Autonomes Fahren und Physical AI
Nvidia setzt zum nächsten großen KI-Sprung an
Nvidia erwartet bis Ende 2027 über eine Billion Dollar an KI-Aufträgen und setzt seine Offensive mit neuen Partnerschaften fort. So setzt unter anderem Hyundai-Kia auf die Level-4-Plattform Drive Hyperion, während der Chipriese sein Engagement bei Physical AI ausbaut.
Egal ob Mobilität oder Industrie: Physical AI ist für den Chipgiganten Nvidia der zentrale Wachstumsmotor.
Nvidia / BMW / Hexagon
Nvidia-Chef Jensen Huang hat auf der Entwicklerkonferenz GTC
seinen Optimismus für das KI-Geschäft deutlich unterstrichen. Bis Ende 2027
erwartet der Konzern Bestellungen von mindestens einer Billion US‑Dollar für
die aktuellen KI-Chipsysteme. Bereits im vergangenen Jahr hatte Huang von einem
möglichen Auftragsvolumen von 500 Milliarden Dollar bis 2026 gesprochen, nun
hat er diese Prognose deutlich nach oben korrigiert.
Der enorme Sprung signalisiert, wie stark Nvidia an die
anhaltende Investitionsbereitschaft großer KI-Entwickler glaubt. Unternehmen
wie OpenAI, Google oder Meta stecken weiterhin hunderte Milliarden in den
Aufbau neuer Rechenzentren für KI-Anwendungen, und ein erheblicher Teil dieser
Investitionen fließt in die GPU-Systeme von Nvidia.
Skeptikern, die bezweifeln, dass sich diese gigantischen
Ausgaben jemals rechnen lassen, hält Huang eine klare Botschaft entgegen.
Verzögerungen beim Ausbau der Rechenkapazitäten seien das eigentliche Problem,
sagte er. Jeder verlorene Monat koste Unternehmen Milliarden an potenziellen
Umsätzen. Nvidia selbst profitiert massiv vom Boom: Der Umsatz des Konzerns ist
im vergangenen Geschäftsjahr um fast zwei Drittel auf knapp 216 Milliarden
Dollar gestiegen.
Hyundai-Kia baut auf den Nvidia-Stack
Während Nvidia im Rechenzentrumssegment Rekordzahlen
anpeilt, setzt der Konzern zugleich die nächsten Akzente für die
Automobilindustrie. Die vertiefte Partnerschaft mit Hyundai-Kia sieht vor, dass
die Unternehmen künftig breiter auf die autonome Fahrplattform „Drive Hyperion“
setzen. Diese soll in ausgewählten Serienmodellen implementiert werden und eine
skalierbare, datengetriebene Entwicklungsarchitektur für Systeme vom
assistierten Fahren auf Level 2 bis hin zu hochautomatisierten Funktionen auf
Level 4 ermöglichen. Letztgenannte Stufe wollen auch BYD, Geely, Isuzu und
Nissan erreichen und setzen neuerdings ebenfalls auf die Hyperion-Plattform von
Nvidia.
Hyundai und Kia betrachten die Kooperation als strategischen
Baustein ihrer Software-Defined-Vehicle-Agenda. Beide wollen ihre Fähigkeiten
im Software-Stack und ihre umfangreichen Flotten mit Nvidias beschleunigter
Rechenplattform verknüpfen. Auf dieser Grundlage soll ein kontinuierlicher
Entwicklungsprozess etabliert werden, der reale Fahrzeugdaten, KI‑Modelltraining,
Simulation und Validierung miteinander verknüpft.
Rishi Dhall, Vice President Automotive bei Nvidia, betonte,
die Zukunft der Mobilität werde „auf KI und Software gebaut“. Man kombiniere
die Ingenieurskunst der südkoreanischen Autobauer mit Nvidias KI-Technologien,
um sichere und intelligente Systeme auf Basis von Drive bereitzustellen.
Heung-Soo Kim, Executive Vice President der Hyundai Motor Group, ordnete die
Zusammenarbeit als wichtigen Meilenstein ein und verwies darauf, dass sie die
technologische Wettbewerbsfähigkeit von Assistenzsystemen der Stufen 2 und
höher bis hin zu Robotaxi-Diensten stärken solle. Auch die Kooperation mit Hyundais
Robotaxi-Joint-Venture Motional soll vertieft werden.
Physical AI als strategisches Fundament
Parallel dazu stellte Nvidia die „Physical AI Data Factory
Blueprint“ vor, eine offene Referenzarchitektur für die skalierbare
Generierung, Erweiterung und Bewertung von Trainingsdaten. Das Konzept richtet
sich vor allem an Bereiche, in denen KI in der physischen Welt handeln muss,
etwa Robotik oder autonome Fahrzeuge. Nvidia sieht in Physical AI eine zentrale
Entwicklungslogik: Die Leistungsfähigkeit von Systemen steige mit der Menge und
Vielfalt der verfügbaren Daten ebenso wie mit der Rechenleistung.
Da viele reale Szenarien schwer zu erfassen sind, sollen
mithilfe des „Cosmos“-Frameworks sowohl reale als auch synthetische Datensätze
kuratiert, KI-basiert erweitert und automatisiert auf physikalische Stimmigkeit
überprüft werden. Das soll unter anderem die Entwicklung des
Vision-Language-Action-Modells „Alpamayo“ vorantreiben, das Nvidia für seltene
und sicherheitskritische Fahrsituationen entwickelt.
Orchestrierung und Cloud-Integration als Wachstumshebel
Um die technischen Hürden bei der Datenerzeugung und
-verarbeitung zu verringern, setzt Nvidia auf das Open-Source-Framework „Osmo“,
das Rechenprozesse über unterschiedliche Umgebungen hinweg orchestriert. Neu
ist die Integration von Coding-Agenten wie „Claude Code“, „OpenAI Codex“ und „Cursor“,
die Ressourcen autonom managen und Engpässe beseitigen sollen.
Für Unternehmen ohne eigene Hochleistungsinfrastruktur
stellen zudem Microsoft Azure und Nebius vollständig integrierte
Physical-AI-Umgebungen bereit, die alle Schritte von der Datengenerierung über
das Modelltraining bis zum Deployment abdecken. Erste Anwender wie Skild AI,
Uber, Milestone Systems oder Roboforce nutzen diese Angebote bereits, um
autonome Fahrzeuge, Robotersysteme oder Videoanalysemodelle schneller
weiterzuentwickeln.
Mit Material der dpa.