Corporate Mobility Conference 2026 zum Fuhrpark der Zukunft
Corporate Mobility im Wandel: 5 Lehren für Unternehmen
Die Corporate Mobility Conference hat gezeigt, wie stark sich Fuhrpark, HR, IT und Einkauf verändern. Im Mittelpunkt standen Elektroflotten, Mobilitätsbudgets und digitale Prozesse. Doch eine Frage blieb besonders offen: Wer steuert künftig die Mobilität im Unternehmen?
Dr. Martin LargeDr. MartinLargeCvD Online all-electronics.de / Redakteur aIT/AP
5 min
Die CMxC 2026 zeigte Corporate Mobility als strategisches Thema zwischen Fuhrpark, Nachhaltigkeit, Kostenkontrolle und Mitarbeiterbedürfnissen. Im Hochhaus des Süddeutschen Verlags diskutierten Expertinnen und Experten über die Zukunft der Unternehmensmobilität.Ultima Media Germany
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Am 12. Mai 2026 verwandelte sich das Hochhaus des
Süddeutschen Verlages in München in ein Zentrum für die Mobilität der Zukunft.
Unter der Leitung von Dirk Reusch, Group Director Automotive Publishing & Events automotiveIT, Automobil Elektronik & Automobil Produktion, und dem Mobilitäts-Experten Dr. Hans-Peter Kleebinder kamen
Fachkräfte aus Fuhrpark, HR, IT, Finanzen und Einkauf zur zweiten Corporate
Mobility Conference (CMxC) zusammen. Die CMxC 2026 brach bewusst mit alten Mobility-Silos: Mobilität wurde nicht länger als isolierte Fuhrparkverwaltung verstanden, sondern als kollaboratives, strategisches Steuerungsfeld mit direktem Einfluss auf ESG-Ziele und Mitarbeiterzufriedenheit.
Die folgenden fünf Leitfragen fassen die intensiven
Diskussionen und Erkenntnisse der Konferenz zusammen:
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1. Warum ist die Umstellung auf Elektrofahrzeuge (BEV)
wirtschaftlich alternativlos?
Auch internationale Anbieter wie Xpeng waren Thema der CMxC 2026. Das Bild zeigt, wie stark neue Fahrzeugkonzepte und Elektromobilität im Flottenkontext das Interesse des Fachpublikums wecken.Ultima Media Germany
„Die BEVs aus unseren Auswertungen, aus unseren Daten ergeben einen ganz klaren kosteneffizienteren Einblick wie jegliche Dieselfahrzeuge, die wir in der Flotte haben“, stellte Steffen Krautwasser, Global Head of Car Fleet bei SAP unmissverständlich klar. Diese wirtschaftliche Überlegenheit zeigt sich besonders in der Total Cost of Ownership (TCO), da Betriebskosten für Energie und Wartung bei Elektrofahrzeugen deutlich geringer ausfallen. Jochen Schmitz, Leiter Vertrieb Großkunden bei Volkswagen Financial Services (VWFS), untermauerte die Dynamik des Marktes mit aktuellen Zahlen: Der Flottenmarkt, definiert als Fuhrparks mit mehr als zehn Fahrzeugen, macht heute rund 30 % der Zulassungen aus und ist der eigentliche Motor der Elektrifizierung. Schmitz betonte: „Man kann wohl sagen, dass der Hochlauf der E-Mobilität über den Flottenmarkt in Deutschland generiert wird.“
Zusätzlich treiben regulatorische Rahmenbedingungen wie die CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung und unternehmenseigene Carbon-Neutral-Strategien den Wandel voran, da der Fuhrpark bei vielen Unternehmen für bis zu zwei Drittel der eigenen Emissionen verantwortlich ist. Um diese Umstellung wirtschaftlich optimal zu gestalten, setzen Experten wie Dr. Annette Klett-Steinbauer, Co-Founderin von Chargylize, auf Datenanalysen: „Herausforderung der Fuhrparks ist eigentlich nicht die eigentliche Elektrifizierung, sondern im Endeffekt diese wirtschaftlich optimal umzusetzen.“ Hierbei helfen KI-Agentensysteme, die exakte Fahrprofile simulieren, um festzustellen, dass es „heutzutage einfach gar nicht mehr notwendig [ist] immer die größte Batteriegröße zu nehmen“, was den größten Kostentreiber massiv senkt.
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Dass die technologische Entwicklung diese ökonomische Transformation massiv beschleunigt, zeigt der Markteintritt neuer Akteure wie Xpeng. Peter Rudas (Fleet Sales Manager Germany) verdeutlichte, dass moderne E-Fahrzeuge die „Lebensqualität zurückgeben“, da Reichweitenangst durch extreme Ladegeschwindigkeiten ersetzt wird: „12 Minuten von 10 auf 80 %“ Ladekapazität sind beim Flaggschiff G9 bereits Realität.
2. Kann das Mobilitätsbudget den Dienstwagen als Benefit
ersetzen?
„Gegenüber dem Dienstwagen mit einer Tankkarte ist das Mobilitätsbudget in der Kostenbetrachtung unschlagbar“, hält Stephan Tschierschwitz, Leiter Mobility Services bei Schwarz Mobility Solutions fest. Während der klassische Dienstwagen oft unkalkulierbare variable Kosten verursacht, ermöglicht ein Budget eine exakte Planbarkeit der Ausgaben pro Mitarbeiter. Dass dieses Modell weit über ein Nischenprodukt hinausgewachsen ist, belegen die Nutzerzahlen: Bei SAP nutzen bereits rund 2.500 Mitarbeitende das Programm, und auch die Schwarz Gruppe verzeichnet im Rollout bereits über 500 Nutzer. Die Attraktivität zeigt sich besonders bei „Erstberechtigten“, die in urbanen Räumen wohnen und den Dienstwagen eher als Last empfinden; Tschierschwitz beobachtet hier: „An der Stelle [merken wir], dass die Menschen dann auf das Budget aufsteigen.“
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Die technische Skalierbarkeit dieses Modells wird erst durch den Einsatz intelligenter KI-Algorithmen möglich, die den administrativen Aufwand minimieren. Plattformen wie SAP Concur ermöglichen einen „geräuschlosen Prozess“, bei dem Belege für Bahn, ÖPNV oder Sharing-Dienste per App eingereicht und automatisiert steuerlich geprüft werden. Besonders überraschend: Das Budget spricht nicht nur die „Generation Z“ an, sondern ist laut Steffen Krautwasser auch bei der Generation 50+ beliebt, die den Komfort schätzt, private Fahrten zum Theater oder Restaurant flexibel per Taxi über das Budget abzurechnen.
3. Was ist der entscheidende Erfolgsfaktor bei der Einführung
neuer Mobilitätskonzepte?
Ein zentrales Thema der Konferenz war auch das berühmte „Abholen“ der Mitarbeitenden – und die Frage, ob genau dieser Begriff im Transformationsprozess überhaupt weit genug reicht. Dr. Hans-Peter Kleebinder plädierte dafür, Beschäftigte nicht nur passiv mitzunehmen, sondern sie aktiv zu befähigen: „Das Befähigen finde ich viel spannender.“ Denn echter Wandel scheitert selten an der Technik allein. Gerade die Umstellung auf neue Mobilitätskonzepte wie Elektromobilität löst in Unternehmen häufig eine „riesige Emotionswelle“ aus und verlangt deshalb konsequentes Change Management.
In den Pausen der CMxC 2026 stand der persönliche Austausch über neue Mobilitätskonzepte im Mittelpunkt.Ultima Media Germany
Neue Fahrzeugkonzepte gehörten ebenfalls zum Bild der CMxC 2026. Der Microlino machte anschaulich, wie breit das Spektrum moderner Corporate Mobility inzwischen reicht.Ultima Media Germany
Es muss nicht immer ein Auto sein: Bike-Sharing war auf der CMxC 2026 als praxisnaher Baustein nachhaltiger Unternehmensmobilität präsent.Ultima Media Germany
Wie viel Ausdauer dafür nötig ist, zeigt das Beispiel SAP. Dort dauerte es rund fünf Jahre kontinuierlicher Kommunikation, um Vorbehalte in der Belegschaft abzubauen. Statt nur von oben zu überzeugen, setzte das Unternehmen auf „Success Stories“ aus den eigenen Reihen: Mitarbeitende berichteten selbst von ihren Erfahrungen, sodass Fakten und praktische Beispiele stärker wirkten als abstrakte Argumente. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Vorbildfunktion des Managements. Wenn Führungskräfte alternative Mobilitätsformen sichtbar vorleben, steigt auch die Akzeptanz in der Organisation.
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Am Ende entscheidet sich der Erfolg solcher Programme nicht nur an Fahrzeuglisten oder Ladepunkten, sondern an der Qualität der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen HR, IT, Finance und Fleet. Um die Motivation hochzuhalten, empfiehlt das Team der CMxC, sich an agilen Sprints aus der IT zu orientieren: Kleine, schnell sichtbare Fortschritte helfen, den Wandel greifbar zu machen. Erst wenn das Nutzererlebnis konsequent über den reinen Verwaltungsprozess gestellt wird, kann Mobilität vom emotionalen Reizthema zu einem effizienten Bestandteil des Arbeitsalltags werden.
4. Wie beendet man das „Excel-Chaos“ im Fuhrparkmanagement?
In den Panels der CMxC 2026 wurde Corporate Mobility als Steuerungsinstrument für Kosten, Klima und Nutzererlebnis diskutiert. Besonders die Digitalisierung des Fuhrparkmanagements zeigte sich als Schlüsselthema der Konferenz.Ultima Media Germany
Wo Daten noch in Excel-Listen, E-Mail-Verläufen und Einzellösungen gepflegt werden, wird Fuhrparkmanagement schnell zur mühsamen Schnittstellenarbeit. Obwohl laut Marktumfragen noch immer 30 bis 50 % der Fuhrparks mit manuellen Listen verwaltet werden, führt diese Form der Datenpflege schnell zu fehleranfälligem „analogem Chaos.“ Pierre Rudolph, Berater für digitale Fuhrparksteuerung & E-Mobility, brachte das Problem auf den Punkt: „Der Fuhrparkmanager sollte nicht Klebstoff der Systeme sein.“ Gemeint ist: Wer Daten aus Tankkarten, Ladevorgängen, Werkstattprozessen, Bußgeldern und Kostenstellen manuell zusammenführen muss, verwaltet nicht strategisch, sondern stopft täglich Systemlücken.
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Wie teuer diese Lücken werden können, zeigte Thomas Tietje, Head of Sales & Business Development bei CenThree Advanced Mobility GmbH (Ronya), mit deutlichen Zahlen. Rund 68 % der Fuhrparks kennen demnach ihre Echtzeitkosten nicht. Stillstandzeiten, Prozessverzögerungen und fehlende Kostentransparenz können Verluste von rund 1.200 Euro pro Fahrzeug und Jahr verursachen. Digitalisierung ist damit längst mehr als eine reine Komfortfunktion, sondern zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Als Lösung präsentierte er ein systembruchfreies Ökosystemen, in denen Fahrer, Werkstatt und Fuhrparkleitung auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten. Solche Plattformen können den Verwaltungsaufwand um bis zu 38 % senken. API-Schnittstellen verknüpfen dabei Daten aus Tankkarten, Ladevorgängen oder Bußgeldprozessen modular miteinander und machen manuelle Eingaben weitgehend überflüssig. Das Ziel ist ein Fuhrparkprozess, in dem jede manuelle Nachfrage und jede Excel-Notlösung als Systemfehler verstanden wird.
5. Wie wandelt sich das Berufsbild des Fuhrparkverantwortlichen
in der Zukunft?
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„Es braucht den Corporate Mobility Manager. Der muss einfach mehr denken, in viel mehr Dimensionen als nur Fuhrpark“, prognostiziert Thomas Schaefer, Advisor Mobility bei Curious Mobility. Die klassische Rolle des Verwalters, der sich um Fahrzeugfarben und Zylinderanzahlen kümmert, verschwindet durch Automatisierung und Outsourcing. Wie radikal dieser Wandel ist, zeigt das Beispiel von Swisscom, dargestellt von Michael Klasa, Head of Mobility, Swisscom Schweiz: Durch die Externalisierung operativer Aufgaben schrumpfte das Team von ehemals 30 Personen auf nur noch zweieinhalb Stellen zusammen, die sich nun primär auf das strategische Partnermanagement konzentrieren.
In der Zukunft wird der Mobility Manager Mobilität über KPI-Dashboards steuern und als Schnittstellenmanager zwischen HR, IT und Finanzen agieren. Dabei unterstützen ihn spezialisierte KI-Tools bei operativen Aufgaben wie der Schadenerkennung, Rechnungsprüfung oder der minuziösen Disposition von Serviceflotten. Der Erfolg des modernen Mobility Managers bemisst sich nicht mehr an der Flottengröße, sondern an seiner Fähigkeit, Mobilität als „geräuschlosen Prozess“ bereitzustellen, der sowohl die CO2-Ziele als auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden erfüllt.