Musk verspricht weitreichende Verbesserungen
Tesla erwartet baldige EU-Zulassung für Autopilot
Tesla sieht seine „Full Self-Driving“-Software kurz vor der Zulassung in der EU. Nach grünem Licht in den Niederlanden rechnet der Konzern noch im laufenden Quartal damit. Dabei sieht Firmenchef Musk Teslas Zukunft eigentlich woanders.
Tesla hat aktuell 1,28 Millionen Abo-Kunden für das Selbstfahr-System FSD – 180.000 mehr als vor drei Monaten.
Tesla
Tesla rechnet damit, dass sein fortgeschrittenes
Fahrassistenzsystem, das Fahrern weitgehend die Steuerung abnehmen soll, in den
kommenden Monaten in der ganzen EU zugelassen wird. Man sei nach der
Genehmigung in den Niederlanden gut für eine EU-weite Zulassung im laufenden
Quartal aufgestellt, sagte Finanzchef Vaibhav Taneja nach der Vorlage von
Quartalszahlen.
Fahrer in den USA können die Software mit dem vollen Namen „Full Self-Driving (Überwacht)“
bereits seit einigen Jahren nutzen. Tesla musste dem ursprünglichen
Namen Full Self-Driving (FSD) den einschränkenden Zusatz hinzufügen, weil die
Software eben noch nicht autonom fahren kann und die Fahrer weiter die
Verantwortung tragen. Vor allem in der Anfangszeit berichteten sie noch von
vielen Fehlern, inzwischen verweist Firmenchef Elon Musk auf weitreichende
Verbesserungen. Tesla hat aktuell 1,28 Millionen Abo-Kunden für FSD –
180.000 mehr als vor drei Monaten.
Jahrelange Versprechen
Musk kündigt auch bereits seit rund einem Jahrzehnt an, dass Serien-Teslas mit
FSD tatsächlich autonom fahren werden. Nun „schätzte“ er, dass diese
unüberwachte FSD-Version in den USA „wahrscheinlich im vierten Quartal“
eingeführt werde. Zugleich schränkte Musk ein, dass Tesla die
Software nur schrittweise verfügbar machen werde, wenn man sie für eine
bestimmte Region für sicher befinde. Wagen mit älteren Computern, die auch
schon als FSD-fähig verkauft wurden, werde Tesla in „Minifabriken“
umrüsten müssen, sagte Musk.
Neuer Tesla-Fokus: Robotaxis und Roboter
Musk behauptet, dass die Zukunft von Tesla in selbstfahrenden
Robotaxis und humanoiden Robotern anstelle des Autoverkaufs liegen werde. Derzeit startet Tesla die Produktion seines Robotaxi-Fahrzeugs mit
dem Namen Cybercab. Es ist ein Zweisitzer, der ohne Lenkrad und Pedale
auskommen soll. Da „90 Prozent der Meilen“ mit einer oder zwei Personen im Auto
gefahren würden, werde der Cybercab auf lange Sicht wahrscheinlich den Großteil
der Tesla-Produktion ausmachen, sagte Musk.
In diesem Jahr will Tesla auch die Produktion seiner humanoiden
Roboter mit dem Namen Optimus starten. Der Konzern stellt seine größeren
Automodelle S und X ein – und auf der dadurch frei werdenden Fläche im
kalifornischen Fremont will Tesla stattdessen mit der Zeit eine
Million Roboter pro Jahr bauen. Musk betonte allerdings, dass die Produktion
nur langsam anlaufen werde, da es eine neue Technik sei.
Starke Konkurrenz von Waymo
Tesla will sowohl bei Robotern als auch bei Robotaxis in Märkte vorstoßen,
in denen es bereits starke Konkurrenten gibt. Vor allem bei selbstfahrenden
Autos ist die Google-Schwesterfirma Waymo mit ihren Robotaxis weit voraus.
Waymo sei etwa 50 Mal größer, betonte etwa der langjährige Tech-Analyst und
Investor Gene Munster. Musk setzt unter anderem auf einen Kostenvorteil, weil
er nur mit Kameras und ohne die teureren Laser-Radare auskommen will, die die
Umgebung von Fahrzeugen abtasten. Allerdings zweifeln viele Experten und
Konkurrenten an, dass damit verlässliches autonomes Fahren möglich ist.
Wieder besseres Geschäft nach Rückgängen
Die Zukunftsvisionen von Musk sind teuer. Tesla erhöhte die Prognose
für die Kapitalausgaben in diesem Jahr auf 25 Milliarden Dollar – von den erst
vor drei Monaten vorhergesagten 20 Milliarden Dollar.
Finanzieren muss Tesla das vor allem aus dem Geschäft mit dem
Autoverkauf – und das läuft nach den Absatzrückgängen im vergangenen Jahr
wieder besser. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent auf
22,39 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 17 Prozent auf 477 Millionen
Dollar. Die weltweiten Tesla-Auslieferungen kletterten im Jahresvergleich
um 6,3 Prozent auf 358.023 Fahrzeuge. Im Vorjahresquartal waren die
Auslieferungen noch um 13 Prozent gefallen.
Der Elektroauto-Vorreiter hat seine europäische Fabrik in Grünheide bei Berlin,
wo der Bestseller Model Y gebaut wird. Dort gab es im ersten Quartal laut
Taneja die bisher höchste Produktion von mehr als 61.000 Fahrzeugen. Das Werk
ist aktuell auf eine Kapazität von mehr als 375.000 Wagen jährlich ausgelegt.