3 Fragen an Hensoldt-CIO André Scheidhammer
Warum KI in der Defence-IT ein sauberes Datenfundament braucht
Die Defence-Industrie muss schneller wachsen und zugleich sicher bleiben. Hensoldt-CIO André Scheidhammer erklärt, warum saubere Daten, harmonisierte Prozesse und klare IT-Architekturen die Basis für KI bilden.
Cyber-Resilienz, Informationsschutz und digitale Souveränität gehören für Hensoldt-CIO André Scheidhammer zu den zentralen Voraussetzungen jeder digitalen Transformation in der Defence-Industrie.
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Die Defence-Industrie steht unter hohem Wachstumsdruck. Neue Standorte, steigende Produktionskapazitäten, internationale Kooperationen und Akquisitionen müssen möglichst schnell in bestehende IT-Strukturen integriert werden. Gleichzeitig gelten besonders hohe Anforderungen an Cybersecurity, Informationsschutz, Compliance und digitale Souveränität.
Welche technologischen und organisatorischen Grundlagen dafür entscheidend sind und welche Rolle künstliche Intelligenz bereits heute spielen kann, gehört zu den Themen des automotiveIT Salons „automotiveIT meets defenceIT“ am 29. Juli 2026 in München. Im Vorfeld haben wir mit André Scheidhammer, CIO von Hensoldt und Speaker des automotiveIT Salons, gesprochen.
Welche digitalen Herausforderungen beschäftigen die Defence-Industrie derzeit besonders stark und welche davon werden aus Ihrer Sicht noch unterschätzt?
Die Defence-Industrie muss aktuell vor allem eines schaffen: deutlich schneller wachsen und gleichzeitig sicher bleiben. Das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis aber eine enorme Herausforderung. Neue Standorte, steigende Produktionskapazitäten, internationale Zusammenarbeit und Akquisitionen müssen IT-seitig in kurzer Zeit integriert werden – ohne Kompromisse bei Cybersecurity oder Compliance. Was aus meiner Sicht häufig unterschätzt wird, ist die Bedeutung der Grundlagen. Jeder spricht über KI oder Cloud. Der eigentliche Engpass sind aber oft harmonisierte Prozesse, saubere Stammdaten, integrierte Systemlandschaften und eine klare Enterprise-Architektur. Ohne dieses Fundament lassen sich viele der neuen Technologien gar nicht sinnvoll skalieren.
Automotive und Defence arbeiten unter sehr unterschiedlichen regulatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen. Wo sehen Sie dennoch die größten Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der IT-Transformation?
Die Gemeinsamkeiten sind größer, als viele vermuten. Beide Branchen stehen unter hohem Innovationsdruck, müssen komplexe Lieferketten beherrschen und ihre historisch gewachsenen IT-Landschaften modernisieren. Themen wie Standardisierung, Cloud, Datenqualität oder End-to-End-Prozesse beschäftigen beide gleichermaßen. Der entscheidende Unterschied ist die Sicherheitsdimension. In Defence sind Cyber-Resilienz, Informationsschutz und digitale Souveränität keine zusätzlichen Anforderungen, sondern zentrale Voraussetzungen. Entscheidungen über Cloud, Daten oder KI werden deshalb immer auch unter dem Blickwinkel von Sicherheit, Kontrolle und langfristiger Unabhängigkeit getroffen.
Welche Rolle spielt KI heute bereits in Defence-IT-Organisationen; eher in internen Prozessen, in der Lieferkette oder auch schon näher am Produkt?
Der größte Hebel liegt heute aus meiner Sicht noch klar in der Enterprise-IT. Wir sehen Potenzial in Bereichen wie Softwareentwicklung, IT-Service-Management, Wissensmanagement, Cybersecurity oder auch in der Unterstützung von Geschäftsprozessen. Langfristig wird KI aber deutlich weiter gehen. Agentic AI wird Unternehmen grundlegend verändern. Dafür braucht es jedoch zunächst eine harmonisierte Datenbasis und integrierte Prozesse. Genau deshalb sind große Transformationsprogramme heute weit mehr als klassische ERP-Projekte – sie schaffen die Grundlage dafür, dass KI später überhaupt ihr Potenzial entfalten kann. Im Produktumfeld entstehen ebenfalls spannende Möglichkeiten. Dort gelten allerdings zu Recht deutlich höhere Anforderungen an Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und regulatorische Freigaben.