Strategische Kooperation

Neue KI-Basis soll Volkswagens L3-Entwicklung beschleunigen

Volkswagen Group China vertieft die Zusammenarbeit mit Horizon Robotics und erhält Zugriff auf ein leistungsfähiges KI-Basismodell. Damit will der Konzern eigene Systeme für automatisiertes Fahren bis Level 4 schneller weiterentwickeln.

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Ein Volkswagen-Fahrzeug fährt durch dichten Stadtverkehr. Digitale Markierungen visualisieren die Erkennung von Fahrspuren, Autos, Radfahrern und weiteren Verkehrsteilnehmern durch automatisierte Fahrsysteme.
Die Technik soll komplexe Verkehrssituationen besser erfassen und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer frühzeitig berücksichtigen.

Volkswagen Group China baut die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologieunternehmen Horizon Robotics aus. Im Mittelpunkt steht der Zugriff auf ein KI-Basismodell, das die Entwicklung eigener Systeme für automatisiertes Fahren beschleunigen soll. Erste Funktionen nach Level 3 plant der Konzern für die zweite Hälfte des Jahres 2027. Die Kooperation wird über Carizon vertieft, die für intelligente Fahrsysteme zuständige Einheit der Volkswagen Group in China. Das Unternehmen erhält nach Angaben des Automobilherstellers einen sogenannten White-Box-Zugriff auf das KI-Modell von Horizon Robotics.

Dadurch sollen die Entwickler die Funktionsweise des Modells umfassend einsehen, anpassen und in eine eigene Softwarelösung integrieren können. Der Wolfsburger Konzern will auf dieser Grundlage ein einheitliches KI-Fahrmodell entwickeln. Dieses soll Sensordaten verarbeiten, Verkehrssituationen bewerten und daraus Fahrentscheidungen ableiten. Volkswagen zufolge könnte das System komplexe Verkehrslagen besser erfassen und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer genauer vorhersagen. Auch selten auftretende Situationen sollen zuverlässiger erkannt werden. Aussagen zur Sicherheit und Leistungsfähigkeit stammen aus der Unternehmensmitteilung und müssen sich im späteren Serieneinsatz bestätigen.

Eigener Technologiestack für automatisiertes Fahren

Das KI-Modell soll mit weiteren Komponenten aus der lokalen Entwicklung verbunden werden. Dazu zählen der System-on-Chip C7H von Carizon und die Datenplattform GAIA World Model. Gemeinsam sollen sie einen unternehmenseigenen Technologiestack für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren bilden.

"Wir entwickeln bei CARIZON künftig unsere KI-basierte Level-3-Technologie für automatisiertes Fahren selbst. Für unsere Kundinnen und Kunden in China bedeutet das: schneller verfügbare Innovationen, ein nahtlos integriertes Fahrerlebnis und hohe Kosteneffizienz. Mit dem White-Box-Zugang zu den KI-Foundation-Modelen von Horizon Robotics stärken wir unsere eigene KI-Fahrplattform und beschleunigen den Weg zu sicheren und skalierbaren Level-3- und Level-4-Lösungen", betont  Peter Bosch, CEO von Cariad und Chairman von Carizon.

Die Architektur ist zunächst für Systeme nach Level 3 vorgesehen. Langfristig soll sie auch Funktionen nach Level 4 unterstützen. Als mögliche Einsatzgebiete nennt die Gruppe sowohl Personenwagen als auch Robotaxis. Parallel will das Unternehmen bereits verfügbare Assistenzsysteme weiterentwickeln.

Eine enge Anbindung an die China Electronic Architecture ist ebenfalls geplant. Dabei handelt es sich um eine lokal entwickelte zonale Elektrik- und Elektronikarchitektur des Konzerns. Die Kombination soll den Einsatz der Software auf unterschiedlichen Fahrzeugplattformen und in mehreren Modellreihen erleichtern.

L2++-System geht in mehreren Modellen in Serie

Carizon hat nach Angaben des Herstellers bereits Ende 2025 ein L2+-System ausgeliefert. Es unterstützt unter anderem automatisierte Fahrfunktionen auf Autobahnen und gespeicherte Parkmanöver. Eingesetzt wird die Lösung in den Modellen ID. UNYX 07 und ID. UNYX 06. Die erweiterte Variante L2++ ist inzwischen in die Serienproduktion gegangen. Sie soll zusätzliche automatisierte Fahrfunktionen für den Stadtverkehr bieten. Noch im dritten Quartal 2026 will die Volkswagen Group China erste Fahrzeuge mit dem System auf die Straße bringen.

Für das laufende Jahr ist der Einsatz in sieben neuen Elektrofahrzeugen vorgesehen. Die Modelle stammen aus den verschiedenen chinesischen Gemeinschaftsunternehmen des Autobauers. Ab 2027 soll die Technik auf weitere Baureihen mit der neuen Elektronikarchitektur ausgeweitet werden.

Erste Level-3-Funktionen für 2027 vorgesehen

Die Auslieferung von Funktionen nach Level 3 ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Bei dieser Automatisierungsstufe kann das Fahrzeug unter definierten Bedingungen die Fahraufgabe übernehmen. Der Fahrer muss jedoch in der Lage bleiben, die Kontrolle nach Aufforderung wieder zu übernehmen. Mit der erweiterten Partnerschaft setzt die Gruppe ihre Strategie fort, wesentliche Software- und Entwicklungsleistungen näher am chinesischen Markt anzusiedeln. China habe sich zu einem wichtigen Innovationsstandort für Software, künstliche Intelligenz und automatisiertes Fahren entwickelt, erklärte Volkswagen-Chef Oliver Blume laut Mitteilung.

Die in China entwickelten Systeme könnten perspektivisch auch für weitere Regionen relevant werden. Der Automobilkonzern nennt vor allem ausgewählte Märkte mit vergleichbaren Kundenanforderungen und technischen Rahmenbedingungen. Konkrete Länder oder Einführungstermine außerhalb Chinas wurden nicht genannt.