Betriebliche Mobilität wird zum strategischen Steuerungsfeld
Unternehmen sollten ihre Mobilitätskonzepte strategisch ausrichten, um Kosten, Emissionen und betriebliche Abläufe gezielter zu steuern. Eine PwC-Studie zeigt, warum vernetzte Angebote und belastbare Daten dafür entscheidend sind.
Ronja SchmiedchenRonjaSchmiedchenRedaktion, Social Media & Moderation
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Integrierte Mobilitätskonzepte verbinden unterschiedliche Verkehrsmittel, digitale Systeme und betriebliche Anforderungen. Je nach Standort und Beschäftigtenstruktur können dabei verschiedene Angebote sinnvoll sein.Adobe Stock / j-mel
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Beruflich bedingte Wege verursachen einen erheblichen Teil des Verkehrsaufkommens in Deutschland. Dazu zählen die täglichen Fahrten zum Arbeitsplatz ebenso wie Dienstreisen und weitere betriebliche Verkehrsbewegungen. Für Unternehmen gewinnt damit die Frage an Bedeutung, wie sich die Mobilität ihrer Beschäftigten verlässlich, wirtschaftlich und möglichst emissionsarm organisieren lässt. Zugleich verändern flexible Arbeitsmodelle, neue regulatorische Anforderungen und ein wachsendes Angebot digitaler Mobilitätsdienste die bisherigen Rahmenbedingungen.
Viele Betriebe setzen bereits auf Maßnahmen wie Dienstwagen, Jobtickets, Fahrradleasing oder Ladeinfrastruktur. Häufig stehen diese Angebote jedoch weitgehend unverbunden nebeneinander. Eine Studie von PwC Deutschland und der Universität St. Gallen kommt zu dem Ergebnis, dass einzelne Instrumente meist nicht ausreichen, um das Mobilitätsverhalten nachhaltig zu beeinflussen und betriebliche Ziele zu erreichen. Gefragt seien vielmehr integrierte Konzepte, die den Standort, die Verkehrsanbindung, die Arbeitsmodelle und die tatsächlichen Wege der Mitarbeitenden berücksichtigen. Die Untersuchung mit dem Titel „Reinventing Corporate Mobility“ basiert auf 35 Interviews mit Mobilitätsverantwortlichen, Beratungsunternehmen und Dienstleistern aus Deutschland und der Schweiz. Daraus leiteten die Forschenden ein Rahmenwerk ab, mit dem Organisationen ihre Ausgangslage analysieren und geeignete Maßnahmen auswählen können.
Corporate Mobility Conference 2027
Die Mobilitätsbranche braucht neues Denken und Handeln, denn sie steht vor einem längst überfälligen Wandel. Einer der wichtigsten Nachfrager für die Mobilität der Zukunft ist die Corporate Mobility, die nicht nur den reinen Fuhrpark, sondern den gesamten Mobilitätsbedarf der Mitarbeiter eines Unternehmens abdeckt. Auch das Thema Elektromobilität spielt in den Erwägungen der Fuhrparkmanager:innen eine immer wichtiger werdende Rolle.
Auf der Corporate Mobility Conference am 11. Mai 2027 zeigten Expert:innen aus unterschiedlichen Branchen, wie innovatives und nachhaltiges Fuhrparkmanagment gelingen kann und welche Herausforderungen noch bestehen. Alle Infos zum Event.
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Arbeitswege gewinnen strategische Bedeutung
Nach Angaben der Studienautoren entfallen 41 Prozent des Verkehrs in Deutschland auf beruflich veranlasste Fahrten. Rund 62 Prozent der Arbeitswege würden mit dem Auto zurückgelegt. Mehr als die Hälfte der Kohlendioxidemissionen im Personenverkehr stehe damit in Verbindung mit arbeitsbezogener Mobilität.
Für Unternehmen geht es dabei längst um mehr als die Verwaltung von Dienstwagen und Parkflächen. Steigende regulatorische Anforderungen erhöhen den Bedarf an belastbaren Emissionsdaten. Gleichzeitig sollen Kosten kontrolliert und attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
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„Corporate Mobility ist ein Pflichtthema als strategischer Hebel für Nachhaltigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Organisationen, die früh handeln, können Mobilität proaktiv gestalten. Wer zögerlich agiert, riskiert steigende Kosten, regulatorischen Druck und sinkende Attraktivität als Arbeitgeber“, betont Steffen Leffler, Partner und Head of Mobility Consulting bei PwC Deutschland
Einzelmaßnahmen bleiben häufig unverbunden
Viele Organisationen bieten bereits Fahrradleasing, Firmenfahrzeuge oder Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr an. Auch elektrische Flotten, Carsharing und digitale Parksysteme gewinnen an Bedeutung. Nach Einschätzung der Verfasser werden diese Instrumente jedoch häufig isoliert eingeführt. Umfassende und digital unterstützte Mobilitätsmodelle seien bislang eher die Ausnahme. Ein Grund liege darin, dass Unternehmen oft nicht ausreichend einschätzen könnten, welche Lösungen unter ihren konkreten Rahmenbedingungen funktionieren.
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„Ob eine Mobilitätslösung passt, hängt stark vom spezifischen Kontext ab. Unternehmen verschenken Potenzial, wenn sie ihre Standorte zu isoliert betrachten oder Mobilität bei strategischen Themen wie Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität nicht ausreichend mitdenken. Erst dann lässt sich systematisch ableiten, welche Lösungen wirksam und realistisch umsetzbar sind“, erklärt Andreas Herrmann, Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen.
Die Studie unterscheidet drei zentrale Bereiche der betrieblichen Mobilität. Dazu gehören die physische Infrastruktur, die verfügbaren Verkehrsmittel und unterstützende Softwaresysteme. Zur Infrastruktur zählen beispielsweise Parkflächen und Ladepunkte. Bei den Verkehrsmitteln reicht das Spektrum von Firmenflotten und öffentlichen Angeboten bis zu Shuttle-Verbindungen. Digitale Anwendungen können unter anderem Mobilitätsbudgets verwalten, Parkplätze steuern, Fahrgemeinschaften vermitteln oder Verkehrswege analysieren.
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Der Nutzen entstehe vor allem durch das abgestimmte Zusammenspiel dieser Komponenten. Digitale Plattformen könnten dabei als verbindende Ebene dienen. Sie schaffen eine gemeinsame Datenbasis und ermöglichen es, Nutzung, Kosten und Emissionen transparenter auszuwerten. Eine in der Untersuchung aufgeführte Pilotstudie mit 100 Beschäftigten deutet darauf hin, dass flexible Alternativen das Mobilitätsverhalten verändern können. Standen entsprechende Angebote zur Verfügung, sei das Auto seltener und der öffentliche Verkehr häufiger genutzt worden. Die Studienautoren beschreiben drei typische Unternehmensprofile. Unterschieden werden automobil geprägte Produktionsstandorte, urbane Dienstleistungsunternehmen und Betriebe mit flottenintensiven Hub-Strukturen.
An ländlich gelegenen Produktionsstandorten könnten elektrifizierte Fahrzeugflotten, Fahrgemeinschaften und eine gezielte Parkraumsteuerung eine wichtige Rolle spielen. Für städtische Bürostandorte seien dagegen Mobilitätsbudgets, Angebote des öffentlichen Nahverkehrs und Mikromobilität häufig besser geeignet. Bei Unternehmen mit zentralen Logistik- oder Verkehrsknotenpunkten gewinnen nach Einschätzung der Forscher das Flottenmanagement und Shuttle-Dienste an Bedeutung. Eine einzelne Maßnahme lasse sich daher nicht ohne Weiteres auf unterschiedliche Betriebe übertragen.
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Für die Entwicklung eines integrierten Konzepts müssen Unternehmen zunächst verstehen, welche Wege ihre Beschäftigten tatsächlich zurücklegen. Dazu gehören die Entfernung zum Arbeitsplatz, verfügbare Verkehrsanbindungen und unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Auch die bestehende Infrastruktur und die Zusammensetzung der Fahrzeugflotte sollten berücksichtigt werden. Auf Grundlage dieser Daten lassen sich Maßnahmen auswählen, testen und schrittweise miteinander verbinden.
Nach Auffassung der Studienautoren können passende Mobilitätsmodelle Emissionen reduzieren und die Steuerung betrieblicher Kosten verbessern. Zugleich könnten sie die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöhen. Voraussetzung sei ein Ansatz, der Mobilität nicht als Sammlung einzelner Vergünstigungen, sondern als zusammenhängendes betriebliches System betrachtet.