Neue Partner und Plattformen
Wie Stellantis seine Softwarestrategie schärft
Stellantis hat mit „Fastlane 2030“ einen neuen umfangreichen Strategieplan vorgestellt. Neben Investitionen in Plattformen, Antriebe und Werke rückt der Konzern Software stärker in den Fokus. Drei Partner spielen dabei zentrale Rollen.
Stellantis' neue Architektur „STLA One“ soll Komplexität reduzieren und Entwicklungsaufwände stärker bündeln.
Stellantis
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Stellantis stellt seine Konzernstrategie neu auf und verbindet den Umbau des Modellportfolios mit einer breiter angelegten Technologieoffensive. Der neue Strategieplan „Fastlane 2030“ umfasst nach Unternehmensangaben Investitionen von 60 Milliarden Euro über die kommenden fünf Jahre. Ziel sei es, Wachstum und Profitabilität zu steigern und Kapital stärker auf jene Marken, Regionen und Technologien zu konzentrieren, von denen sich der Konzern die höchsten Renditen verspricht.
Zugleich will Stellantis das Markenportfolio effizienter führen, doppelte Ausgaben vermeiden und Produktprogramme stärker bündeln. Bis 2030 sind mehr als 60 Neueinführungen und 50 größere Modellüberarbeitungen vorgesehen. Das Spektrum reicht von batterieelektrischen Fahrzeugen über Plug-in-Hybride und Range-Extender-Modelle bis zu Verbrennern mit Mild-Hybrid-Technik. „Fastlane 2030 ist das Ergebnis monatelanger disziplinierter Arbeit im gesamten Unternehmen. Der Plan steht für langfristiges profitables Wachstum. Der Kunde steht stets im Mittelpunkt unseres Handelns“, kommentiert CEO Antonio Filosa.
Ein zentraler Hebel liegt in der Standardisierung. Stellantis will in den kommenden fünf Jahren mehr als 24 Milliarden Euro in globale Plattformen, Antriebe und neue Technologien investieren. Bis 2030 soll die Hälfte des weltweiten Jahresvolumens auf drei globalen Plattformen basieren. Für die Softwarestrategie ist das relevant, weil digitale Funktionen gemeinsame Architekturen und hohe Stückzahlen benötigen, um wirtschaftlich skaliert zu werden. Die neue Architektur „STLA One“ soll dazu beitragen, Komplexität zu reduzieren und Entwicklungsaufwände stärker zu bündeln.
Technologie soll stärker über Partner skaliert werden
Neben Plattformen und Produktionsstrukturen rückt Stellantis die Softwarearchitektur deutlicher in den Mittelpunkt. Der Konzern nennt drei zentrale Technologiefelder. „STLA Brain" soll als skalierbare Rechen- und Softwarearchitektur dienen. „ „STLA SmartCockpit" soll neue Bedien- und Interaktionsformen im Fahrzeug ermöglichen. „ STLA AutoDrive" bildet die Grundlage für automatisiertes Fahren. Alle drei Technologien sollen im Jahr 2027 eingeführt werden. Bis 2030 sollen 35 Prozent des weltweiten Jahresvolumens mit mindestens einer dieser Lösungen ausgestattet sein. Bis 2035 peilt der Hersteller über 70 Prozent an.
Damit verknüpft Stellantis einen stärker partnergetriebenen Entwicklungsansatz. In der Strategie nennt der Konzern Kooperationen unter anderem in den Bereichen Computerarchitektur, Software, Fahrerassistenzsysteme, künstliche Intelligenz und Batterietechnologie. Zu den Partnern zählen Applied Intuition, Qualcomm, Wayve, Nvidia, Uber, Mistral AI und CATL. Aus Sicht des Unternehmens sollen solche Kooperationen interne Kompetenzen ergänzen und die Fahrzeugentwicklung beschleunigen.
Qualcomm liefert Rechenleistung für Cockpit und ADAS
Eine der nun konkretisierten Partnerschaften betrifft Qualcomm. Stellantis will Lösungen aus dem „Snapdragon Digital Chassis“ in die nächste Fahrzeuggeneration integrieren. Die Chips sollen Cockpit, Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme unterstützen. Zugleich sollen sie in STLA Brain eingebunden werden, die Elektronik- und Softwareplattform des Herstellers.
Im Rahmen dieser vertieften Zusammenarbeit haben Stellantis und Qualcomm Technologies eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet, wonach das zu Stellantis gehörende Unternehmen für automatisiertes Fahren und Simulation, aiMotive, Teil von Qualcomm Technologies werden soll – ein Schritt, der an verschiedene Bedingungen geknüpft ist. Die erweiterte Kooperation umfasst auch die Snapdragon-Ride-Pilot-Plattform für Fahrerassistenzsysteme. Nach Angaben der Unternehmen soll das System von aktiven Sicherheitsfunktionen bis zu freihändigem Fahren auf Level 2+ skalierbar sein. Stellantis verspricht sich davon eine weltweit validierbare Technologiebasis, die über Marken und Segmente hinweg eingesetzt werden kann.
Für den Konzern ist das vor allem mit Blick auf Standardisierung und Kosten wichtig. Softwarefunktionen sollen sich über eine gemeinsame Rechenarchitektur schneller in größere Stückzahlen bringen lassen. „Unsere Kundinnen und Kunden verdienen nahtlose Erlebnisse der nächsten Generation, die sich kontinuierlich weiterentwickeln, um ihre Fahrbedürfnisse zu erfüllen. Durch den Einsatz dieser intelligenten Plattform in unserem weltweiten Portfolio löst Stellantis dieses Versprechen mit beispielloser Geschwindigkeit und Effizienz ein“, betont Ned Curic, Chief Engineering and Technology Officer von Stellantis.
Applied Intuition soll STLA Brain beschleunigen
Auch die Zusammenarbeit mit Softwareentwickler Applied Intuition wird ausgeweitet. Die Unternehmen hatten bereits an STLA SmartCockpit gearbeitet. Künftig soll die Kooperation auch STLA Brain stärker unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Softwareentwicklung, Simulation, Validierung und Bereitstellung über zentrale Fahrzeugsysteme hinweg.
Stellantis beschreibt STLA Brain als Plattform, die Systemintegration vereinfachen und kontinuierliche Verbesserungen über den Lebenszyklus eines Fahrzeugs ermöglichen soll. Applied Intuition soll dazu Softwarewerkzeuge, Simulationsumgebungen und Funktionen rund um Fahrzeugbetriebssystem, Kabinenintelligenz und Autonomie einbringen. Für den Hersteller geht es damit wieder um kürzere Entwicklungszyklen, schnellere Funktionsupdates und eine gemeinsame Grundlage über mehrere Marken und Fahrzeugprogramme hinweg.
Die Formulierung der Partner zeigt, wohin die Entwicklung zielt. Fahrzeuge werden zunehmend als softwaredefinierte Systeme verstanden, deren Funktionen nicht allein zum Produktionsstart festgelegt werden. Updates, Validierung und KI-basierte Funktionen werden damit zu Kernfragen der Produktentwicklung. Stellantis versucht, diesen Wandel über eine eigene Architektur zu steuern, greift aber zugleich auf spezialisierte Softwarepartner zurück.
Wayve bringt KI ins automatisierte Fahren
Für automatisiertes Fahren setzt der Konzern künftig stärker auf Wayve. Die Unternehmen haben eine strategische Technologiepartnerschaft vereinbart. Der sogenannte „Wayve AI Driver“ soll in STLA AutoDrive integriert werden. Ziel ist freihändiges, überwachtes Fahren auf Level 2++ in städtischen Umgebungen und auf Autobahnen. Der erste Einsatz ist für 2028 in Nordamerika geplant.
Wayve verfolgt einen KI-zentrierten Ansatz für automatisiertes Fahren. Stellantis will diese Technologie mit der eigenen Plattform, der Entwicklungskompetenz und der industriellen Skalierung verbinden. Der anfängliche Fokus liegt auf Tür-zu-Tür-Funktionen, die unter Aufsicht der Fahrerin oder des Fahrers genutzt werden. Zugleich soll die Architektur perspektivisch höhere Automatisierungsgrade unterstützen, sofern Regulierung und Kundenerwartungen dies zulassen.
Die Partnerschaft ergänzt die übrigen Softwarebausteine des Konzerns. Qualcomm soll die Rechenbasis liefern, Applied Intuition die Entwicklung und Validierung zentraler Fahrzeugsoftware unterstützen, Wayve bringt KI-basierte Fahrfunktionen ein. Für Stellantis entsteht daraus ein mehrschichtiges Technologieprogramm, das von Halbleitern über Betriebssysteme bis zum automatisierten Fahren reicht.
Software wird Teil der Skalierungsstrategie
Stellantis richtet Investitionen, Plattformstrategie und Technologiepartnerschaften nun enger aufeinander aus. Der Konzern will Entwicklungsaufwände stärker bündeln, Komplexität in der Fahrzeugarchitektur reduzieren und digitale Funktionen über größere Stückzahlen skalieren. Die geplanten Kooperationen mit Qualcomm, Applied Intuition und Wayve fügen sich in diesen Ansatz ein.
Für die Umsetzung wird entscheidend sein, wie konsistent Stellantis die neuen Softwarearchitekturen über Marken, Regionen und Fahrzeugsegmente hinweg einführt. STLA Brain, STLA SmartCockpit und STLA AutoDrive sollen dafür gemeinsame technische Grundlagen schaffen. Zugleich bleibt offen, wie schnell sich KI-basierte Fahrerassistenz, zentrale Rechenarchitekturen und neue Cockpitfunktionen in marktreife Angebote übersetzen lassen.