„Ich will, dass Forvia mit unseren IT-Lösungen Wert schafft“
Seit Mitte 2025 leitet Raphaël Viard die IT-Geschicke bei Forvia. Im Gespräch mit automotiveIT spricht der CDIO über Integration der IT-Landschaften von Faurecia und Hella und erklärt, wie er eine einheitliche Datenbasis beim Zulieferer etablieren will.
„Die IT muss aktiv Ideen einbringen. Dafür muss man das Geschäft sehr gut kennen“, sagt Forvia-CDIO Raphaël Viard.Forvia
Anzeige
Herr Viard, Sie sind seit einigen Monaten CDIO bei
Forvia. Was hat Sie in dieser ersten Phase am meisten überrascht?
Es ist meine erste Position in der Automobilindustrie. Zuvor
habe ich vor allem für große Industrieunternehmen wie Alstom und Saint-Gobain
gearbeitet. Was mich an der Automobilindustrie besonders fasziniert, ist die
Geschwindigkeit der Transformation. Es fühlt sich derzeit manchmal an wie in
einer Waschmaschine: Es passiert unglaublich viel gleichzeitig. Wir treiben die
digitale Transformation voran, beschäftigen uns intensiv mit künstlicher
Intelligenz und müssen uns zugleich an geopolitische Entwicklungen sowie neuen
Wettbewerb anpassen. Positiv ist: Im Unternehmen gibt es ein gemeinsames
Verständnis dafür, dass wir schneller, schlanker und digitaler werden müssen.
Die Herausforderung liegt darin, trotz permanenter Krisen langfristig an den
Grundlagen zu arbeiten. Meine Rolle besteht darin, dieses Gleichgewicht zu
halten: die Zukunft aufzubauen und gleichzeitig auf unmittelbare Anforderungen
zu reagieren.
Anzeige
Sie betonen, dass IT geschäftsgetrieben sein muss. Was
bedeutet das konkret?
Forvia hat eine besondere Struktur: Es gibt mit der
Forvia-Gruppe sozusagen eine französische Seite und mit Forvia Hella eine
deutsche. Innerhalb dieser Struktur gibt es nur wenige Funktionen, die
übergreifend für beide Unternehmen arbeiten, darunter IT und indirekter
Einkauf. Ich führe also eine Organisation, die zwei interne Kunden bedient, die
zusammenarbeiten, wo es möglich ist, aber regulatorisch eigenständig bleiben.
Meine Überzeugung ist: IT und Digital dürfen keine reine Delivery-Funktion mehr
sein. Früher formulierten Fachbereiche Anforderungen, und die IT setzte sie in
Anwendungen oder Infrastrukturservices um. Diese Trennung funktioniert heute
nicht mehr. Es gibt so viele digitale Services und technologische Möglichkeiten
– von Hyperscalern bis zu agentischen Lösungen –, dass Fachbereiche allein kaum
überblicken können, was möglich ist. Deshalb muss IT aktiv Ideen einbringen. Dafür
muss man das Geschäft sehr gut kennen: die Werke, Prozesse, das Engineering und
die Funktionen. Nur dann entsteht ein echter Dialog darüber, wie Technologie
Effizienz, Innovation und Wertschöpfung verbessern kann.
Raphaël Viard spricht auf dem automotiveIT Kongress 2026
Am 14. Oktober 2026 geht Deutschlands größtes Branchentreffen der Automobil- und IT-Industrie in Berlin in die nächste Runde. CIOs und IT-Experten stellen in Ingolstadt ihre Strategien und Projekte vor. Erleben Sie spannende Vorträge, Paneldiskussionen, Insights auf unseren Deep Dive-Bühnen, die Verleihung der nächsten IT Team Awards und natürlich das Networking mit der Community hautnah.
Das klingt nach einem fundamentalen Rollenwechsel…
Anzeige
Ja. Ich fühle mich nicht nur dafür verantwortlich,
funktionierende Lösungen zu liefern. Ich will, dass Forvia mit diesen Lösungen
Wert schafft und dass sich das Business dadurch tatsächlich verändert. Wenn
eine Lösung technisch funktioniert, aber keinen Wert erzeugt, haben wir unseren
Auftrag verfehlt. Wir sind kein externer IT-Dienstleister, sondern ein interner
Partner. Deshalb zählt am Ende die Wertschöpfung. Das Business ist heute viel
früher in Design, Auswahl und Ausgestaltung von Lösungen eingebunden.
Gleichzeitig unterstützt die IT stärker die Transformation, die durch diese
Lösungen notwendig wird.
Wie verhindern Sie, dass Ihre Teams angesichts der vielen
Anforderungen nur noch operativ reagieren?
Der erste Punkt ist ein sauber organisiertes Demand-Management
mit klarer Governance. Wir haben den Austausch mit den Geschäftsbereichen
deutlich gestärkt und überprüfen regelmäßig Servicequalität, Nachfrage, große
Projekte und Prioritäten. Der zweite Punkt ist eine strikte Steuerung bei
großen Programmen wie S/4HANA. Dort braucht es klare Entscheidungen zwischen
Business und IT. Der dritte Punk: Wir müssen im eigenen Haus aufräumen. Wir
müssen agiler werden und Mittel freisetzen, um in neue Themen wie künstliche
Intelligenz investieren zu können. Deshalb haben wir einen ambitionierten
IT-Performance-Plan gestartet. Unser Ziel ist es, die IT-Kosten um 60 bis 80
Millionen Euro pro Jahr zu senken. Das entspricht etwa 15 bis 20 Prozent
unserer Kosten. Diese Einsparungen sollen uns ermöglichen, neue Themen zu
finanzieren, ohne die IT-Kosten für das Business immer weiter zu erhöhen.
Anzeige
Forvia ist nach der Übernahme der Mehrheit an Hella durch
die damalige Faurecia entstanden. Wie weit sind Sie bei der Integration der
IT-Landschaften?
Wir erzielen kontinuierlich Fortschritte. Mit Beginn der
Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen wurden zunächst Synergien
geschaffen, Teams zusammengeführt und Einkaufspotenziale gehoben. Aber relativ
schnell wurde klar: Man kommt nur begrenzt weiter, solange technologische
Lösungen und Anwendungen auf beiden Seiten unterschiedlich bleiben. In der IT
ist das Betriebs- und Supportmodell um die jeweilige Lösung herum aufgebaut.
Wenn Forvia und Forvia Hella unterschiedliche PLM-Systeme nutzen, gibt es meist
auch unterschiedliche Teams, die diese Systeme unterstützen. Das gilt für PLM
ebenso wie für Cybersecurity, Netzwerke oder andere Bereiche. Deshalb
adressiert unser IT-Performance-Plan sehr stark die Vereinfachung der
IT-Landschaft. Wir wollen gemeinsame Lösungen, gemeinsame Supportmodelle und
eine gemeinsame Betriebslogik schaffen.
Besonders sichtbar ist das in der Cybersecurity. Dort
ersetzen wir 17 unterschiedliche Lösungen durch eine einzige Plattform von Palo
Alto Networks. Das hilft uns, Teams zu vereinheitlichen, schneller zu reagieren
und die Servicequalität zu erhöhen. Der zweite große Bereich sind die
Kernanwendungen entlang der Wertschöpfungskette: CRM, Programmmanagement, PLM,
ERP und MES. In diesen Bereichen vereinfachen wir unsere Landschaft drastisch.
Unser Ziel ist es, auf eine oder maximal zwei Lösungen zu kommen. Das ist ein
wichtiger Schritt, um ein gemeinsames IT- und Digitalteam für Forvia zu werden.
Anzeige
Viele CIOs kämpfen mit dem Spagat zwischen kurzfristigen
Anforderungen und langfristiger Architekturarbeit. Wie lösen Sie das?
Bei langfristigen Investitionen denke ich vor allem an unser
Informationssystem. S/4HANA und PLM sind tiefgreifende Transformationsprojekte,
die Zeit brauchen, weil man Prozesse überprüft, Arbeitsweisen verändert und
neue Grundlagen schafft. Gleichzeitig bereiten wir damit die KI-Zukunft vor,
weil wir Prozesse harmonisieren und Datenkontinuität über Systeme hinweg
sicherstellen. Viele kurzfristige Anforderungen aus dem Business betreffen
dagegen Daten und Analytics: neue Datasets, Datenprodukte, Analysen oder
konkrete Use Cases in einem Werk. Hier verfolgen wir einen Plattformansatz. Die
großen Backbone-Systeme tragen unser Informationssystem, darauf schaffen wir
die Fähigkeit, kleinere Lösungen schnell zu entwickeln.
Daten gelten als Grundlage jeder KI-Strategie. Wie weit
ist Forvia auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen?
Anzeige
Wir sind aus meiner Sicht ziemlich gut aufgestellt. Forvia
hat früh verstanden, dass man eine Ontologie braucht, wenn man Daten wirklich
nutzen und skalieren will. Man braucht eine semantische Schicht, in der Daten
so gespeichert werden, dass Business und IT dieselbe Sprache sprechen. In
Zukunft gilt das auch für KI-Agenten. Wenn Daten von einer Maschine, einem
System oder einem FTS kommen, haben wir entweder bereits eine Ontologie, um sie
einzuordnen, oder wir schaffen sie. Ich vergleiche das gern mit einem
Buchladen: Bücher kommen an, und alles ist vorbereitet, um jedes Buch an den richtigen
Platz zu stellen. Mit Daten machen wir etwas Ähnliches. Das hilft uns, Daten
schneller zu analysieren, besser zu verstehen und aus verschiedenen Quellen zu
vergleichen.
Ich vergleiche das gern mit einem Buchladen: Bücher kommen an, und alles ist vorbereitet, um jedes Buch an den richtigen Platz zu stellen. Mit Daten machen wir etwas Ähnliches.
Raphaël Viard
Gibt es mit Blick auf Daten noch einen französischen und
einen deutschen „Buchladen“?
Der Vorteil dieses Buchladens ist gerade, dass er unabhängig
von Geografien und Systemen funktionieren soll. Natürlich gibt es Diskussionen,
weil man gemeinsame Definitionen braucht. Bei Faurecia und Hella gab es früher
teils gleiche, teils unterschiedliche Definitionen. Diese müssen wir
angleichen. Aber ich empfinde das nicht als Blockade. Das gesamte Unternehmen
versteht Digital und AI als Leistungshebel und Differenzierungsfaktor. Wenn es
darauf ankommt, spüre ich nicht, dass es zwei Unternehmen sind. Bei den
Entscheidungen seit meinem Einstieg stand immer das gemeinsame Interesse im
Vordergrund.
Anzeige
Entstehen die größten Datensilos nicht ohnehin eher
zwischen Fachbereichen?
Ich würde sagen: Das ist weniger ein Problem als eine
Chance. Viele Systeme, die wir derzeit erneuern, waren relativ alt. Sie hatten
nicht die richtigen APIs und nicht die richtigen Fähigkeiten, um Daten sauber
auszutauschen. Wenn man Prozesse heute mit Blick auf KI betrachtet, muss man
sie neu bewerten. Jedes Mal, wenn man Daten aus einem System exportiert, in
Excel transformiert und anschließend in ein anderes System überträgt, verliert
man die Fähigkeit, effiziente Agenten einzusetzen. Eine durchgängige Bill of
Materials zwischen Engineering, Manufacturing Engineering und Produktion
sicherzustellen, ist anspruchsvoll. Aber genau darauf werden wir viel
Aufmerksamkeit richten. Haben wir Silos? Ja. Können wir darüber hinweg
arbeiten? Ja. Können wir besser werden? Ja.
Kaum ein Gespräch über IT kommt derzeit ohne künstliche
Intelligenz aus. Wo sehen Sie bei Forvia bereits konkrete Use Cases?
Ich sehe zwei KI-Horizonte. Der erste ist langfristig:
Moderne Kernsysteme mit harmonisierten Prozessen sind ein Enabler für künftige
Performance und notwendig, um bestimmte Use-Cases überhaupt skalieren zu
können. Deshalb stelle ich mehrjährige Informationssystemprogramme nicht in
Gegensatz zu sofortigen KI-Aktivitäten. Beides gehört zusammen. Gleichzeitig
konzentrieren wir uns auf konkrete Themen, die in maximal einem Jahr oder
anderthalb Jahren Wert liefern können. Unser Umfeld verändert sich so schnell,
dass wir keine Use Cases starten wollen, die erst nach drei Jahren Wirkung
zeigen. Aktuell sehen vor allem Anwendungsfälle in der Softwareentwicklung, in
der Supply Chain und in der Wartung von Maschinen.
Wie organisieren Sie diese Aktivitäten?
Wir haben das Business Transformation Studio gestartet. Das
Team liefert nicht nur KI-Produkte, sondern setzt eine strikte
Innovationsmethodik durch. Im Kern arbeiten wir mit einem Stage-Gate-Prozess:
Ein KI-Projekt startet nicht ohne klare Beschreibung des Ziels und der Pain
Points. Danach verlangen wir einen detaillierten Business Case, bevor wir
implementieren. Früher wurde häufig zuerst Technologie gebaut und danach
gefragt, wie man sie ausrollen kann. Wir drehen das um und fragen zuerst:
Angenommen, die Technologie funktioniert – was bedeutet das für Change-Management,
Deployment, Wartung, Einsparungen und die Arbeit der Nutzer? Erst wenn der
Business Case überzeugt, beginnen wir mit der Umsetzung. Danach folgt die
Skalierung.
Eine sehr wichtige. Alle Use-Cases mit großem
Geschäftspotenzial werden vom Executive Committee gesponsert. Es überprüft sie
monatlich, unterstützt sie und finanziert die Hälfte der Kosten. Das Executive
Committee agiert damit gewissermaßen wie ein Investment Board. Der Grund ist
einfach: Bei den meisten Use Cases ist nicht die Technologie das Problem,
sondern die Transformation. Deshalb heißt es Business Transformation Studio.
Wir wollen, dass die Business Units früh darüber nachdenken, was ein Use Case
für ihre Transformation bedeutet. Und komplexe Transformationen brauchen die
richtige Führung.
Ein anderes zentrales Thema für IT-Organisationen ist
Cloud Computing. Sehen Sie angesichts geopolitischer Spannungen eine Rückkehr
zu On-Premise-Strukturen?
Nein. Wir sind ein sehr internationales Unternehmen. Die
Gruppe macht rund 20 Prozent ihres Geschäfts in China, und unsere chinesischen
Kunden verlangen, dass wir mit chinesischer Technologie arbeiten. Deshalb bauen
wir zum Beispiel eine Cloud auf Alibaba auf. Gleichzeitig glaube ich, dass
viele wichtige Cloud-Services den Weg in die Cloud rechtfertigen. In der
Fertigung sehe ich große Chancen für Cloud-to-Edge-MES. Es geht nicht um ein
System pro Werk, sondern eher um eine Art Control Tower. Auch souveräne Clouds
sehe ich positiv, etwa Bleu in Frankreich, ein Joint Venture von Orange und
Capgemini für Microsoft Azure Cloud ohne Zugriff durch Microsoft. Grundsätzlich
planen wir aber weiter, in die Cloud zu gehen und uns aus der
On-Premise-Infrastruktur herauszubewegen.
Auch aus Kostengründen?
Ja. Fast alle großen Anwendungen bewegen sich in Richtung
Software-as-a-Service. Wir gehen bei SAP in Richtung SAP Rise. Unser CRM ist
Salesforce, unser Programmmanagementsystem Planisware. Schrittweise haben wir
weniger Anwendungen in unseren Rechenzentren. Deshalb bewegen wir uns in
Richtung einer schrittweisen Schließung dieser Rechenzentren. Wir tun das
vorausschauend, damit sich unsere Data-Center-Teams weiterentwickeln können.
Sie sollen lernen, eine Public-Private-Cloud zu betreiben, statt eigene
Rechenzentren zu verwalten.
Wo ziehen Sie bei all diesen Themen die Grenze zwischen
internen Fähigkeiten und externen Partnern?
Ich sehe externe Partner an zwei Enden unserer Bedürfnisse.
Wenn wir neue Technologien pilotieren, brauchen wir externes Wissen. Ein
Beispiel ist agentische Orchestrierung. Solche Fähigkeiten hat man nicht
automatisch im eigenen Haus. Gleichzeitig muss man wichtige neue Technologien
ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst beherrschen. Ich bin kein Fan von
vollständigem Outsourcing. Wenn wir das Wissen aufgebaut haben, skalieren wir
unser internes Team. Aus 90 Prozent externen und zehn Prozent internen Ressourcen
kann dann ein gemischtes Team werden. Wenn Themen später zu Commodities werden,
können externe Partner wieder helfen, Kosten zu optimieren.
Eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Digital- und IT-Teams ist, schnell hoch- und wieder herunterzuskalieren. Wenn ein Geschäftsbereich vor einem Kunden steht und sofort eine Leistung braucht, ist es ihm egal, ob das IT-Team gerade an einem anderen Thema arbeitet.
Raphaël Viard
Geht es bei externen Partnern also vor allem um
Geschwindigkeit?
Genau. Man braucht externe Unterstützung, wenn interne Teams
überlastet sind und man schnell liefern muss. Eine der wichtigsten Fähigkeiten
eines Digital- und IT-Teams ist, schnell hoch- und wieder herunterzuskalieren.
Wenn ein Geschäftsbereich vor einem Kunden steht und sofort eine Leistung
braucht, ist es ihm egal, ob das IT-Team gerade an einem anderen Thema
arbeitet. Deshalb müssen wir Bedingungen schaffen, unter denen wir schnell mit
Partnern arbeiten und skalieren können. Bei einer Transformation in unserer
Größenordnung kann man nicht allein erfolgreich sein.
Forvia hat angekündigt, die Interiors Business Group an
Apollo Funds zu verkaufen. Welche Rolle spielt die IT bei diesem Carve-out?
Wenn man eine ganze Sparte verkauft, ist IT immer zentral.
Apollo kauft einen voll operativen Geschäftsbereich, das nach dem Carve-out ein
Informationssystem braucht, um eigenständig arbeiten zu können. Zunächst gibt
es ein Transition Service Agreement zwischen Forvia und dem ausgegliederten
Unternehmen. In diesem Rahmen betreiben wir bestimmte Services weiter. Schritt
für Schritt werden diese Services herausgelöst. Für die Teams bedeutet das eine
enorme Arbeitslast. Wir müssen Informationssysteme und Infrastruktur trennen.
Wenn man zum Beispiel SAP trennt, muss man sicherstellen, dass die Daten, die
zum ausgegliederten Unternehmen gehören, mitgehen, während andere Daten bei
Forvia bleiben.
Gleichzeitig konsolidieren Sie die IT-Landschaft. Wie
organisiert man das parallel?
Entscheidend ist eine sehr strikte Kapazitätsplanung. Häufig
arbeiten dieselben Experten an den wichtigsten Themen. Ich habe zum Beispiel
mein SAP-Projekt, mit dem wir 16 verschiedene SAP-Systeme in ein einheitliches
Core Model überführen wollen. Gleichzeitig brauche ich dieselben Experten, um
das bestehende SAP-System für den Carve-out zu schneiden. Deshalb haben wir
einen rollierenden Sechs-Monats-Forecast eingeführt. Jedes Projekt listet sechs
Monate im Voraus auf, welche Ressourcen benötigt werden. Ende 2027, wenn wir
unseren Projekt-Peak erreichen, werden ungefähr 400 bis 500 Menschen
gleichzeitig an diesen Projekten arbeiten.
Blicken wir drei Jahre nach vorn: Welche Entscheidung von
heute wird den größten Einfluss auf Forvias digitalen Erfolg haben?
Der Erfolg von Forvia wird von Talenten abhängen. Talente
entwickelt man, wenn man eine ambitionierte Agenda hat. Und ich glaube, wir
haben diese Agenda. Sie ist ein fantastisches Spielfeld für Menschen, die
zeigen wollen, wozu sie in der Lage sind. Die jungen Talente von heute werden
den Erfolg von morgen ausmachen. Deshalb achten wir sehr stark darauf, ein
Gewinnerteam aufzubauen. Gleichzeitig arbeiten wir an starken Grundlagen, die
den Wert von morgen freisetzen, und adressieren die Herausforderungen des
Tagesgeschäfts.
Zur Person:
Raphael Viard ist seit August 2025 Senior Vice President und Chief Digital & Information Officer bei FORVIA in Nanterre. Dort verantwortet er die digitale Transformation sowie die Weiterentwicklung der IT- und Datenstrategie des Automobilzulieferers. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Technologie, Daten und moderne IT-Architekturen Geschäftsprozesse effizienter machen und die industrielle Wertschöpfung stärken können.
Zuvor war Viard von November 2024 bis August 2025 Chief Digital Officer bei Bouygues Construction in Paris. In dieser Funktion trieb er die digitale Agenda des international tätigen Bau- und Infrastrukturkonzerns voran.
Eine prägende Station seiner Laufbahn war Saint-Gobain: Von September 2019 bis Dezember 2024 verantwortete er als Chief Digital & Information Officer HPS die digitale und informationstechnologische Ausrichtung der High Performance Solutions-Sparte. Dort sammelte er umfangreiche Erfahrung an der Schnittstelle von Industrie, IT und Transformation.