Christian Senger, CEO Car.Software Org Volkswagen Konzern

Christian Senger, Chef der Car.Software Org, bei seiner Präsentation in Ingolstadt: „Wir können und wir wollen unsere Softwareplattform selbst entwickeln.“ (Bild: Screenshot)

Die Car.Software-Organisation von Volkswagen beendet ihre Aufbauphase und schaltet am 1. Juli 2020 in den Arbeitsmodus. „Wir wechseln vom Planen ins Machen“, erklärte CEO Christian Senger am Rande einer konzerninternen Tech-Show in Ingolstadt, an der rund 4000 VW-Mitarbeiter teilnahmen. Die via Live-Stream verbreitete Kernbotschaft war unmissverständlich: Volkswagen gedenkt die Hoheit über die komplette Fahrzeugarchitektur inklusive Elektronik nicht aus der Hand zu geben und will einen schnell wachsenden Teil der künftigen Wertschöpfung mit niemanden teilen.

Senger räumte ein, dass es in der Branche durchaus andere Wege gebe: Einige Autohersteller haben enge Entwicklungspartnerschaften mit großen IT-Konzernen geschlossen, andere würden sich auf den reinen Fahrzeugbau konzentrieren und Software zukaufen. „Für uns kommt das nicht in Frage. Wir können und wir wollen unsere Software-Plattform selbst entwickeln“, betonte der Manager. Er hielt explizit an dem ehrgeizigen Ziel fest, bereits in fünf Jahren den Anteil selbstentwickelter Fahrzeugsoftware für alle Konzernmarken auf 60 Prozent zu steigern. Aktuell liegt dieser Wert unter zehn Prozent.

Die Wolfsburger stehen unter Druck. Beim Elektromodell ID.3 war es zu massiven Softwareproblemen und damit verbundenen Auslieferungsstopps gekommen. Beim Golf 8 hat es Probleme mit dem elektronischen Notrufassistenten E-Call gegeben – Ursache für die ausgefallene Funktion sollen ebenfalls Schwierigkeiten mit der Software gewesen sein.

Software-Entwicklung verschlingt Milliarden-Budget

Präsentationsfolien Car.Software Org, Volkswagen-Konzern
In weniger als zwei Wochen wechselt die Car.Software-Organisation im Volkswagen-Konzern von der Aufbauphase in den Arbeitsmodus.

In den kommenden Jahren steht der Car.Software-Organisation ein Budget von mehr als sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Mit diesen Mitteln soll unter anderem das VW.OS als einheitliches Betriebssystem für die Pkw-Marken des Konzerns entstehen – mit der Volkswagen Automotive Cloud als technischem Rückgrat.
 
Anders als heute sind Hardware, Betriebssystem und Anwendungen künftig voneinander getrennt. Die neue Software-Architektur wird beispielsweise Software-Updates und Dienste „over the air“ ermöglichen. Kunden können jederzeit neue Produkte herunterladen und ihre Fahrzeuge digital auf dem aktuellen Stand bleiben. „Die Innovationszyklen werden kürzer. Wir werden neue Anwendungen viel schneller auf den Markt bringen“, versprach Senger. Die Cloud wird zum größten Steuergerät.

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