Vernetzte Fahrzeuge

BMW weitet Bilddatenerfassung in europäischen Fahrzeugen aus

BMW will künftig mehr Bild- und Sensordaten aus Kundenfahrzeugen in Europa auswerten. Die ereignisbezogene Erfassung soll reale Verkehrssituationen für die Weiterentwicklung von Assistenzsystemen und automatisierten Fahrfunktionen nutzbar machen.

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BMW-Cockpit mit großem Zentraldisplay, das Navigation und die Darstellung eines Fahrerassistenzsystems mit Fahrspuren und erkannten Fahrzeugen zeigt.
Die Datenerhebung soll nur bei bestimmten Fahrsituationen ausgelöst werden. BMW nennt unter anderem Eingriffe von Assistenzsystemen, starke Bremsmanöver und Ausweichbewegungen als mögliche Auslöser für eine Aufzeichnung.

BMW-CIO Decker auf dem automotiveIT Kongress 2026

Die stärkere Nutzung von Fahrzeugdaten zeigt, wie eng Softwareentwicklung, KI und IT-Infrastruktur inzwischen mit der Weiterentwicklung des Fahrzeugs verbunden sind. Welche Rolle globale Plattformen und künstliche Intelligenz dabei innerhalb der BMW Group spielen, erläutert CIO und Senior Vice President Group IT Dr. Franz Decker auf dem automotiveIT Kongress 2026 in Ingolstadt. In seinem Vortrag am 14. Oktober spricht Decker über das Operating Model der BMW Group IT. Im Mittelpunkt stehen skalierbare Plattformen, KI-Agenten zur Automatisierung von Unternehmensprozessen sowie Cybersecurity und Resilienz. Der Konzern will damit nach eigenen Angaben messbaren Mehrwert entlang der automobilen Wertschöpfungskette schaffen. 🎫 Jetzt Ticket sichern!

BMW erweitert in Europa die Erhebung von Bilddaten aus Kundenfahrzeugen. Der Automobilhersteller will die Aufnahmen gemeinsam mit weiteren Sensordaten nutzen, um Fahrerassistenzsysteme und teilautomatisierte Fahrfunktionen weiterzuentwickeln. Voraussetzung für die Datenerfassung ist nach Angaben des Unternehmens die Zustimmung der jeweiligen Fahrzeugnutzer.

Seit April 2026 kann BMW bei Fahrzeugen der neuen Modellgeneration Bilddaten aus realen Verkehrssituationen erfassen. Dafür müssen die Modelle über die notwendige Sensorik und eine geeignete Architektur zur Datenverarbeitung verfügen. Zum Kreis der vorgesehenen Fahrzeuge zählen unter anderem der BMW iX3 und i3 sowie der X5 und der 7er. Weitere neue Modelle und Modellüberarbeitungen sollen folgen. Für den Münchner Autobauer ergänzen die Daten aus Kundenfahrzeugen bestehende Entwicklungsverfahren. Assistenzfunktionen werden bereits virtuell in Simulationen und mit Entwicklungsfahrzeugen erprobt. Informationen aus dem regulären Straßenverkehr sollen zusätzliche Situationen abbilden, die für die Weiterentwicklung der Systeme relevant sein können.

Erfassung wird durch Fahrsituationen ausgelöst

Die Daten sollen nicht permanent aufgezeichnet werden. Nach Angaben des Konzerns konzentriert sich die Erhebung auf bestimmte Ereignisse im Straßenverkehr. Dazu gehören beispielsweise Eingriffe eines Notbremsassistenten, starke manuelle Bremsungen oder plötzliche Ausweichmanöver. Auch Situationen, in denen ein Assistenzsystem eine mögliche Kollision beim Spurwechsel verhindert, können eine Aufzeichnung auslösen.

Dabei erfasst das Fahrzeug laut BMW nur Informationen, die für die Analyse der jeweiligen Situation vorgesehen sind. Neben Bildern der Außenkameras können Daten weiterer Umfeldsensoren hinzukommen. Auch fahrdynamische Größen wie Geschwindigkeit, Fahrtrichtung und Lenkwinkel werden einbezogen.

Ab Mitte September sollen zusätzlich Videodaten ereignisbezogen übertragen werden können. Eine einzelne Aufzeichnung ist laut Hersteller auf höchstens 120 Sekunden begrenzt. Die Videos gelangen zunächst in unveränderter Form in die IT-Systeme des Unternehmens.

Daten sollen maschinelles Lernen unterstützen

BMW will die erhobenen Daten unter anderem für Verfahren des maschinellen Lernens einsetzen. Auf dieser Basis sollen Fahrerassistenzsysteme und teilautomatisierte Funktionen weiterentwickelt werden. Verbesserungen könnten anschließend über Softwareupdates in geeignete Fahrzeuge eingespielt werden.

Damit gewinnt die Fahrzeugflotte zugleich an Bedeutung für die laufende Softwareentwicklung. Reale Fahrsituationen können Rückschlüsse darauf ermöglichen, wie Assistenzsysteme unter unterschiedlichen Bedingungen reagieren. Die vom Hersteller beschriebene Datenerhebung schafft dafür eine zusätzliche Informationsquelle neben Simulation und klassischer Fahrzeugerprobung.

BMW nennt Maßnahmen zum Datenschutz

Die Nutzung der Daten setzt nach Angaben des Unternehmens eine Einwilligung der Kunden voraus. BMW verweist zudem auf Maßnahmen nach dem Prinzip Privacy by Design. Die Fahrzeugidentifikationsnummer werde unmittelbar nach der Übertragung der Daten in das Backend gelöscht. Dadurch solle eine spätere Zuordnung der Aufzeichnung zu einem bestimmten Fahrzeug verhindert werden.

Eine Identifikation einzelner Verkehrsteilnehmer durch die Systeme sei nicht vorgesehen. Müssen Beschäftigte des Herstellers zu Entwicklungszwecken auf bestimmte Aufzeichnungen zugreifen, sollen erkennbare Gesichter und Kennzeichen anderer Verkehrsteilnehmer soweit technisch möglich vor der Wiedergabe unkenntlich gemacht werden.

Mit der erweiterten Erfassung verknüpft BMW die Weiterentwicklung ihrer Assistenzsoftware enger mit Daten aus dem realen Fahrzeugbetrieb. Wie stark diese Informationen die Entwicklung einzelner Funktionen beeinflussen werden, dürfte von Umfang und Qualität der verfügbaren Aufzeichnungen sowie den daraus ableitbaren Fahrsituationen abhängen.