Klare UX, schnelle OTA-Updates

Wie Zeekr in Europa mit Software und Speed punkten will

Zeekr will in Europa nicht als weiterer E-Auto-Importeur auftreten, sondern als softwaregetriebener Herausforderer der etablierten Premium-OEMs. Entscheidend dafür sollen eine europäisch geprägte UX, schnelle OTA-Zyklen und China-Speed sein.

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Von außen setzt der Zeekr 7X auf eine glatte, dynamische SUV-Inszenierung. Der Innenraum wird geprägt von reduzierten Anzeigen, nützlicher Software und ein HMI, das weniger überwältigen als unterstützen soll.

Viele neue Elektroauto-Marken aus China kommen mit einer ähnlichen Erzählung nach Europa: viel Technik, viel Ausstattung, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zeekr versucht, sich davon bewusst zu lösen. Die Marke positioniert sich nicht nur über Reichweite oder Performance, sondern stark über das digitale Erlebnis im Fahrzeug. HMI, Connectivity, OTA-Updates und Assistenzsysteme sollen dabei nicht bloß Ausstattungsmerkmale sein, sondern tragende Säulen der Markenwahrnehmung. Genau deshalb betont Zeekr seinen europäischen Entwicklungsansatz so stark. Elemente wie HMI, Connectivity, Lenkungsgefühl, Pedalkennlinien und Fahrwerksabstimmung würden gezielt auf Europa angepasst, statt unverändert aus China übernommen zu werden. 

Vor allem im Bereich User Experience ist das relevant. Denn gerade hier tun sich viele neue Anbieter trotz beeindruckender Hardware noch schwer. Stefan Sielaff, VP Global Design beim Geely-Konzern, macht deutlich, dass für Zeekr die Bedienung nicht nachgelagert gedacht wird. Für ihn gehören GUI, Interaktionslogik, die Mischung aus Hardkeys und Softkeys sowie die Reaktion des Systems auf Nutzereingaben unmittelbar zur Designaufgabe. Sein Anspruch ist dabei nicht maximale Funktionsfülle, sondern Verständlichkeit. Nutzer sollen sich schnell orientieren können, statt sich durch verschachtelte Menüs zu kämpfen. 

Zeekr verzichtet auf den großen Bildschirm-Effekt

Diese Haltung erklärt auch, warum Zeekr bei der Display-Inszenierung eher zurückhaltend bleibt. Wird Sielaff direkt auf konkurrierende Konzepte wie BMWs Panoramic Vision angesprochen, fällt seine Antwort bemerkenswert nüchtern aus: Solche Lösungen seien nicht grundsätzlich schlecht, aber ein Fahrzeug müsse Informationen so darstellen, dass sie im Alltag verarbeitbar bleiben. Zu viel Anzeige könne auch zu viel Belastung sein. Zeekr setzt deshalb eher auf ein reduzierteres Layout mit großem Zentraldisplay und Head-up-Display statt auf maximale visuelle Überwältigung. Im Mittelpunkt steht nicht der Effekt, sondern die Nutzbarkeit beim Fahren. 

Timo Kabus, Produktmanager bei Zeekr, beschreibt die technische Basis dahinter. Er verweist auf einen Snapdragon-Chip als zentrales Rechenzentrum für unterschiedliche Funktionen im Fahrzeug. Aus Sicht des Unternehmens ist das deshalb wichtig, weil dadurch Sicherheitsfunktionen, Akustik, Fahrzeuglogik und HMI enger zusammenspielen können. Kabus leitet daraus eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit des Systems, flüssigere Darstellungen und mehr Individualisierungsmöglichkeiten ab. Besonders das Head-up-Display hebt er hervor: Informationen sollen dort nicht losgelöst im Raum schweben, sondern so wirken, als klebten sie förmlich auf der Fahrbahn.

OTA-Updates als Teil der Produktlogik

Die Software-Story von Zeekr endet aber nicht bei der Bordelektronik. Fast noch wichtiger ist die Organisation dahinter. Europa-Chef Lothar Schupet beschreibt das Zusammenspiel von Produkt, Design, Entwicklung und Marketing ausdrücklich als Arbeitsweise, die eher an ein agiles Softwareunternehmen erinnert als an einen klassischen Autobauer. Kundenfeedback werde über Clinics (Marktforschung), persönliche Gespräche und eine App gesammelt. Dort könnten Nutzer Bugs, Wünsche oder Schwachstellen direkt einmelden. Diese Rückmeldungen würden dann priorisiert und in die Weiterentwicklung eingespeist. Der Anspruch dahinter ist klar: Das Fahrzeug soll mit der Zeit besser werden, nicht altern.  

Dazu passt der hohe Stellenwert von OTA-Updates. Der OEM erklärt, dass die Basisfunktionen der Konnektivität und der Over-the-Air-Updates zunächst kostenlos Bestandteil des Angebots seien. Denkbar sei aber, künftig zusätzliche Inhalte oder digitale Mehrwerte auch im Abo-Modell anzubieten. Das ist deshalb interessant, weil Zeekr damit nicht sofort versucht, Grundfunktionen zu monetarisieren, sich aber bewusst die Tür für spätere digitale Geschäftsmodelle offenhält. 

Zwischen China-Tempo und Europa-Regeln

Beim automatisierten Fahren argumentiert Zeekr mit erkennbarer Vorsicht. Schupet verweist auf Technologien, die in China bereits umgesetzt sind – etwa autonomes Valet-Charging in Parkhäusern oder D-Pilot-Funktionen für KI-gestützte Ausweichmanöver. Für Europa wird der Anspruch deutlich vorsichtiger formuliert: Hier sei das aktuelle Fahrzeug auf Level 2 unterwegs. Die eigentliche Begrenzung liege aus Unternehmenssicht weniger in der Technik als in Regulierung und Marktanpassung. Das zeigt ein typisches Spannungsfeld: Zeekr will von der Wahrnehmung technologischer Reife profitieren, muss in Europa aber gleichzeitig glaubwürdig und regulatorisch sauber auftreten. 

Ähnlich verhält es sich beim Thema Sprachsteuerung. Auch hier räumt das Unternehmen indirekt ein, dass der Markt insgesamt noch weit vom Ideal entfernt ist. Gerade deshalb setzt Zeekr auf die nächste Entwicklungsstufe: Zeekr GPT. Dahinter steht die Idee, das Fahrzeug künftig stärker als conversational interface zu denken – also als System, mit dem der Nutzer in natürlicher Sprache interagiert, Ziele suchen, Funktionen aktivieren oder Einstellungen anpassen kann. Noch ist das eher Ausblick als ausgereiftes Serienversprechen. Aber es zeigt, wohin die Marke ihre UX-Entwicklung lenken will.