Kooperation beim Software-Defined Vehicle
Honda und Nissan standardisieren ECUs und SDV-Software
Was sich lange abzeichnete, wird konkret: Honda und Nissan haben eine gemeinsame Entwicklung zentraler Hard- und Softwarebausteine für kommende softwaredefinierte Fahrzeuge beschlossen. Die Kooperation reicht dabei über ein gemeinsames Betriebssystem hinaus.
Honda und Nissan wollen ihre Zusammenarbeit beim Software-Defined Vehicle deutlich ausbauen. Ab 2029 sollen gemeinsame ECUs, Betriebssysteme und weitere Softwarekomponenten in Fahrzeugen beider Hersteller zum Einsatz kommen.
Honda / Nissan (Collage)
Honda und Nissan vertiefen ihre Zusammenarbeit beim Software-Defined Vehicle. Die beiden japanischen Autohersteller haben einen gemeinsamen Entwicklungsvertrag unterzeichnet, der die Standardisierung mehrerer zentraler Steuergeräte sowie wichtiger Softwarekomponenten für die nächste SDV-Generation vorsieht. Die gemeinsam entwickelten Technologien sollen ab dem Geschäftsjahr 2029 in Fahrzeugen beider Hersteller zum Einsatz kommen.
Damit bestätigt sich ein Medienbericht von Ende Juli. Damals hieß es, Honda und Nissan prüften die gemeinsame Entwicklung eines Fahrzeugbetriebssystems. Die Gespräche über eine Standardisierung seien bereits weit fortgeschritten, eine endgültige Entscheidung stand zu diesem Zeitpunkt jedoch noch aus.
Die nun geschlossene Vereinbarung umfasst wesentlich mehr als das damals im Mittelpunkt stehende Betriebssystem. Honda und Nissan wollen auch zentrale Rechner, Zonensteuergeräte sowie wesentliche Teile der Middleware und der Fahrzeugsteuerungssoftware gemeinsam entwickeln und standardisieren.
Welche SDV-Technik entwickeln Honda und Nissan?
Im Zentrum der Kooperation stehen mehrere elektronische Steuergeräte, die künftig den Kern der E/E-Architekturen beider Hersteller bilden sollen. Dazu gehören leistungsfähige zentrale Steuergeräte beziehungsweise High Performance Computer auf SoC-Basis sowie Zonensteuergeräte, die Funktionen innerhalb einzelner Fahrzeugbereiche bündeln.
Honda und Nissan wollen hierfür gemeinsame Spezifikationen entwickeln. Gleichzeitig sollen auch das Fahrzeugbetriebssystem sowie wesentliche Teile der Middleware und der Fahrzeugsteuerungssoftware standardisiert werden. Damit reicht die Kooperation über mehrere Ebenen des SDV-Stacks. Sie beginnt bei der zentralen Rechenhardware und reicht über Betriebssystem und Middleware bis zu grundlegenden Softwarefunktionen für die Fahrzeugsteuerung.
Warum standardisieren Honda und Nissan?
Hinter der Zusammenarbeit stehen vor allem die steigenden Entwicklungsaufwände für Software-Defined Vehicles. Neue E/E-Architekturen benötigen leistungsfähigere Rechnerplattformen, umfangreiche Basissoftware und zunehmend komplexe Entwicklungs- und Validierungsprozesse. Daher wollen die OEMs wollen Entwicklungsressourcen und technisches Knowhow bündeln. Die gemeinsame Entwicklung soll die Entwicklungszeiten verkürzen, Investitionen effizienter machen und Skaleneffekte schaffen.
Gerade bei grundlegenden Software- und Hardwareplattformen kann eine gemeinsame technische Basis verhindern, dass beide Hersteller ähnliche Komponenten parallel entwickeln. Gleichzeitig können größere Stückzahlen bei Hardware und Softwareplattformen die Kosten pro Fahrzeug senken.
Wird die gesamte Fahrzeugsoftware gemeinsam entwickelt?
Die Vereinbarung bedeutet keine vollständige Vereinheitlichung der Fahrzeugsoftware von Honda und Nissan. Im Mittelpunkt stehen zunächst grundlegende Komponenten und gemeinsame Spezifikationen. Auf dieser technischen Basis können beide Hersteller weiterhin eigene Funktionen und fahrzeugspezifische Lösungen entwickeln. Die Standardisierung konzentriert sich damit vor allem auf Bereiche des SDV-Stacks, bei denen sich Entwicklungsaufwand und Investitionen gemeinsam nutzen lassen. Für die Differenzierung der Marken bleiben darüber hinaus eigene Anwendungen, Funktionen und Bedienkonzepte möglich.
Wann kommt die Plattform zum Einsatz?
Die gemeinsam entwickelten ECUs und Softwarekomponenten sollen nach derzeitiger Planung ab dem Geschäftsjahr 2029 in den nächsten Generationen der Software-Defined Vehicles von Honda und Nissan eingesetzt werden. Bis dahin müssen die Hersteller gemeinsame Spezifikationen für Hardware und Software festlegen und daraus serienfähige Plattformen entwickeln. Welche Fahrzeugmodelle zuerst auf die gemeinsamen Komponenten setzen werden, haben die Partner bislang nicht genannt.
Wie lange kooperieren Honda und Nissan bereits bei SDVs?
Die aktuelle Vereinbarung ist der bislang konkreteste Schritt einer Zusammenarbeit, die bereits seit 2024 aufgebaut wird. Im März 2024 hatten Nissan und Honda zunächst angekündigt, eine strategische Partnerschaft für Elektrifizierung und intelligente Fahrzeuge zu prüfen. Im August desselben Jahres vereinbarten die Unternehmen anschließend gemeinsame Grundlagenforschung für Plattformtechnologien der nächsten SDV-Generation. Schon damals spielte die Frage eine Rolle, welche technischen Grundlagen sich gemeinsam entwickeln und standardisieren lassen. Die Kooperation beschränkt sich dabei nicht auf Software. Honda und Nissan untersuchten unter anderem gemeinsame Spezifikationen für Batteriemodule und E-Achsen, eine gegenseitige Ergänzung ihrer Fahrzeugportfolios sowie eine Zusammenarbeit bei Energie- und Ladediensten.
Was wurde aus den Fusionsplänen von Honda und Nissan?
Zwischenzeitlich gingen die Pläne erheblich weiter. Im Dezember 2024 begannen Honda und Nissan Gespräche über eine mögliche Unternehmensintegration unter einer gemeinsamen Holdinggesellschaft. Doch bereits im Februar 2025 wurden diese Fusionsgespräche wieder beendet. Die strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Elektrifizierung und Fahrzeugintelligenz sollte jedoch weitergeführt werden.