J.D. Power-Studie

Komplexe Fahrzeugtechnik stößt bei Nutzern auf Vorbehalte

Eine Erhebung des US-amerikanischen Beratungsunternehmens J.D.-Power zeigt, welche Fahrzeugtechnologien bei US-Neuwagenkäufern gut ankommen. Unauffällig arbeitende Funktionen erzielen hohe Werte, während komplexere Assistenzsysteme und zusätzliche Displays häufiger auf Kritik stoßen.

2 min
Innenraum eines BMW 7er mit großem zentralen Infotainment-Display und separatem Bildschirm auf der Beifahrerseite. Die Anzeige zeigt unter anderem Navigation, Mediensteuerung, Wetterinformationen und weitere digitale Fahrzeugfunktionen.
Beifahrerbildschirme, wie hier im Cockpit des BMW 7er, zählen laut J.D. Power zu den Technologien, die vergleichsweise selten genutzt werden und zugleich überdurchschnittlich viele gemeldete Probleme aufweisen.

Je unauffälliger digitale Funktionen ihren Dienst verrichten, desto positiver fällt offenbar die Bewertung durch Autofahrer aus. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle U.S. Tech Experience Index von J.D. Power. Besonders gut schneiden dort Technologien ab, die alltägliche Abläufe vereinfachen. Komplexere Assistenzsysteme und zusätzliche Displays könnten die Nutzererfahrung dagegen beeinträchtigen.

Für den U.S. Tech Experience Index analysiert J.D. Power insgesamt 40 Technologien aus fünf Bereichen. Dazu zählen Komfortfunktionen, vernetzte Fahrzeugdienste, Fahrerassistenz, Elektromobilität und sogenannte Smart-Vehicle-Anwendungen. In die Untersuchung flossen Antworten von 68.084 Besitzern neuer Fahrzeuge des Modelljahres 2026 ein. Die Befragung erfolgte jeweils nach 90 Tagen Nutzung. Erhoben wurden die Daten zwischen Juni 2025 und Mai 2026. Grundlage waren Fahrzeuge, die von März 2025 bis Februar 2026 zugelassen wurden. J.D. Power kombiniert für den Index die Verbreitung neuer Technologien mit deren Bewertung durch die Nutzer. Berücksichtigt werden sowohl die Zufriedenheit mit einzelnen Funktionen als auch die Zahl der im Betrieb auftretenden Probleme.

Mehr Automatisierung bringt nicht automatisch Vorteile

Zu den am besten bewerteten Anwendungen gehören Funktionen, die weitgehend im Hintergrund arbeiten. J.D. Power nennt unter anderem Systeme zum automatisierten Starten und Abschalten des Fahrzeugs sowie intelligente Klimafunktionen. Letztere können die Einstellungen des Innenraums automatisch anpassen. Auch gespeicherte und automatisch angewendete Fahrerpräferenzen erreichen der Untersuchung zufolge vergleichsweise hohe Zufriedenheitswerte. Gleichzeitig treten bei diesen Technologien relativ wenige von den Fahrzeughaltern gemeldete Probleme auf. Beim sogenannten Smart Ignition weist die Studie beispielsweise 2,4 Probleme je 100 Fahrzeuge aus.

Damit deutet die Untersuchung darauf hin, dass technologische Komplexität aus Sicht der Nutzer keinen eigenständigen Mehrwert darstellt. Entscheidend ist vielmehr, ob eine Funktion konkrete Abläufe erleichtert und dabei möglichst wenig zusätzliche Aufmerksamkeit erfordert. Dieses Muster zeigt sich auch bei Fahrerassistenzsystemen. Systeme nach SAE Level 2 erzielten in der Untersuchung bei Umsetzung und Gesamterlebnis bessere Bewertungen als technisch weitergehende Level-2+-Lösungen, die unter bestimmten Bedingungen freihändiges Fahren ermöglichen.

Bei der Zahl der gemeldeten Schwierigkeiten liegen die komplexeren Systeme zwar leicht vorne. J.D. Power nennt 13,8 Probleme je 100 Fahrzeuge für Level 2+ und 14,3 für Level 2. Dieser geringe Unterschied schlägt sich jedoch nicht in einer besseren Gesamtbewertung nieder. Nach Einschätzung der Studienautoren könnten Fahrzeughalter derzeit mit Systemen besser zurechtkommen, deren unterstützende Rolle klar erkennbar bleibt. Zusätzliche Automatisierungsfunktionen führen demnach nicht zwangsläufig zu höherer Zufriedenheit.

Beifahrerdisplays werden selten genutzt

Kritisch fallen die Ergebnisse für zusätzliche Bildschirme auf der Beifahrerseite aus. Solche Displays finden sich häufiger in Fahrzeugen von Premiummarken, zählen laut J.D. Power jedoch zu den störanfälligeren Technologien der Untersuchung. Die Studie weist hier 21,3 gemeldete Probleme je 100 Fahrzeuge aus.

Zugleich ist die tatsächliche Nutzung begrenzt. 35 Prozent der befragten Halter eines entsprechend ausgestatteten Fahrzeugs gaben an, den Beifahrerbildschirm noch nie verwendet zu haben. Lediglich sechs Prozent nutzen ihn nach eigenen Angaben bei jeder Fahrt. Bei einigen Modellen mit zusätzlichen Displays stellte J.D. Power zudem höhere Problemraten im Infotainmentsystem fest.

Cadillac führt das Markenranking an

Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass eine größere Zahl sichtbarer digitaler Komponenten allein noch keine bessere Nutzererfahrung schafft. Für Hersteller gewinnt entsprechend die Frage an Bedeutung, wie häufig Funktionen tatsächlich eingesetzt werden und welchen Aufwand ihre Bedienung verursacht.

Im Innovationsranking erreicht Cadillac mit 641 von 1.000 möglichen Punkten den höchsten Wert und führt zugleich das Premiumsegment an. Dahinter folgen Genesis mit 559 Punkten und BMW mit 524 Punkten. Unter den Volumenmarken liegt Hyundai mit ebenfalls 524 Punkten vorne. GMC und Kia folgen mit jeweils 470 Punkten.

Balkendiagramm des J.D. Power U.S. Tech Experience Index 2026. Cadillac führt das reguläre Innovationsranking mit 641 Punkten an. Genesis folgt mit 559 Punkten. BMW und Hyundai erreichen jeweils 524 Punkte. Der Studiendurchschnitt liegt bei 502 Punkten.
Cadillac erzielt im J.D. Power U.S. Tech Experience Index 2026 den höchsten Wert unter den regulär gewerteten Marken. Hyundai führt das Volumensegment an.