Ein Mann blickt in einer Fabrikanlage auf sein Tablet.

Im Zuge der Pandemie haben viele Unternehmen ihre AKtivitäten rund um Industrie 4.0 verstärkt. Bild: Bosch

| von Claas Berlin

Vier von zehn Befragten gaben an, bislang sehr schlecht durch die Corona-Zeit gekommen zu sein, rund jedes Vierte (23 Prozent) eher schlecht. Gleichzeitig sagen 95 Prozent, dass im Zuge der Pandemie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen habe. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die 551 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten befragt wurden.

Die Industrie hat bereits auf Corona reagiert – 81 Prozent der Unternehmen passen bestehende und 49 Prozent bieten neue Produkte und Dienstleistungen an, 29 Prozent nehmen bestimmte Angebote vom Markt. In vier von zehn Industrieunternehmen hat sich das Geschäftsmodell durch COVID-19 verändert. Tatsächlich könnte die Pandemie in den kommenden Monaten für einen anhaltenden Digitalisierungsschub in den Fabriken sorgen. 61 Prozent der Unternehmen wollen langfristig die entsprechende Transformation vorantreiben. 62 Prozent sehen einen Innovationsschub für das eigene Unternehmen.

Mehrheit spricht sich für Industrie 4.0 aus

Dabei gewinnt insbesondere der Bereich Industrie 4.0 immer mehr Fürsprecher: Fast zwei Drittel (62 Prozent) setzen bereits spezielle Anwendungen wie vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter ein. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (59 Prozent), vor drei Jahren lag der Anteil bei 49 Prozent. Jedes fünfte Unternehmen plant aktuell den Einsatz von Industrie 4.0-Lösungen. Weitere 16 Prozent haben noch keine konkreten Schritte geplant, können sich dies aber für die Zukunft vorstellen. Erstmals gibt laut Studienautoren kein größeres Industrieunternehmen mehr an, dass Industrie 4.0 kein Thema ist.

Aktuell nutzen vier von zehn Industrieunternehmen IoT-Plattformen, mit denen Daten von Geräten, Maschinen und Anlagen an zentraler Stelle zusammengeführt und ausgewertet werden können. Jeder dritte Betrieb plant die künftige Nutzung, nur für knapp jedes Fünfte sind IoT-Plattformen derzeit kein Thema. „IoT-Plattformen legen das Fundament für digitale Mehrwertdienste. Mit ihnen werden physische Produkte um weitere Funktionen angereichert und ermöglichen so zum Beispiel vorausschauende Wartung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Bitkom-Befragung zu Industrie 4.0-Aktivitäten

44 Prozent der befragten Akteure setzen 3D-Druck ein, fast ebenso viele planen oder diskutieren den Einsatz (42 Prozent). Nur 14 Prozent wollen erst einmal auf die additive Fertigung verzichten.

Herausragende Bedeutung kommt dem neuen Mobilfunkstandard 5G für die vernetzte Produktion zu. Inzwischen halten 85 Prozent der Industrieunternehmen die Verfügbarkeit von 5G für wichtig für das eigene Unternehmen, vor einem Jahr waren es erst 72 Prozent. Umgekehrt hat sich der Anteil der Unternehmen, die den Mobilfunkstandard für unwichtig halten, von 26 auf 13 Prozent halbiert. „5G ist eine Schlüsseltechnologie, gerade für die Industrie“, betont der Bitkom-Geschäftsführer.

Zeitenwende in der Arbeitswelt

Industrie 4.0 wird zugleich auch die Arbeit in den Fabriken verändern: So erwarten 57 Prozent der Befragten, dass neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen. Zugleich gehen aber auch rund zwei Drittel (68 Prozent) davon aus, dass Arbeitsplätze für gering Qualifizierte wegfallen werden. Auf diesen Wandel stellt sich die Industrie bereits heute ein: 68 Prozent der Industrieunternehmen investieren in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter rund um Industrie 4.0.

Trotz des stärkeren Engagements werden die entsprechenden Möglichkeiten von Industrie 4.0 allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Nicht einmal jeder dritte Industriebetrieb in Deutschland (31 Prozent) sieht sich aktuell als Vorreiter in diesem Segment. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) bezeichnet sich dagegen als Nachzügler, jeder Neunte (11 Prozent) meint sogar, den Anschluss verpasst zu haben. „Digitalisierung entwickelt sich auch in der Produktion exponentiell. Das heißt, wer später anfängt, muss sich umso mehr anstrengen. Jetzt heißt es: schnell sein“, unterstreicht Bernhard Rohleder.

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