 46 Prozent der befragten Unternehmen investieren bereits zwischen 10 und 20 Prozent ihrer Ausgaben für Engineering sowie Forschung und Entwicklung in KI-Initiativen. 87 Prozent planen weitere Steigerungen.

Die Investitionen treffen auf eine Branche, die ihre Entwicklungsprozesse unter hohem Kostendruck beschleunigen muss. 89 Prozent der Befragten berichten von gestiegenen Kosten innerhalb der vergangenen drei Jahre. Zwei Drittel halten Einsparungen von bis zu 20 Prozent innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre für notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig erwarten 71 Prozent eine Verkürzung der Produktentwicklung um 10 bis 15 Prozent. Drei Viertel wollen die Anlaufzeiten neuer Produkte um 5 bis 10 Prozent reduzieren.

Wettbewerbsdruck erhöht den Bedarf an Produktivität

Hinter den Effizienzzielen steht auch die wachsende Konkurrenz durch neue Anbieter. 60 Prozent der Führungskräfte betrachten neue Marktteilnehmer als größte Herausforderung für das eigene Geschäft. 57 Prozent befürchten, innerhalb der kommenden fünf Jahre relevante Marktanteile zu verlieren, falls ihre Unternehmen die Kosten nicht deutlich senken können. 46 Prozent sehen dieses Risiko, wenn Innovationen nicht schneller den Markt erreichen.

Damit erhält die Frage nach dem tatsächlichen Beitrag neuer Technologien zusätzliches Gewicht. Für Autohersteller und Zulieferer geht es weniger darum, ob KI grundsätzlich eingesetzt werden kann. Entscheidend wird zunehmend, ob sich mit ihr Entwicklungsaufwand reduzieren und die Geschwindigkeit messbar erhöhen lässt. Der technologische Wandel geht mit organisatorischen Veränderungen einher. 24 Prozent der Unternehmen bauen ihre Engineering- und Forschungsorganisation derzeit bereits um.

Weitere 59 Prozent wollen dies innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre angehen. Gleichzeitig investieren 93 Prozent laut Capgemini in digitale Werkzeuge für Szenario- und Risikoplanung. 94 Prozent arbeiten an widerstandsfähigeren Produktdesigns, um Lieferketten besser abzusichern. Auch international verteilte Entwicklungsmodelle gewinnen an Bedeutung. 70 Prozent betreiben bereits sogenannte Centers of Excellence an Offshore-Standorten. 71 Prozent wollen solche Strukturen weiter ausbauen.