So soll BMWs Neue Klasse Dooring-Unfälle vermeiden
Mit der Neuen Klasse erweitert BMW seine Sicherheitsfunktionen um eine aktive Türöffnungsverzögerung. Die Ausstiegswarnung erkennt Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer und kann das Öffnen der Tür gezielt verzögern.
Ein unachtsam geöffnete Tür im dichten Straßenverkehr kann für Radfahrer schwerwiegende Folgen haben. BMW hat ein Rezept dagegen.
BMW
Mit dem Start der Neuen Klasse führt BMW eine erweiterte Ausstiegswarnung ein, die sogenannte Dooring-Unfälle verhindern soll. Die Funktion erkennt herannahende Radfahrer, Fahrzeuge oder andere Verkehrsteilnehmer und kann das Öffnen der Fahrzeugtür aktiv verzögern, bis die Gefahr vorüber ist. Zum Einsatz kommt dabei ein elektronisches Türschloss in Verbindung mit den Seitenradaren des Fahrzeugs.
Dooring-Unfälle entstehen, wenn Insassen die Tür eines geparkten Fahrzeugs in den fließenden Verkehr öffnen. Besonders für Radfahrer sind solche Situationen gefährlich. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft standen 2024 allein in Berlin rund acht Prozent aller Fahrradunfälle im Zusammenhang mit Dooring.
Anfang des Jahres kündigte die Bundesregierung an, Türwarnsysteme künftig verpflichtend vorschreiben zu wollen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums werde das Thema mit „hoher Priorität“ bearbeitet. Geplant sei die verpflichtende Einführung von Assistenzsystemen wie Türöffnungswarnungen, um insbesondere Radfahrer besser vor Kollisionen mit plötzlich geöffneten Fahrzeugtüren zu schützen.
Bei BMW gehört die Ausstiegswarnung bereits seit Jahren zum Serienumfang vieler Modelle und warnte bislang akustisch sowie visuell vor drohenden Kollisionen. Mit der Neuen Klasse erhält sie erstmals eine aktive Eingriffsfunktion.
Eingreifen wenn nötig
Die neue Ausstiegswarnung ist Teil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts, das BMW unter dem Namen „Symbiotic Drive“ bündelt. Dahinter steht die Idee, Fahrerassistenzsysteme möglichst nahtlos mit dem Verhalten des Fahrers zusammenarbeiten zu lassen, anstatt permanent regulierend einzugreifen.
Das Fahrzeug analysiert dabei unter anderem Lenkverhalten, Blickrichtung und Fahrsituation. Assistenzfunktionen sollen nur aktiv werden, wenn eine tatsächliche Gefahr erkannt wird. Bewusst eingeleitete Fahrmanöver des Fahrers, etwa durch Blinken oder aktive Lenkeingaben, werden dagegen nicht unnötig korrigiert.
„Wir verbinden Fahrer und Assistenzsysteme zu einem kooperativen Gesamtsystem. Bei BMW arbeiten aktive Sicherheitsfunktionen als stille, intelligente Begleiter im Hintergrund – unaufdringlich aber effektiv, wenn es in kritischen Situationen darauf ankommt“, sagt BMWs Entwicklungschef für das Fahrerlebnis, Mihiar Ayoubi.
Der gleich Ansatz kommt auch beim weiterentwickelten Autobahnassistenten zum Tragen. Nachdem BMW das Level-3-System „Personal Pilot L3“ vorerst nicht weiter ausrollt, konzentriert sich der Hersteller auf leistungsfähigere Level-2+-Funktionen. Ziel ist ein möglichst natürliches Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, ohne die Verantwortung vollständig an das Fahrzeug zu übertragen.
Neue Klasse als Technologieträger
Den Auftakt für die neuen Sicherheitsfunktionen macht der BMW iX3 als erstes Serienmodell der Neuen Klasse. Weitere Modelle wie i3, X5 und 7er sollen folgen. Die Systeme laufen künftig auf dem zentralen Hochleistungsrechner „Superbrain of Automated Driving“, dessen Rechenleistung laut BMW etwa 20-mal höher ausfällt als beim Vorgängersystem. Neben der verbesserten Ausstiegswarnung umfasst das Sicherheitspaket unter anderem einen weiterentwickelten Notfall-Lenkeingriff, einen Notbremsassistenten mit Ausweichhilfe, eine Vorfahrtswarnung sowie neue Schutzfunktionen beim Rangieren und Parken.
Damit setzt BMW derzeit stärker auf die Weiterentwicklung praxisnaher Fahrerassistenz- und Sicherheitsfunktionen als auf die kurzfristige Einführung höherer Automatisierungsstufen. Die aktive Türöffnungsverzögerung zeigt beispielhaft, wie der Hersteller konkrete Unfallrisiken im Alltag adressieren will – insbesondere im zunehmend konfliktträchtigen Zusammenspiel von Auto- und Radverkehr.